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Auf Mörderjagd

Bückeburg / Kriminalroman Auf Mörderjagd

Auch ein Kommissar braucht mal Urlaub. Insbesondere, wenn er Wolf Hetzer heißt und in seinem literarisch-fiktiven Berufsleben ständig mit derart mysteriösen, bizarren und abnormen Fällen konfrontiert wird, wie sie einer Nané Lénard aus der Feder fließen können.

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Die Bückeburger Krimiautorin Nané Lénard auf der Frankfurter Buchmesse.

Quelle: Carsten Holzendorff

Von Johannes Pietsch. Doch wie kaum anders zu erwarten, wird es mit der Erholung nichts. Zum fünften Mal schickt die Bückeburger Autorin ihr in mannigfaltig-morbiden Fällen versiertes Ermittlerteam Wolf Hetzer und Peter Kruse, unterstützt von der Rechtsmedizinerin Nadja Serafin, in heimischen Gefilden auf Mörderjagd. Dabei geht es in „SchattenGrab“, der – wie die vier vorangegangenen Hetzer-Krimis – im Verlag CWNiemeyer erschien und diesmal nicht nur an heimischen Schauplätzen spielt, spürbar weniger blutrünstig zu als im Vorgänger „SchattenTod“, dafür aber nicht minder spannend und vertrackt.

Etwa ein Jahr ist es her, dass Nané Lénard in „SchattenTod“ ihre Leser und die beiden Kommissare Hetzer und Kruse im Blut förmlich waten ließ. Nach einer kurzen literarischen Atempause mit den im Frühjahr 2013 erschienenen Kurzgeschichten „Kurzkrimis und andere Schattenseiten“ sind nun wieder Scharfsinn und Kombinationsgabe der beiden heimischen Ermittler gefordert, von denen insbesondere Wolf Hetzer der letzte Fall, der mit einer bestialisch zugerichteten Leiche am Pranger der Kirche in Petzen begann und nicht minder gewalttätig endete, noch in den Knochen steckt. Da kommt es ihm durchaus zupass, dass ihn sein Freund Thorsten Büthe, seines Zeichens Fallanalytiker beim LKA in Hannover, um einen kleinen Gefallen und dafür um einen Kurztrip an die friesische Küste nach Neuharlingersiel bittet. Dort ist im Schlick des Nordseestrands die Uhr eines seit Wochen vermissten siebenjährigen Mädchens aus Hannover gefunden worden, ein Fall, an dem sich Büthes Kollegen in der Landeshauptstadt bislang die Zähne ausbissen.

 Eine willkommene Gelegenheit für den aus Bückeburg stammenden, aber seit dem Tod seiner Verlobten in Todenmann lebenden Kripo-Beamten, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und sich neben ein paar beiläufigen Ermittlungen in erster Linie den Seewind um die Nase wehen zu lassen, um sich von den erlittenen seelischen Blessuren zu erholen. Doch kaum in dem Nordseeheilbad angekommen, ist es mit der trügerischen Ruhe in Bückeburg vorbei: Oberhalb des Bergbades wird – in Sichtweite des Schießstands Harrl – eine Leiche gefunden. Als habe der Täter wie auf Kommando zugeschlagen, scheint der Mord in direktem Zusammenhang mit dem verschwundenen Mädchen aus der Leinemetropole und Wolf Hetzers Reise an die Nordseeküste zu stehen.

 Nichts ist, wie es scheint, in Nané Lénards neuestem Krimi: Nicht nur die Uhr des vermissten Mädchens wird am Nordseestrand gefunden, sondern auch Kinderknochen – doch ist das Mädchen tatsächlich tot? Der Tote in Bückeburg liegt vor dem Schießstand – doch wurde er wirklich erschossen? Und warum wird die verschwundene Sophie von einer ihrer Familienangehörigen ständig Marie genannt? Nach dem extremen Parforce-Ritt über Körperteile und psychotische Abgründe bei der Serienkiller-Jagd in „SchattenTod“ gefällt es Lénard diesmal weniger, Leichenberge aufzustapeln, sondern vielmehr, ihre Leser auf möglichst raffiniert ausgelegte falsche Fährten zu locken. Dabei schaltet die Autorin nach dem atemlos-hektischen Erzählstil ihres vierten Hetzer-Krimis mit seinen rasenden, stakkato-artigen Sprüngen zwischen Personen, Orten und Zeitebenen und den teilweise nur wenige Zeilen langen Kapiteln diesmal auch erzählerisch einen Gang zurück und legt bei der Handlungsführung eine deutlich ruhigere und geradlinigere Gangart ein.

Nané Lénards „SchattenGrab“ ist vor allem „Family Business“: Es geht um die tiefen seelischen und emotionalen Verwerfungen hinter großbürgerlicher Fassade einer gemischt Hannoversch-Bückeburger Ärztefamilie. Und darum – wie so oft bei der Bückeburger Autorin –, wozu Menschen fähig sein können, wenn Träume und Perspektiven zerbrechen und Lebensentwürfe wie Seifenblasen zerplatzen. Mit Neuharlingersiel und Hannover ermitteln die beiden Rintelner Kommissare dabei erstmals an weiter entfernten Schauplätzen. Dennoch wird in „SchattenGrab“ nicht mit Lokalkolorit gespart, wobei wie schon im Vorgänger „SchattenTod“ eindeutig Nané Lénards Heimatstadt Bückeburg die Favoritenrolle der heimischen Schauplätze einnimmt. Der Schießstand Harrl ist als populärer Ort mit Wiedererkennungseffekt für den Leser ebenso dabei wie das Palais an der Herminenstraße und das „Minchen“. Und wer genauer liest und sich im Bückeburger Tagesgeschehen ein wenig auskennt, wird sicherlich auch die eine oder andere real existierende Person aus der historischen Residenzstadt wiedererkennen.

 Zurzeit arbeitet die Autorin an ihrem nächsten Schatten-Krimi, der 2014 erscheinen soll. Der Titel ist noch geheim. Bezugsquelle: „Schattengrab“ ist im Verlag CWNiemeyer erschienen, umfasst 328 Seiten und kostet 9,95 Euro. ISBN 978-3-8271-9422-0.

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