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Auf Eidechsenfang

Bückeburg / Hafen Berenbusch Auf Eidechsenfang

Wenn es um die Modernisierung und den Umbau des Hafens Berenbusch geht, ist meist von wirtschaftlichen Aspekten die Rede. Das große städtische Projekt hat aber auch eine ganz andere Seite: Belange des Naturschutzes müssen berücksichtigt werden. Und das kann ganz schön aufwendig sein, wie Jezabel Angersbach jetzt dem Bau- und Umweltausschuss des Rates berichtete.

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Freiräume für Bauherren

Eine Zauneidechse: 120 Tiere sind aus dem Hafengebiet umgesiedelt worden.

Quelle: pr.

Bückeburg. Die Diplomingenieurin für Landschafts- und Freiraumplanung betreut seit einiger Zeit den Bereich Umweltschutz in der städtischen Bauverwaltung. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Aufstellung eines Ausgleichsflächen- und eines Grabenkatasters. Doch im Frühsommer galt ihre Hauptaufmerksamkeit einem eher unscheinbaren Reptil: der Zauneidechse.

 Das bis zu 20 Zentimeter lange Tier fühlte sich schon seit Jahren im Berenbuscher Hafen pudelwohl. Bevorzugter Lebensraum sind nämlich sogenannte Magerbiotope wie trockene Waldränder, Bahndämme, Brach- und Kiesflächen mit einem Wechsel aus offenen Abschnitten und dichter bewachsenen Bereichen. Auf dem teilweise verwilderten Hafengelände fand die Eidechse gute Lebensbedingungen. Die sind jetzt aber durch Sanierung, Modernisierung, Abriss- und Neubauarbeiten gefährdet. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen musste die Population daher umgesiedelt werden.

 Ein wenig südlich des Hafens fanden die Naturschützer einen neuen geeigneten Lebensraum. „Ein schönes Biotopmosaik“, beschrieb Angersbach die Freifläche. Um sie für die Eidechsen noch „wohnlicher“ zu gestalten, wurde sie noch angepasst: Stubben- und Sandhaufen wurden aufgeschüttet, Tümpel angelegt. Jetzt bietet der Bereich sichere Winterquartiere und Eiablageplätze für die Eidechsen, aber auch geeigneten Lebensraum für Nahrungstiere wie Heuschrecken, Käfer oder Regenwürmer.

 Doch wie bewegt man eine Eidechsenpopulation zum freiwilligen Umzug? Gar nicht – der Mensch muss tatkräftig eingreifen, die Tiere einfangen und im neuen Lebensraum wieder aussetzen. Und das ist ziemlich aufwendig, wie der Ausschuss erfuhr. 1200 Meter Fangzäune wurden errichtet, 163 Fangeimer in der Erde versenkt. Diese waren durch aufliegende Gitter gut geschützt vor Räubern wie Katzen. Hartnäckigen Umzugsverweigerern rückten Experten darüber hinaus mit Spezialfallen und Schlingen zu Leibe. Außer Mitarbeitern des Bauhofs waren auch freiwillige Helfer im Einsatz.

 Mehr als 120 Zauneidechsen wurden so eingesammelt. Doch vor dem Umzug ins neue Wohngebiet wurde dokumentiert und fotografiert. An der unterschiedlichen Rückenzeichnung können Experten nämlich sogar einzelne Tiere wiedererkennen. Es wurde festgestellt, dass Tiere aller Altersgruppen in die Fallen gegangen waren – eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung der Population. Die soll in den nächsten Jahren weiter beobachtet werden. Doch schon jetzt konnte Jezabel Angersbach feststellen: „Die Aktion war ein Erfolg“.

 Insgesamt erfolgreich ist nach ihrer Auskunft auch das vorausgegangene Artenschutzprojekt am Hafen verlaufen. In und an den inzwischen abgerissenen alten Speichern lebten zahlreiche Vögel wie Turm- und Wanderfalke, Uhu oder Rauchschwalbe. Für sie waren in der Nachbarschaft neue Brutkästen aufgehängt worden. Kontrollen haben ergeben, dass diese gut angenommen worden sind. Einige Vögel wie der Uhu sind jedoch scheinbar in benachbarte Wälder abgewandert, jagen aber nach wie vor im Hafengebiet. kk

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