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Bückeburg Stadt Bevor die Malerei von der Decke fällt
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19:36 15.08.2013
Namentlich nicht bekannten italienischen Künstler malten die Flächen in der Schlosskapelle Anfang des 17. Jahrhunderts komplett im manieristischen Stil aus. Wenn jetzt die vier Kreuzgewölbe nicht gesichert werden, droht der Putz, auf dem sie gemalt sind, abzubröckeln. Quelle: rc
Von Raimund Cremers

Denn es ist nicht auszuschließen, dass durch Absenkungen des auf Pfählen gegründeten Schlosses sowie durch die Last des Kappengewölbes auf die Außenmauer die Außenmauern so nach außen gedrückt werden, dass die unersetzlichen Deckenmalereien der Kapelle abbröckeln.

 Darum werden in naher Zukunft umfangreiche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Etwa 350000 bis 450000 Euro sind kalkuliert. „Bei so alten Gebäuden weiß man nie, was einen erwartet“, sagte der Leiter der Bauabteilung der Fürstlichen Hofkammer, Dietmaer Weh, bei einem Vorort-Termin, wo er die Sicherungsmaßnahmen erklärte. 150000 Euro gibt es seitens des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Die offizielle Förderzusage liegt bereits vor.

Schon die Altvorderen hatten sich Gedanken darum gemacht, dass die Außenmauern durch das darauf gelagerte Kreuzgewölbe nach außen gedrückt werden konnten, wie Weh die alte Baukunst erklärte. Darum zogen sie Zuganker oder sogenannte Schleudern ein, die heute noch außen auf der Balustrade über der Kapelle im Schlossinnenhof zu sehen sind. Sie überspannen die Kapelle und halten die Außenmauern zusammen.

 Bis vor Kurzem. Denn an ihnen hat der Zahn der Jahrhunderte genagt. Befestigungen von Flacheisen, die an den Querbalken montiert sind und von innen nach außen führen, sind verrottet, wie Untersuchungen ergeben haben. Dadurch besteht nun die Gefahr, dass die Außenmauern doch nach außen gedrückt werden.

 Der Schlossherr und seine Bauabteilung sahen Handlungsbedarf, ehe durch das Auseinanderdriften der Außenmauern das Gewölbe und die unersetzlichen Deckenmalereien abbröckeln. Weitere Voruntersuchungen wurden eingeleitet, Sensoren messen seitdem jede Bewegung im Zehntelmillimeterbereich des Gemäuers.

 In absehbarer Zeit sollen nun sechs bis acht neue Anker mit einer Spannweite von acht Metern über der Kapelle eingezogen werden. Von außen werden sie mit dicken Muttern und Sicherungsplatten befestigt. Dann beginnt die Millimeterarbeit, die Anker so exakt unter Spannung zu setzen, dass alles unverändert bleibt und am Gewölbe keine Risse entstehen. Um das zu beobachten, werden in der Kapelle Gerüste aufgebaut. Von ihnen werden Restauratoren mit Argusaugen jeden Millimeter Fläche überwachen. Voraussichtlich muss die Kapelle für diese Arbeiten für einige Zeit gesperrt werden.

 Wann mit den Arbeiten begonnen wird, konnte Weh noch nicht sagen. Erst gestern wurde seitens des Niedersächsischen Denkmalpflegers die Freigabe für einen vorzeitigen Beginn der Sicherungsmaßnahme gegeben. In Kürze kann nun die Ausschreibung erfolgen. Und nach Prüfung der Angebote kann begonnen werden.

Die Schlosskapelle gehört mit zum ältesten Teil des Schlosses und wurde 1396 unter dem Grafen Otto I. erbaut. Zunächst war es eine einfache katholische Kirche mit einem einfachen Dach darüber. 1564 wurde die Kapelle aufgestockt und mit vier Kreuzgewölben versehen. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Kapelle von Fürst Ernst beim Ausbau seiner Residenz prunkvoll umgestaltet. Inspiriert von seinen Eindrücken, die er auf Italienreisen gewonnen hatte, ließ er die Kirche mit einer reichen Holzarchitektur ausstatten und die Wand- und Deckenflächen mit Fresken versehen. Die Holzdekoration wurde von den Hildesheimer Bildhauern Ebert Wolf dem Jüngeren und Jonas Wulff gefertigt.

 Die Flächen wurden von namentlich nicht bekannten italienischen Künstlern komplett im manieristischen Stil ausgemalt – und 1647 in Weiß übergemalt, als Graf Philipp Sophia von Hessen-Kassel heiratete und das Haus Schaumburg-Lippe evangelisch-reformiert wurde. Erst bei der durchgreifenden Restauration der Kapelle unter Fürst Adolf Georg wurde zwischen 1879 und 1885 die Freskenmalereien wieder vollständig freigelegt.