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Auf Staatsbesuch in „Adolfinien“

Der „Bunker“ brummt Auf Staatsbesuch in „Adolfinien“

Einen Staat zu gründen und am Laufen zu halten, ist nicht so ganz einfach. Das stellen derzeit die rund 1000 Schüler und knapp 100 Lehrer des Bückeburger Gymnasium Adolfinums fest. Seit Anfang der Woche ist die Schule zu „Adolfinien“ geworden.

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„Kanzler“ Maximilian Röbke (Mitte) höchstpersönlich kümmert sich in der Staatskasse um die korrekte Auszahlung von Regierungsgeld.

Quelle: RC

BÜCKEBURG. Zu einem Staat mit Parteien, gewähltem Parlament und Regierung mit Kanzler und Ministern, mit eigener Verfassung und eigener Währung, dem Finum, mit Steuer- und Zollbehörde, mit Polizei, Richtern und Staatsanwälten, mit Arbeitsamt, Wirtschaftsbetrieben, Standesamt und einer Antidoping-Agentur.

Shopping-Tour durch „Adolfinien“

Der „Bunker“ brummt, als diese Zeitung „Adolfinien“ einen Staatsbesuch abstattet. Die Visa-Behörden am Haupteingang lassen den Besucher ohne Stempel in den Pass oder Umtausch von Fremdwährung in den Finum hinein. Sie sind damit beschäftigt, dem „arbeitslosen“ Oberstudiendirektor Michael Pavel seine Finums in die Hand zu drücken, die er für seine Shopping-Tour durch „Adolfinien“ braucht. Ohne Finum gibt es keine Smoothies, keine Crêpes, keinen Schmuck, keinen Besuch im Kino, im Fitnessstudio oder auf dem Golfplatz. Im Vorbeigehen verspricht Pavel einen Besuch bei den „Ingenieuren ohne Grenzen“ – und eilt weiter in das Standesamt.

Dort ist die erste Trauung angesetzt. Die beiden „Rechtsanwältinnen“ Hanna Hellmann und Katarina Franke besiegeln ihre langjährige Freundschaft, „Ja, ich will“ bestätigen sie Fabio Rückert, dem Standesbeamten, der die Heiratsurkunden übergibt. Zwei Plastikringe aufgesteckt, für einen Kuss reicht es nicht, dann ist die Ehe besiegelt. In seiner ersten Sitzung hat das Parlament mit großer Mehrheit entschieden, dass Homo-Ehen in „Adolfinien“ möglich sind, Polygamie und die Heirat auswärtiger Bürger nicht.

Debatten über Einbürgerung

Apropos auswärtige Bürger: Während der nächsten Sitzung debattiert das Parlament über die Einbürgerung. Wie „Kanzler“ Maximilian Röbke im Interview – das ohne große Terminabsprachen in der Staatskasse möglich ist – mit dieser Zeitung bestätigt, liegt ein Antrag einer echten Flüchtlingsfamilie vor, die vor zwei Monaten nach Deutschland gekommen ist. Die Familie wolle mit ihrer Einbürgerung in „Adolfinien“ deutlich machen, dass sie hier angekommen ist, sich integrieren und bleiben will. Auch angesichts der Tatsache, dass das Adolfinum eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist, sei er „sehr optimistisch“, dass das Parlament den Vorschlag des Kabinetts zur Einbürgerung billige, so Röpke. Weiterer Tagesordnungspunkt: Was wird mit den „Spendengeldern“ einegenommen, die am Ende der Projektwoche übrig bleiben, wenn die Kalkulationen des Finanzministeriums aufgehen?

Ob sie aufgehen, wird sich zeigen. Beim Besuch der Staatsbank und der Steuerbehörden läuft es noch etwas chaotisch. „Behördengelder“ sind falsch ausgezahlt worden, müssen zurückgebracht und den richtigen Stellen zugeordnet werden. Irrtümlich sind die Parlamentsgelder der Regierung zugewiesen worden und umgekehrt. Jetzt müssen Listen abgeglichen werden. Die Steuerbehörde hat mehr Angestellte als ausgewiesen.

Händler freuen sich über Gewinne

Dass die Kalkulation aufgehen kann, dafür sorgen die Wirtschaftsbetriebe mit ihren Steuerzahlungen. Ob im Smoothie-Wunderland, im „Starfood“, in der Näherei, im Kino, wo gerade „Bach in Brazil“ läuft, oder im Handarbeitsladen – überall berichten die Betriebsleiter von guten Geschäften. „Unsere Kalkulationen gehen auf, wir brauchen schon Nachschub“, sagt Orgesa Veseli von „Starfood“. „Es läuft gut, wir werden auf jeden Fall Gewinn machen“, freut sich Schmuckladen-Betriebsleiterin Lea Förster. Sie und ihre Angestellten haben sich durch einen Haufen Sonderbestellungen von Armbändern zu kämpfen. „Kein Stück doppelt, alles individuell.“ Dass man mit Preissenkungen sein Geschäft beeinflussen kann, hofft ein Smoothie-Laden. Er hat die Preise gesenkt, ist günstiger als sein Mitbewerber fünf Räume weiter.

Derweil hat das Rechtsministerium eine besondere Rechtsfrage zu klären: Verstößt eine Faust auf Flaggen, die ein Hakenkreuz zerschmettert und bei der Demo mitgeführt werden soll, gegen die in der Verfassung verankerte absolute Gewaltfreiheit? Der 12. Jahrgang hat Beschwerde eingelegt. Es wird beraten. So oder so – und hier zeigt sich, dass „Adolfinien“ ein Projekt ist – hat der Direktor bereits entschieden, dass die Fahnen „vorsichtshalber“ nicht mitgeführt werden, um Missverständnisse wegen einer zu großen Nähe zur Gewalt gegen einen politischen Gegner zu vermeiden.  rc

Zeichen gegen Rassismus

Das „Adolfinien“-Projekt des Gymnasiums Adolfinum, in dem sich die „Schule als Staat“ präsentiert, hat am Dienstagabend mit einem großen Demonstrationszug in der Innenstadt auf sich aufmerksam gemacht. An mehreren Stationen ergriffen Redner das Wort. „Rassismus ist keine Alternative“ und „Gib Rassismus keine Chance“ war auf mitgeführten Plakaten zu lesen.

Kundgebung in der Innenstadt

Auf dem Marktplatz erläuterte Volkmar Heuer-Strathmann, dass mittels des Projekts „Schüler wie Lehrer einiges in Sachen Demokratie lernen können“. Etwa, dass die „Adolfinien“-Verfassung ausdrücklich allen Bürgern das Recht auf Versammlung und freie Meinungsäußerung einräumt. Was im Grundgesetz der Bundesrepublik nicht der Fall sei. „Die zum Teil noch recht jungen Mütter und Väter der Adolfinien-Verfassung werden sich sicher etwas dabei gedacht haben, diese Rechte allen zu gewähren“, führte der Pädagoge aus. Die Kundgebung setzte darüber hinaus ein deutliches Zeichen gegen jede Form von Rassismus, ergänzte Heuer-Strathmann.

Der Wert des Projekts wurde sowohl vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) als auch von CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann als „sehr hoch“ eingeschätzt. Landrat Jörg Farr betrachtet den „jüngsten Staat der politischen Weltkarte“ (EU-Abgeordneter Burkhard Balz, CDU) als „gute Möglichkeit, sich auf das echte politische und gesellschaftliche Leben vorzubereiten“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schickte „Adolfinien“ eine anerkennende Grußadresse. bus

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