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Anregend wie eine Tasse Kaffee

Oper auf dem Lande Anregend wie eine Tasse Kaffee

„Ei, wie schmeckt der Kaffee Süße!“: Mit einer farbenprächtigen Aufführung des Programms „Wer hat hier die Hosen an? Die Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach und Hosenrollen von Händel bis Strauß“ hat die „Oper auf dem Lande“ auch in Bückeburg überzeugen können.

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Total verliebt: Liesgen und ihr Gärtner.

Quelle: mig

BÜCKEBURG. Franziska Abram und Franziska Giesemann (Sopran), Katarina Andersson und Anna Schaumlöffel (Mezzosopran), sowie Florian Neubauer (Tenor) und Friedo Henken (Bass) brillierten mit tollen Stimmen und viel Elan. Kurzfristig war die ausverkaufte Aufführung wegen des Wetters aus dem Schlosspark in die Remise verlegt worden.

Das Lied „C-A-F-F-E-E, trink nicht zu viel Kaffee“ dürfte wohl jeder kennen, der über 40 ist. Als Kind hat es einem die Oma vorgesungen, vorzugsweise mit einer Tasse Kaffee in der Hand – „aber für dich ist das noch nichts – du bist noch viel zu klein dafür“. Heute wissen wir: Kaffee ist gesund, zumindest wenn er in Maßen getrunken wird.

Kaffee als Genussmittel,nicht als Krankmacher

Die Angst, die noch im 18. Jahrhundert zu spüren ist, ist heute auf andere Drogen übergegangen. Kaffee gilt wieder als Genussmittel und nicht mehr Krankmacher oder, wie es in einer Zeitung steht, die Herr Schlendrian liest: „Modegetränk Kaffee: ‚Segen oder Fluch?’“ Um es kurz zu machen: Im Grunde ist auch die „Kaffeekantate“ von Johann Sebastian Bach nichts anderes als der lange Zeit hochbeliebte Kaffee-Kanon „C-A-F-F-E-E“.

Mit pädagogischem Zeigefinger durchaus, aber vor allem mit viel Witz und Ironie, die man dem Herren Bach eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Im Kern geht es schließlich um einen Generationen-Konflikt einen Konflikt zwischen Jung und Alt, Vater und Tochter. Herr Schlendrian (Friedo Henken, Bass) will seiner Tochter Liesgen unbedingt die „Unsitte“ des Kaffeetrinkens abgewöhnen. „Nun folge, was dein Vater spricht.“ Erst als er ihr die Heirat erlaubt – Liesgen liebt den armen Gärtner –, willigt Liesgen scheinbar ein. Allerdings lässt sie hintenherum verbreiten, dass sie nur einen Mann akzeptieren werde, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. Und wie singt das Liesgen in einer Passage so schön? „Herr Vater, seid doch nicht so scharf! Wenn ich des Tages nicht dreimal mein Schälchen Coffee trinken darf, so werd ich ja zu meiner Qual, wie ein verdorrtes Ziegenbrätchen.“

Natürlich ist der Vater zunächst sehr dagegen. Er sperrt sich sowohl gegen den Gärtner als auch gegenüber dem Kaffee. So leicht wollen die beiden aber nicht aufgeben. Flugs wird eine riesige Tasse Kaffee gebraut und dem Herrn Schlendrian gereicht. Mit dem versöhnlichen Trio der Gesangssolisten – „Die Katze lässt das Mausen nicht“ – endet die Kantate.

Ein bis zum Schlussmitreißendes Stück

Einmal mehr wird hier deutlich, dass Bach „seine“ Leipziger Bürger sehr klar sah. „Die Katze lässt das Mausen nicht, die Jungfern bleiben Coffeeschwestern. Die Mutter liebt den Coffeebrauch. Die Großmama trank solchen auch. Wer will nun auf die Töchter lästern!“ Alle tun es – Mann und Frau, Arm und Reich, Jung und Alt. Der Kaffee ist buchstäblich in aller Munde.

Überhaupt war es ein bis zum Schluss mitreißendes Stück, dass die „Oper auf dem Lande“ hier vorgetragen hat. Zwar nicht – wie zunächst angekündigt – draußen, dafür aber mit einem Elan, dass einem Hören und Sehen verging. Tolle Stimmen und ein talentiertes, gut aufeinander abgestimmtes Team machten den Nachmittag in der Schlossremise zu einem Hochgenuss. Kurzum: ein Stück, so anregend wie eine Tasse Kaffee. mig

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