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Bückeburg Stadt Arzt vergisst Draht im kleinen Zeh
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Arzt vergisst Draht im kleinen Zeh
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00:25 17.03.2018
Am Röntgen deutlich sichtbar: Ein langer Metalldraht befand sich im Fuß von Dirk W. Quelle: jak
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Bückeburg

Schon seit Jahren litt er an einem Hammer- sowie Krallenzeh am linken Fuß. Doch dass sich daraus eine monatelange Tortur inklusive Schmerzensgeldansprüche entwickeln würde, das hätte der 68-jährige Hessisch Oldendorfer beim besten Willen nicht erwartet.

 Dabei lief die Operation eigentlich wie erwartet. Ein Belegarzt im damals noch geöffneten Krankenhaus Bethel in Bückeburg führte die Operation durch. Am 12. Januar 2017 wurde der Fuß operiert und alle Zehen gerichtet. Die Knochen wurden mit insgesamt drei sogenannten Kirschner Drähten fixiert. Doch nachdem die Drähte bei einem weiteren Eingriff entfernt wurden, entzündete sich der kleine Zeh von Dirk W. massiv. Es kam so weit, dass er am 27. Januar erneut operiert werden musste. Es wurde eine Drainage gelegt und eine sogenannte Antibiotikakette verlegt.

Draht in Praxis aus dem Zeh gezogen

 Doch die Entzündung ging einfach nicht zurück. Erst am 7. März, also knapp zwei Monate nach der Operation, wurde Dirk W. das erste Mal nach der Operation geröntgt. Das Ergebnis hält er beim Pressegespräch in der Hand. Dirk W. erzählt: „Da kam der Arzt dann an und sagte ,Oh, oh, oh, da habe ich was übersehen‘.“ Auf dem Röntgenbild klar ersichtlich: Im kleinen Zeh des Hessisch Oldendorfers steckt noch immer ein etwa sechs Zentimeter langer Fremdkörper: der bei der ersten Operation verlegte Kirschnerdraht.

 

 Offenkundig war dieser beim Ziehen der Drähte vergessen worden. Doch der Chirurg – diesmal war W. in seiner Praxis in Schaumburg – hatte gleich eine Lösung parat. Unter örtlicher Betäubung zog er den Draht aus dem Zeh. „Ich dachte, der reißt mir den ganzen Fuß ab“, erinnert sich der 68-Jährige heute. Doch diesmal ging alles gut. Nach dem erneuten Eingriff begann die Genesung mit zwei Monaten Verspätung. „Anfangs hatte ich das einfach so hingenommen“, berichtet Dirk W.

 Schmerzensgeld anstandslos bezahlt

 Erst sein Steuerberater brachte ihn auf die Idee, sich an einen Anwalt zu wenden. Der Bückeburger Rechtsanwalt Kirk van Johnson nahm sich des Falls an. In einem Schmerzensgeldkatalog suchte er nach vergleichbaren Fällen – etwa 3000 Euro Schmerzensgeld wurden für vergleichbare Fälle gezahlt, berichtet er. Er forderte beim Krankenhaus die gesamte Dokumentation zu dem medizinischen Eingriff an.

 Aufgrund der Schwere des Falls forderte Johnson schlussendlich gleich das Doppelte: insgesamt 6000 Euro. Nach einigem anwaltlichen Schriftverkehr wurde die Summe dann auch anstandslos bezahlt. „Mittlerweile wurde das Geld überwiesen“, berichtet Dirk W.

 Nach etwa zehn Monaten konnte er damit das Kapitel abhaken. Was ihn aber bis heute wurmt: „Wieso wurde nicht direkt nach der OP ein erneutes Röntgen gemacht? Das muss doch eigentlich sein!“ jak

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