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Betrüger mit einem Bein im Knast

Viereinhalb Jahre Haft für notorischen Verbrecher Betrüger mit einem Bein im Knast

Schocksekunde für einen Betrüger: Noch im Justizgebäude ist gestern ein 34-Jähriger festgenommen worden, der im größeren Stil Kunden mit Leasing-Verträgen für Autos abgezockt hat, ohne jemals ein Fahrzeug zu liefern.

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Bückeburg. Später gab der Mann aus Hamburg seinen Reisepass ab, worauf der Haftbefehl gegen Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Aufatmen kann er trotzdem nicht: Vier Jahre und sechs Monate Haft hat die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht verhängt.

 Angesichts dieser Strafe sah die Justiz Fluchtgefahr, weil der 34-Jährige in Deutschland keine Bindungen hat und regelmäßig nach Thailand reist. Als drei Wachtmeister während der Urteilsverkündung zwecks Festnahme den Saal betraten, schüttelten der Angeklagte und sein Verteidiger Alexander Kienzle ungläubig die Köpfe. Nach einer Zitterpartie konnte Kienzles Mandant Bückeburg dann doch noch als freier Mann verlassen.

 Der Schuldspruch lautet auf gewerbsmäßigen Betrug in 17 Fällen, zweimal ist es beim Versuch geblieben. Schaden: mehr als 55000 Euro. Zurück flossen nur 1650 Euro. „Die Opfer sind Menschen, die zum Teil naiv, sicher aber wirtschaftlich schwach waren“, erklärte der Vorsitzende Richter Norbert Kütemeyer.

 Dem Betrüger kam es nur auf die Vorauszahlung an, in der Regel zehn Prozent vom Kaufpreis. „Eine Gegenleistung“, so Kütemeyer, „wollte er von Anfang an nicht gewähren.“ Bis zu 12000 Euro hatten geprellte Kunden in einzelnen Fällen überwiesen.

 Nach Überzeugung des Gerichts hat der Angeklagte planvoll und skrupellos gehandelt. Kunden hatte er mit dem Versprechen gelockt: „Auto-Leasing ohne Schufa.“ Tatorte sind Bückeburg und Hamburg, wohin der wiederholt vorbestrafte Mann seinen Geschäftssitz verlegt hatte, nachdem ihm der Boden an der Wallstraße offenbar zu heiß geworden war.

 Wegen ähnlicher Vorwürfe war er einst vom Landgericht Bielefeld bereits zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Wenige Monate nach seiner Entlassung gründete der gebürtige Gütersloher erneut eine Leasing-Gesellschaft und machte weiter. Weil er noch Berufsverbot hatte, versteckte sich der Unternehmer hinter Strohmännern. „Die Unternehmensstrategie bestimmte jedoch er allein“, wie Kütemeyer betonte.

 Im Bückeburger Prozess sagten mehrere dieser ehemaligen Geschäftsführer gegen ihn aus. Das, so der Richter, habe entscheidend zur Verurteilung beigetragen, weil jene Insider-Zeugen „die Geschäftspraktiken wochenlang aus nächster Nähe beobachtet“ hätten. Einer von ihnen sagte beispielsweise aus, dass die Gesellschaft überhaupt kein Eigenkapital gehabt habe, um Autos zu erwerben. Ein anderer berichtete, er habe am Telefon mit keinem zufriedenen Kunden gesprochen. Kontakte zu Autohäusern gab es nicht. In zwei Fällen hatte der Betrüger erbosten Kunden kleinere Beträge zurückgezahlt, „weil er den Anschein von Seriösität aufrechterhalten wollte“, so Kütemeyer.

 Die Hauptverhandlung hatte sich über 17 Sitzungstage erstreckt, an denen die Kammer mehr als 30 Zeugen vernahm. Die Taten liegen bereits mehrere Jahre zurück. Dies und die lange Verfahrensdauer wirkten sich zugunsten des Verurteilten aus. Außerdem sei es ihm leicht gemacht worden, hieß es.

 Gegen den 34-Jährigen sprach unter anderem dessen kriminelles Vorleben. Kütemeyer: „Auch eine mehrjährige Haftstrafe hat ihn nicht beeindruckt.“ Dass die Verteidigung gegen das Bückeburger Urteil Revision einlegt, gilt als sicher. Vom Bundesgerichtshof wird die Entscheidung dann nur noch auf Rechtsfehler überprüft, nicht auf Tatsachen. ly

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