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Bückeburg Stadt Besuch weckt Erinnerungen
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00:16 13.07.2016
Ludwig Pohl Quelle: bus
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HEVESEN

Ziel der Fahrt war ein 15-Hektar-Hof im niederschlesischen Polsnitz, auf dem der langjährige Bückeburger Ratsherr im Juli 1942 das Licht der Welt erblickte. „Es ist wichtig, zu wissen, wo seine Wurzeln sind“, sagte der Landwirt im Rückblick auf den Besuch.

 Polsnitz liegt im Kreis Walbrzych (früher Waldenburg), der auch Schloss Fürstenstein (schlesisch „Schlessla Ferschtensteen“, polnisch „Zamek Ksiaz“) beherbergt. Um das größte Schloss Schlesiens ranken sich zahlreiche Gerüchte. Unter anderem heißt es, dass das Anwesen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs als Ersatz für die „Wolfsschanze“ zum „Führerhauptquartier“ umgebaut werden sollte.

 Der Zweite Weltkrieg führte im Dezember 1946 zur Flucht der Familie Pohl. Mutter Pohl und ihre drei Söhne – der Vater war zu dieser Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft – erreichten zwei Tage vor Heiligabend im Viehwaggon Freital bei Dresden. „Ursprünglich waren wir, wie meine Tante, für den Transport vorgesehen, der als sogenannter Todeszug am 23. Dezember 1946 in Bückeburg eintraf“, erzählte Pohl. An den Zug erinnert eine mit 89 einheitlich gestalteten Steinkreuzen ausgestattete Grabstätte auf dem Jetenburger Friedhof.

 „Vier Fünftel der unglücklichen Menschen erlitten Erfrierungen. Kinder wimmerten, Frauen schrien. Ein furchterregender Gestank durchzog die Waggons. Die meisten Kinder bekamen Durchfall, weil sie gefrorenes Brot essen mussten. Kaffee und Tee waren in den Trinkbehältern gefroren. Mütter tauten Behälter in ihrer Kleidung auf, um den Durst ihrer Kinder löschen zu können“, ist in einem in der englischen Illustrierten „Picture Post“ im Februar 1947 über den „Todeszug“ veröffentlichten Artikel zu lesen.

 Heutzutage lässt der Name Walbrzych vor allem Freunde von Schatzsuchergeschichten aufhorchen. Zwei Hobby-Schatzsucher hatten im vergangenen August behauptet, dort mithilfe eines Bodenradars in einem unterirdischen Tunnel einen Zug aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt zu haben. Was Spekulationen über Nazigold und andere Kriegsbeute auslöste. Jetzt hat, einem Bericht der „Gazeta Wroclawska“ vom 23. Juni 2016 zufolge, die regionale Denkmalschutzbehörde grünes Licht für Grabungsarbeiten erteilt.

 Pohl, der mit 24 Jahren in Hevesen seinen achten Wohnsitz nahm, reflektierte im Anschluss an die Reise auch Fragen zu seiner Herkunft und seiner Jugend. „Als ich hier ankam, war meine Jugend vorbei“, hielt er im Gespräch mit dieser Zeitung fest. bus

 Mit Blick auf Heimatvertriebene und die gegenwärtige Flüchtlingssituation ging er kritisch mit der aktuellen Gewinnerin des Eurovision Song Contests ins Gericht. Die 32-jährige Krimtatarin Alimiwna „Jamala“ Dschamaladinowa hatte den Wettstreit mit einem Lied gewonnen, das das Leid ihrer von der Krim vertriebenen Großmutter thematisiert. „Viele wissen offensichtlich nicht, was die Sängerin tatsächlich singt“, meinte der 74-Jährige. bus

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