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Im Kartenzimmer schlief wohl Kaiser Wilhelm

"Tag der Archive" in Bückeburg Im Kartenzimmer schlief wohl Kaiser Wilhelm

4,2 Regalkilometer Akten und Dokumente, Tausende von Karten und Registern – die Besucher beim „Tag der Archive“ haben nicht schlecht gestaunt, als Stefan Brüdermann sie durch das Magazin des Niedersächsischen Landesarchivs am Standort Bückeburg geführt hat.

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Blick hinter die Kulissen des Landesarchivs: Stefan Brüdermann (Mitte) erläutert die Kriterien der Archivierung.

Quelle: mig

Bückeburg. So viel Papier auf so engem Raum hatten wohl die wenigsten erwartet. „Ist hier denn überhaupt noch genug Platz?“, wollte ein älterer Herr wissen. Doch Brüdermann beruhigte den Fragesteller. „Wir haben noch 300 Regalmeter Platz und brauchen etwa 15 pro Jahr.“ Wenn also „nicht etwas Besonderes“ passiere, „müsste das bis zum Ende meiner Amtszeit ausreichen“.

Dazu kommt die „Digitalisierung“, die in den nächsten Jahren ebenfalls für Entlastung sorgen wird: „Durch die Digitalisierung wird es erst mal mehr werden, dann aber weniger“, sagte Brüdermann. Zumindest mit Blick auf die nähere Zukunft muss sich niemand Sorgen machen, dass das Archiv „vollläuft“.

Stattdessen gibt es andere, viel größere Probleme. Und dies habe vor allem mit dem ab 1800 verwendeten Papier zu tun. Das altert schlechter, weil es „sauer“ ist. „Teilweise zerbröselt und zerfällt es richtig“, so Brüdermann.

Nur ein bis zwei Prozent werden archiviert

Ein riesiges Problem – für Archive und auch für Bibliotheken. Abhilfe schafft das „Bückeburger Verfahren“, indem das Papier entsäuert und stabilisiert wird. Tatsächlich ist das Verfahren sogar massentauglich – allerdings auch ziemlich kostspielig. Umso wichtiger sei es, dass die Archivare gezielt auswählen, was archiviert werden muss. „Das sind nur ein bis zwei Prozent eines Behördenbestandes“, sagt Brüdermann. Und er ergänzt: „Die Staatsanwaltschaft Bückeburg bietet uns Jahr für Jahr 100 Meter Akten an – wir nehmen ein bis zwei.“ Dabei komme es immer auch auf die Natur der Akte an: „Verwaltungsakten werden nicht zwangsläufig archiviert, Personenstandsregister werden gar nicht vernichtet“, sagte Brüdermann. Landet eine Akte allerdings erst einmal im Archiv, dann wird sie im Normalfall auch dauerhaft aufbewahrt.

"Mobilität im Wandel"

Nach einem Besuch im Kartenzimmer (dort hat mutmaßlich Kaiser Wilhelm geschlafen, als das Archiv noch Gästehaus des Schlosses war) machen sich die Besucher auf zum letzten Programmpunkt: dem Besuch der Archivalien-Ausstellung. Zum Thema „Mobilität im Wandel“ gibt es dort viele spannende Exponate zu sehen. In einem Kasten liegt ein opulent gestaltetes Buch von Georg Forster („James Cook: 3. Entdeckungsreise in die Südsee“) – in einem anderen wird vom mysteriösen Verschwinden eines Mädchens (und ihrer späteren Heirat) berichtet.

Ein anderes Dokument ist ähnlich interessant: Es reglementiert die Nutzung von Draisinen, also der ersten Räder (noch ohne Pedalen). Die „Laufmaschinen“ sollten im Bereich des Jägerganges und auf dem „breiten Stein“ (Bürgersteig) verboten werden. Brüdermann schmunzelnd: „Da die Verordnung an den Rektor der Schule gerichtet war, waren es wohl die Schüler, die dort für Unruhe gesorgt haben.“

Ein nicht unerheblicher Schrecken

Dass der Streit zwischen Radfahrern, Fußgängern und „Wagenführer“ uralt ist, zeigte ein Vortrag von Brüdermann (Thema: „Fahrrad und Verkehrsdisziplinierung. Anfänge der individuellen Massenmobilität in Nordwestdeutschland“). Ein gutes Beispiel findet sich in einem Bericht der Braunschweiger Polizeidirektion: „Die Fahrer bewegen sich namentlich des Abends vielfach auf den belebtesten Fußwegen der Promenaden“, heißt es dort. Und: „Häufig wird darüber Klage geführt, dass, bei Passanten, die ruhig ihres Weges gehen, die Radfahrer beim Vorbeifahren mit einem Male die Glocke läuten und so den Passanten einen nicht unerheblichen Schrecken zufügen.“

1893 kam es „durch unmenschlich rasches Fahren“ zu einem ernsten Unfall. Der Radfahrer (er hatte einen Jungen umgefahren), machte „schleunigst seine Verschwindung“, so ein Bürger. Aber auch die „Wagenführer“ bekommen ihr Fett weg. Deren „Lust an der Herbeiführung von Verlegenheiten“ müsse als „böswillig“ bezeichnet werden, wettern die Vertreter eines niedersächsischen Radfahrschutzverbandes. Das kommt einem bekannt vor. mig

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