Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt Autokauf wird zum Albtraum
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Autokauf wird zum Albtraum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 20.10.2014
Quelle: Symbolfoto
Anzeige

Bückeburg. Ein Ehepaar, das in Rheinland-Pfalz ein Reisebüro betreibt, belastete den Angeklagten schwer. Zuvor hatten bereits zwei frühere Geschäftsführer des Unternehmens gegen ihn ausgesagt. Vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht geht es um 30 Fälle. Jeweils als Sonderzahlung soll die Autoleasing-GmbH meistens zehn Prozent vom Kaufpreis vorab eingestrichen haben, ohne anschließend die Fahrzeuge auszuliefern. Oberstaatsanwalt Frank Hirt sieht darin gewerbsmäßigen Betrug. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten eine mehrjährige Haftstrafe. Bisher schweigt der Mann aus Hamburg zu den Vorwürfen, will sich aber zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Umso mehr hatte am Freitag ein 59-Jähriger aus Rheinland-Pfalz zu erzählen, der zu den Betrogenen zählen soll. Mehrfach musste Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der Kammer, den Redefluss des Zeugen unterbrechen. Er und seine Frau hatten 9000 Euro gezahlt, um einen Gebrauchtwagen für 42000 Euro zu finanzieren. In diesem Fall sollte die Sonderzahlung auf Wunsch der potenziellen Autokäufer höher ausfallen als die üblichen zehn Prozent, um auf niedrigere Raten zu kommen.

Nachdem die Geschäftskunden das Geld überwiesen hatten, soll der Bückeburger Unternehmer („Auto-Leasing ohne Schufa“) telefonisch kaum noch erreichbar gewesen sein. „Grund der Vermittlung war aus meiner Sicht, die 9000 Euro zu kassieren“, vermutet der Zeuge im Rückblick. „Da konnte man mit einem Schacher viel Geld verdienen.“ Schacher ist ein abwertendes Wort fürs Geschäftemachen. In einem Zivilprozess erstritten die Eheleute später einen Titel, den sie sich übers Bett nageln konnten. „Das Konto mit unserem Geld bestand nicht mehr“, berichtet der Mann.

Zuvor hatte die Leasing-Gesellschaft ihren Rücktritt vom Vertrag „wegen arglistiger Täuschung“ erklärt. Angeblich hatte das Ehepaar falsche Angaben gemacht. Ähnlich soll es auch anderen geprellten Kunden ergangen sein. Den Eheleuten machte der mutmaßliche Betrüger später einen Vergleichsvorschlag über 6500 Euro, den diese aber ablehnten. Zum bereits erlittenen Schaden sollen noch 4000 Euro an Anwaltskosten gekommen sein. Die Frau möchte am liebsten gar nicht mehr daran erinnert werden. „Mich hat dieser Fall so runtergerissen“, sagt sie.

Am vorausgegangenen Prozesstag hatte ein ehemaliger Geschäftsführer der GmbH kein gutes Haar an seinem früheren Chef gelassen. Unter anderem erklärte er sinngemäß, um Kunden in der Hand zu haben, habe der Angeklagte diese zu falschen Angaben gedrängt, zum Beispiel über deren Einkommensverhältnisse. Der Prozess wird fortgesetzt. ly

Anzeige