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Autoschieber machen die Region unsicher

Bückeburg / Kriminalität Autoschieber machen die Region unsicher

In Bückeburg und Obernkirchen sind in den vergangenen Tagen fünf Autos aus dem hochpreisigen Marktsegment gestohlen worden. Der Schaden beläuft sich auf rund 120.000 Euro.

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Zerlegt in alle Einzelteile: So präsentierte sich der Polizei eine Lagerhalle im litauischen Kaunas, in der eine Diebesbande hochwertige Fahrzeuge auseinander gebaut und verwertet hatte. © Polizei

Bückeburg/Obernkirchen (rc). Die Fälle werden einer Serie von Autodiebstählen zugerechnet, die sich über das ganze Weserbergland und über das Gebiet der Polizeidirektion Göttingen erstreckt. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 71 Autos im Gesamtwert von rund 1,7 Millionen Euro entwendet und nach Osteuropa verschoben, dazu kommen 38 Fälle, wo es beim Versuch blieb oder aber die Autos sichergestellt werden konnten.

Die Ermittlungen hat die Zentrale Kriminalinspektion der Polizeidirektion übernommen, die die Fälle zusammenführt und auch schon erste Ermittlungsergebnisse mit der Festnahme mehrerer Täter präsentieren kann. Derzeit müssen sich mehrere Autoschieber in Göttingen vor Gericht verantworten. Insgesamt 17 Täter, darunter viele Kuriere, konnten bisher gefasst werden. Auch BKA, LKA und ausländische Polizeidirektionen sind mit den Fällen befasst, die unter dem Arbeitstitel „Internationale Kfz-Kriminalität mit osteuropäischen Bezügen“ läuft.

„Nach den Ermittlungsergebnissen haben wir es mit mehreren organisierten Banden zu tun“, sagten der Leiter der Ermittlungsgruppe, Horst Ahlers, sowie der bei der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg zuständige Ermittler Hartmut Ludwig, gestern bei einer Pressekonferenz in Bückeburg. „Wir haben einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr und eine Veränderung der Vorgehensweise der Täter zu beobachten.“ Seien diese im vergangenen Jahr überwiegend noch auf hochwertige Transporter der Marke VW wie T4 oder T5 spezialisiert gewesen, so werden mittlerweile auch Kleintransporter anderer Marken wie Renault oder Opel entwendet. In den wenigsten Fällen konnten die gestohlenen Autos sichergestellt werden. Nach den bisherigen Ermittlungen werden die gestohlenen Fahrzeuge in osteuropäische Länder wie Litauen, Polen, Tschechien, Weißrussland oder die Ukraine verschoben. Dort werden sie entweder mit falschen Papieren versehen verkauft oder auseinandergebaut und als Ersatzteile verkauft.

Die Banden gehen bei ihren Diebstählen unterschiedlich vor, wie die Polizei berichtete. Einige machen es auf die „klassische Methode“, werfen Seitenscheiben ein und schließen die Fahrzeuge kurz. Andere rücken mit spezieller Elektronik und Spezialwerkzeug an, um die Diebstahlsicherungen zu überwinden. Andere Banden brechen zuvor in die Häuser oder Wohnungen der Autobesitzer ein, entwenden den Originalschlüssel, um dann mit dem Auto wegzufahren. Wieder andere laden die gestohlenen Fahrzeuge auf Lastwagen und transportieren diese dann nach Osteuropa. Oftmals werden die gestohlenen Fahrzeuge mit gestohlenen Kennzeichen des identischen Autotyps versehen, sogenannte Doublettenfahrzeuge, Kontrollen damit erschwert.

Allen Dieben ist gemein, dass sie in den meisten Fällen ihre Beute möglichst schnell ins Ausland verschieben. Wenn morgens der Autobesitzer den Diebstahl anzeigt, ist sein Fahrzeug oft schon über die Grenze. Bevorzugte Routen sind die Autobahn A 2, die A 38 ab Göttingen sowie die A 39 bei Salzgitter. „Bückeburg, Eilsen oder Obernkirchen sind mit ihrer Nähe zur Autobahn daher Brennpunkte“, wie Bückeburgs Polizeisprecher Ulrich Kaupmann und Eberhard Peithmann, der Leiter des Ermittlungsdienstes des Polizeikommissariats, berichteten.

Bei den Diebstählen gehen die Banden strategisch vor, kommen teilweise sogar mit regelrechten Bestelllisten hinüber nach Deutschland. Vor Ort baldowern sie die Objekte aus, manchmal einige Tage im Voraus. Alles in allem: „Streng strukturiert und organisiert, hoch spezialisiert, hoch kriminell und hochgefährlich.“ Die Polizei warnte auch ausdrücklich davor, sich den Dieben in den Weg zu stellen. „Bisher ist Geschädigten noch nichts passiert, aber . . .“ Wie skrupellos die Täter vorgehen, zeigen aber zwei Fälle. Bei einem sei versucht worden, einen Polizisten zu überfahren, in dem anderen habe der Dieb vor einer Polizeikontrolle auf der Autobahn gewendet und sei kilometerlang als Geisterfahrer unterwegs gewesen.

In Bückeburg und Obernkirchen ereigneten sich die Fälle vor einigen Tagen:

• In der Nacht vom 25. August wurden in Krainhagen in der Straße Beckmarhau zwei Fahrzeuge entwendet: ein silberfarbener Renault Traffic und ein hellblauer Opel Vivaro. Einen Monat zuvor war einem der Geschädigten bereits sein Renault Megane entwendet worden.

• In der Nacht vom 30. August wurden beim Autohaus Starnitzke an der Kreuzbreite zwei Ausstellungsfahrzeuge entwendet: ein silberfarbener Opel Vivaro und ein weißer Movano, Wert je 30 000 Euro.

• Etwas zurück liegen zwei Diebstähle in Stadthagen: Ein VW T4 wurde in Leipzig sichergestellt, von einem Renault fehlt bis heute jede Spur.

• Wer in den fraglichen Nächten etwas beobachtet hat, wird gebeten, die Polizei Bückeburg, Telefon (05 722) 95 930, zu kontaktieren.

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