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Bückeburg Stadt Bereitschaftspolizei wacht über Demo gegen Bückeburger Neonazis
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Bereitschaftspolizei wacht über Demo gegen Bückeburger Neonazis
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19:41 17.07.2011
Hinter Spruchbändern suchen die Demonstranten Anonymität vor den Kameras von Polizisten, aber auch von etwaigen Neonazis. © rd
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Bückeburg (tw). Rund um den Brunnen demonstrierte die nach Polizeiangaben etwa 70 Köpfe starke Gruppe aus Mitgliedern des „Antifainfoportals Weser-Deister-Leine“, „Antifa rk Wunstorf“, Linksjugend „Vamos“ (Stadthagen) und der Partei Die Linke (Bad Nenndorf/Rodenberg) im Rahmen eines „Copy and Paste“ genannten Bündnisses zwischen 15 und 16 Uhr gegen Nazistrukturen in und um Bückeburg.

Zu Gewalttätigkeiten kam es nicht, die Gegenseite war nach Angaben der Polizei durch eigene Kundgebungen andernorts gebunden – und ließ sich nicht blicken.
Die Zuhörerschaft des unter einem schwarz-roten Wimpel vereinten Zusammenschlusses beschränkte sich im Wesentlichen auf einen Zug von Bereitschaftspolizisten aus Osnabrück, der die Zugänge zum Marktplatz mit sieben Mannschaftswagen sicherte.

Dabei hatten es die Beamten nicht immer einfach, den gebotenen Überblick zu behalten: Nicht selten waren die Demonstranten von schwarz gewandeten Mittelalter-Mimen, die über den Marktplatz schnellen Schritts zu ihrem eigenen Spectaculum strebten, nur durch das fehlende Trinkhorn am Gürtel zu unterscheiden. Die Öffentlichkeit nahm von der Demonstration außerhalb der Eiscafés fast keine Notiz.

Der Beginn der für 14 Uhr geplanten spontanen Kundgebung, zu der die Organisatoren etwa 100 Gesinnungsgenossen erwartet hatten, verzögerte sich zunächst – nicht zuletzt, weil die Demonstranten mit dem Standort des mitgeführten Lautsprecherwagens nicht einverstanden waren; um das Mittelalter-Festival am Mausoleum nicht zu stören, durften dessen „Speaker“ gemäß einer Auflage des Landkreises nicht auf das Schlosstor ausgerichtet sein.

Das führte zu heftigen Protesten der Aktivisten; sie bemängelten, dass ihre Botschaften, Richtung Bahnhof abgestrahlt, auf dem Marktplatz nicht gehört würden. Am Ende einigten sich beide Seiten darauf, den VW-Transporter unterhalb der Touristinfo zu platzieren und die Lautsprecher ein Stück weit gegen das Stadthaus zu drehen, das damit als eine Art Resonanzboden dienen konnte.

Inhaltlich prangerten Antifa und Assoziierte wie die „Schülerinitiative gegen Rechts“ aus Bückeburg die neuerliche Welle von Gewalt an, die von in der Ex-Residenz verorteten Neonazis ausgehe und in den „jüngsten Attacken gegen Leib und Leben von Antifaschisten“ gegenwärtig einen traurigen Höhepunkt erreicht habe.

Besondere Bauschmerzen macht es den mit Masse selbst halbwüchsigen Demonstranten, dass die heimischen Neonazis ihre Gefolgschaft zunehmend an Schulen rekrutierten – allen voran derjenigen, die den Namen Johann Gottfried Herders trägt. Mit Blick auf den für den 6. August geplanten Aufmarsch brauner Fanatiker in Bad Nenndorf, appellierte „Copy and Paste“, dem Widerpart im Kurort entschlossen die Stirn zu bieten.

Um 16 Uhr endete die Kundgebung auf dem Marktplatz im Angesicht drohender Regenwolken – eine Stunde eher als angemeldet.

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