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Bückeburg Stadt Ausstellung als Geschenk
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Ausstellung als Geschenk
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22:30 15.05.2018
Stefan Brüdermann (von rechts) und Karl-Heinz Driftmann informieren über Details der Ausstellung. Quelle: bus
Bückeburg

„Wir möchten der Ortsfeuerwehr mit dieser Ausstellung zu ihrem 150-jährigen Bestehen gratulieren“, hat Karl-Heinz Driftmann während der Eröffnung einer Präsentation im Niedersächsischen Landesarchiv zu verstehen gegeben, die einen beispielhaften Querschnitt aus dem Löschwesen der Ex-Residenz vor Augen führt.

„Von der Gründung bis in die heutige Zeit“, wie der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung historischer Feuerwehrfahrzeuge, Geräte und Literatur sagte.

Zahlreiche Dokumente und Urkunden, Bilder und Fotos aber auch Uniformen und Ausrüstungsgegenstände lassen den Werdegang der Brandschützer Revue passieren. Die Hintergründe der Ausstellungsstücke werden umfangreich erläutert, eine fortlaufende Diaschau liefert weitere Informationen. „Wir freuen uns sehr, dass der Verein diese Präsentation realisiert hat“, erklärte Archivleiter Stephan Brüdermann.

"Möglichste Sicherheit"

Hinsichtlich der Anfänge der Bückeburger Feuerwehr ist in Erfahrung zu bringen, dass bereits im September 1730 eine Schaumburg-Lippische Feuerordnung erlassen wurde. Das von Graf Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe unterzeichnete Schriftstück zielte auf die „möglichste Sicherheit unserer Städte, Flecken und Dörfer vor aller Feuersgefahr“ ab. Als Vorläufer der heutigen Wehr betrachten die Vereinsexperten die im Februar 1833 ins Leben gerufene „Feuer-Lösch- und Rettungs-Gesellschaft“.

Die Gründung soll mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden gewesen sein. „Die Stadt war darüber nicht sehr erfreut, denn man sah in der Wehr eine Neuerung, und neue Moden waren im stockkonservativen Bückeburg verpönt“, heißt es in einem Beitrag.

Dessen ungeachtet fand ein Unterstützungsaufruf in der Bevölkerung lebhaften Widerhall. Bald konnte die nur aus einer Handspritze bestehende Ausrüstung um eine richtige Spritze und einen Steigerwagen ergänzt werden. Zwei Monate nach der Gründung bestanden die Kameraden ihre Feuerprobe beim Löschen eines Brandes von drei Häusern in der Sackstraße.

Herrenloses Löschfahrzeug gefunden

In dieser Straße stand bis 1972 das Gebäude der städtischen Feuerwache. Unter einem jüngst von Driftmann per Kartoffelreinigung aufgefrischten Gemälde der Wache informiert die Ausstellung über eine Kuriosität aus der Nachkriegszeit: In der Feldmark zwischen Bückeburg und Nammen war ein mit grauer Tarnfarbe angestrichenes „herrenloses“ Löschfahrzeug gefunden worden. Der Tank war leer, die Ausrüstung komplett. Als das augenscheinlich bei Diebestouren benutzte Fahrzeug mehrere Jahre später in Hausberge bei einem Wettkampf zum Einsatz kam, wurde es eindeutig als Eigentum der dortigen Löschgruppe identifiziert – und selbstverständlich zurückgegeben.

Zudem erhellt die Präsentation den Hintergrund der Weihefahne. Die mit dem Spruch „…gewidmet von den Jungfrauen zu Bückeburg“ ausgestattete Flagge befand sich ursprünglich im Besitz der Vereinigten Turnerschaft von 1861. Im 19. Jahrhundert zählten trainierte Turner zu den Hauptstützen der Wehren. Es war gewissermaßen Ehrensache, dass Turner sich bei der Brandbekämpfung engagierten. Das traf ebenso auf viele Handwerker zu, die geschickt und erfahren im Umgang mit Leitern und im Besteigen von Gebäuden waren. Überdies kannten sie Stärken und Schwachpunkte der Bausubstanz und wussten, wo ein Löschangriff am wirkungsvollsten sein konnte.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich den Stadtkirchen-Bränden – am ersten Advent 1962 und in der Nacht zu Karfreitag 1966. „Durch den selbstlosen Einsatz aller Feuerwehrmänner ist die Stadtkirche erhalten geblieben und die Feuereinwirkung nicht allzu groß geworden. Der Gottesdienst konnte am ersten Ostertag wieder abgehalten werden“, berichtet Stadtbrandmeister Kalinowski über den 1966er Brand.

Die bis Anfang September laufende Ausstellung ist kostenfrei während der Archiv-Öffnungszeiten zu sehen. Die Ausstellungsmacher danken dem Landesarchiv und der Schaumburger Landschaft für deren Unterstützung. bus