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Auf Granit gebissen

Bigtab Auf Granit gebissen

Nicht ernüchternd, sondern regelrecht niederschmetternd: Mit diesem Fazit sind die beiden Vorstandsmitglieder Thomas Rippke und Reinhard Fromme der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Schaumburg/Minden/Porta Westfalica (Bigtab) von ihrem Gespräch im Bundesverkehrsministerium zurückgekehrt.

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Brillianter Abschluss

Eine Neubautrasse entlang des Mittellandkanals? Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann will auch diese Variante untersuchen lassen.

Quelle: jp

Bückeburg. Dort hatten sich auf Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Maik Beermann Vertreter der gegen die geplante Neubautrasse aktiven Bürgerinitiativen Bigtab und „Mit Masse gegen die Trasse“ sowie einige betroffene Bürger aus Seggebruch mit Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann getroffen, um noch einmal ihre Standpunkte zu vertreten.

Stur und unnachgiebig

Genutzt hat der Berliner Gesprächstermin jedoch genau so wenig wie alle vorangegangenen Kontakte zwischen Tunnel-Gegnern und Bundesverkehrsministerium. Vielmehr bissen Rippke und Fromme bei Ferlemann mit ihrem Anliegen, in dem zu beschließenden Schienenwegeausbaugesetz für den Abschnitt Lindhorst-Porta ausschließlich einen Ausbau der vorhandenen Bahnlinie und keine Neubaustrecke festzuschreiben, auf Granit. Stur und unnachgiebig sei der Staatssekretär dabei geblieben, für die gesamte Strecke von Hannover bis Porta beide Möglichkeiten Ausbau und Neubau offen zu halten, so Rippke.

Insbesondere für den Bereich Schaumburg habe Ferlemann eine Festlegung auf den ausschließlich trassennahen Ausbau rigoros abgelehnt, berichtete Rippke. Grund dafür sei das Fernziel des Deutschland-Takts: Um den zu verwirklichen, sei zwischen Hannover und Bielefeld eine Verkürzung der Fahrtzeit um mindestens acht Minuten erforderlich. Der trassennahe Ausbau bleibe zwar auf dem Papier eine mögliche Variante, erfülle aber genau diese Forderung nicht.

Vom Tisch gewischt

Der Staatssekretär habe daher sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass für ihn ein trassennaher Ausbau nur auf dem kurzen Stück zwischen Seggebruch und Lindhorst in Frage komme, so Rippke. Den Einwand der Bigtab-Vertreter, dass sämtliche Kommunen, Landkreise und beteiligte Bundesländer den trassenfernen Ausbau einhellig ablehnen, habe für Ferlemann keine Rolle gespielt. Auch dass die Bahn selbst statt der Strecke Hannover-Bielefeld einen Ausbau der Kassler Kurve bevorzuge, habe der Staatssekretär vom Tisch gewischt. „Einfach unglaublich“, ärgert sich Rippke.

Ab 2017 sollen nach den Vorstellungen Ferlemanns im Rahmen eines mehrjährigen Bürgerdialogs alle potenziellen Trassen untersucht und gegeneinander abgewogen werden. Dazu zählen nicht nur der in der ersten Version des Bundesverkehrswegeplans 2030 vorgestellte Verlauf mit den Tunneln unter Röcke und Lerbeck, sondern auch eine Streckenführung längs des Mittellandkanals sowie eine entlang der A2.

Auch eine Neubaustrecke, die westlich von Bückeburg von der bestehenden Trasse abzweigt und in Richtung des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Unternammer Holz“ verläuft, rücke damit wieder in den Bereich des Möglichen, so Rippke: „Alle Varianten, mit denen wir uns schon von 2002 bis 2004 beschäftigt haben, kommen wieder in die Abwägung. Es ist rein gar nichts vom Tisch.“

Dabei sei all diesen möglichen Neubauvarianten eines gemeinsam: Sie alle müssen den Jakobsberg bei Porta Westfalica mittels Tunnel passieren. „Nur der trassennahe Ausbau kommt ohne Tunnel aus“, so Rippke, „aber dem hat Staatssekretär Ferlemann eine Abfuhr erteilt. Das Bundesverkehrsministerium hat sich damit nicht nur über den erklärten Willen der Bevölkerung hinweggesetzt, sondern auch aller Kommunen und politischen Gremien.“

Schlimmer noch: Seit Mittwoch dieser Woche liegt die Angelegenheit gar nicht mehr in den Händen des Bundesverkehrsministeriums. Mit Datum vom 21. September hat Ferlemann den Text des Schienenwegeausbaugesetzes ins parlamentarische Verfahren gebracht. „Ab jetzt haben nur noch die Bundestagsabgeordneten die Möglichkeit, etwas zu ändern.“ Für Rippke steht daher fest: „Wir müssen jetzt Aktionen machen, die in Berlin gehört werden, und zwar massiv.“

Bigtab diskutiert im NDR

Podiumsdiskussion: Klare Worte zu Aufreger-Themen in Niedersachsen, das bietet die Sendereihe „Jetzt reicht’s“ des Norddeutschen Rundfunks. Alle drei Wochen eröffnet das vom NDR aufgezeichnete und auf NDR 1 Radio Niedersachsen gesendete Format Bürgern die Möglichkeit, Behörden oder Firmen in einem fairen, aber offenen Rahmen die Meinung zu sagen. Mittwoch, 28. September, widmet sich die Sendereihe mit einer Podiumsdiskussion in Bückeburg dem brisanten Thema „Trassennaher/Trassenferner Ausbau der Bahn von Bielefeld bis Hannover“.

Stattfinden wird die Podiumsdiskussion als öffentliche Veranstaltung mit Publikum im Joël-Le-Theule-Saal des Rathauses. Auf dem Podium diskutieren Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative Bigtab und Hans-Peter Wyderka, Referatsleiter für Verkehrspolitik im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, dort zuständig für Eisenbahnplanungen auf Landesebene, sowie ein dritter Teilnehmer, der derzeit noch nicht feststeht. Das Publikum soll dabei aktiv in die Diskussion einbezogen werden. Die Moderation übernimmt Hans-Jürgen Otte, der seit 2007 die Sendereihe „Jetzt reicht’s!“ betreut.

Der Eintritt ist frei. Beginn ist um 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr, Ende gegen 19.30 Uhr. Sendetermin ist tags darauf am Donnerstag, 29. September, ab 19.05 Uhr auf NDR 1 Radio Niedersachsen.   jp

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