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Bückeburg Stadt Barbara plant ein Kraftwerk unter Tage
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Barbara plant ein Kraftwerk unter Tage
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19:59 09.05.2011
Unter Tage: Maschinen wie dieser dreiarmige Bohrwagen stellen Hohlräume her, die für den Bau des Pumpspeicherkraftwerks nötig sind.
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Nammen (ly). Mit dem Großprojekt zur Stromerzeugung, bisher noch im Stadium der Planung, betritt das Unternehmen Neuland und setzt auf erneuerbare Energien. Die Geschäftsführer Olaf Lüppes und Siegfried Klingebiel rechnen mit einem Investitionsvolumen von 80 bis 100 Millionen Euro.

Was noch fehlt, ist ein Geldgeber. Wenn alles nach Plan läuft, könnte das Wasserkraftwerk in etwa zehn Jahren den Betrieb aufnehmen. Eine Projektstudie liegt vor. „Über die Märchenphase sind wir hinaus“, sagt Klingebiel. Zurzeit ist die Barbara auf der Suche nach einem finanzstarken Co-Investor. „Infrage kommen zum Beispiel große Energieversorger“, sagt Klingebiel. Als Standort sind zwei Kavernen vorgesehen, riesige Hohlräume von zusammen mehr als einer Million Kubikmeter.

„Ein Abbaufeld, das noch nicht erschlossen ist, soll komplett neu aufgefahren werden“, erklärt Lüppes. Dies würde im laufenden Betrieb geschehen, dauert aber. Derzeit erzeugt die Barbara pro Jahr einen Hohlraum von rund 150.000 Kubikmetern.
Widerstände von Naturschützern befürchtet das Unternehmen nicht. „Wir haben keinerlei Flächenverbrauch über Tage und fällen keinen einzigen Baum“, betont Olaf Lüppes. „Grüner kann man es nicht machen.‘‘

Anfang Juni soll das ehrgeizige Projekt der Bevölkerung vorgestellt werden. Die Belegschaft ist ebenfalls informiert. Nötig wäre wohl zusätzliches Personal. In welcher Größenordnung, können die Verantwortlichen noch nicht genau sagen.
Leisten soll das Wasserkraftwerk bis zu 150 Megawatt. Zum Vergleich: Das Pumpspeicherwerk Goldisthal in Thüringen, europaweit die größte Anlage ihrer Art, kommt auf gut 1000 Megawatt. In einer im Internet (wikipedia) veröffentlichten Rangliste von 30 deutschen Pumpspeicherwerken läge Nammen leistungsmäßig auf Platz 13.

Zur Verwirklichung des Projektes hofft die Barbara auf Fördermittel. Nach dem verheerenden Atomunglück im japanischen Fukushima zeichnet sich in der deutschen Energiepolitik eine Kehrtwende ab. „Erneuerbare Energien nehmen immer weiter zu“, sagt Klingebiel.

Ein Pumpspeicherwerk dient der Speicherung von elektrischer Energie durch Hochpumpen von Wasser. Wenn dieses Wasser später bergab fließt, erzeugt es mittels Turbinen und Generatoren wiederum elektrischen Strom, der ins Netz gespeist wird. In Nammen würde aus einem riesigen unterirdischen Wasserreservoir geschöpft.

Schräglage macht’s möglich: Bei einer Höhendifferenz von 200 Metern würden 450.000 Kilowattstunden erzeugt, bei 300 Metern 750.000 kWh. Die tägliche Laufzeit soll vier bis fünf Stunden betragen. Zum Kraftwerk gehören Ober- und Unterbecken, Maschinenkammer und Druckstollen.

Auch könnten Windkraft- und Solaranlagen der Region überschüssige Energie zum Speichern in das Nammer Kraftwerk einleiten. „So entsteht ein geschlossener Kreislauf erneuerbarer Energien“, heißt es in der Projektstudie.

Seit dem 19. Jahrhundert baut die Barbara (34 Beschäftigte) im Wesergebirge ein Eisenerz- und Kalksteinvorkommen ab. Unter Tage betreibt das Unternehmen die Gruben „Wohlverwahrt“ (Nammen) und „Bergmannsglück“ (Kleinenbremen/Todenmann), über Tage den Steinbruch Wülpker Egge. Die Zeche „Wohlverwahrt“ ist das letzte deutsche Eisenerzbergwerk.

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