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Bewährung mit Gottes Hilfe

Berufungsprozess in Bückeburg gegen Langfinger Bewährung mit Gottes Hilfe

Göttlicher Beistand bewahrt einen reuigen Sünder vor dem Gefängnis. Weil der 63-Jährige zum christlichen Glauben gefunden hat und keinen Gottesdienst verpasst, hat das Amtsgericht eine sechsmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Richter Dirk von Behren geht davon aus, dass der Wiederholungstäter sein Leben ernsthaft ändern will.

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Bückeburg.  Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht hat Oberstaatsanwalt Frank Hirt jetzt sein Rechtsmittel gegen die Entscheidung von Behrens zurückgezogen, nachdem mehrere Gläubige aus der Gemeinde zugunsten des Mannes ausgesagt hatten. Ursprünglich wollte Hirt eine Haftstrafe ohne Bewährung. „Gnade vor Recht“, meinte Dr. Thorsten Garbe, Vorsitzender der Berufungskammer. „Eigentlich müssten Sie ins Gefängnis. Dies ist Ihre letzte Chance“, sprach Garbe den Angeklagten direkt an. „Erweisen Sie sich als würdig.“

 Ein Bibelzitat gab der Vorsitzende dem Langfinger ebenfalls mit auf den Weg: „Wenn Dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht. Wenn er sich ändert, vergib ihm.“ Die jüngste von vielen Sünden sah so aus, dass der Dieb im Februar in einem Bückeburger Supermarkt Waren für exakt 15,96 Euro gestohlen hatte: Handcreme, eine Flasche Rum, Kaffee und Erbsen. Weil er dabei ein Küchenmesser in der Hose hatte, stufte die Justiz das Delikt als Diebstahl mit Waffen ein.

 Das klingt gefährlich, ist aber nichts gegen eine Tat, wegen der das Amtsgericht den Langzeitarbeitslosen vor knapp sechs Jahren verurteilt hatte: Ausgerechnet ins Luhdener Pfarrhaus war er damals eingebrochen (wir berichteten). Der Pastor erwischte ihn auf frischer Tat, als er den Schreibtisch des Geistlichen durchwühlte.

 So ganz wird man aus dem 63-Jährigen nicht schlau. Bis zum Alter von 56 Jahren lebte er im Einklang mit dem Gesetz. Dann ging es los. „In einem Alter, wo andere sich zur Ruhe setzen, fing der Angeklagte eine beispiellose Karriere an“, so Oberstaatsanwalt Hirt. Nein, nicht als Schwerverbrecher, sondern eher als Kleinkrimineller, der allerdings auch Knasterfahrung sammelte. Hinzu kam ein Alkoholproblem.

 All dies soll nun Vergangenheit sein. Jeden Sonntag nimmt der Gläubige einen längeren Fußmarsch auf sich, um zum Gottesdienst zu kommen, obwohl er früher „nur zu Weihnachten in die Kirche gegangen“ sei. „Für meinen Glauben laufe ich meilenweit“, versichert er. Eifrig studiert der scheinbar bekehrte Sünder nach eigenen Angaben auch die Bibel. „Ich bin ein anderer Mensch geworden“, erklärt er. Ob das stimmt?

 „Er ist bemüht, im Glauben ein neues Leben anzufangen“, berichtet der Betreuer des 63-Jährigen. Auch die Leiterin der Gemeinde glaubt ihm, dass er „Frieden im Herzen“ habe. Zum Glauben brachte ihn ein 61-Jähriger, der den Schaumburger zuvor als „auffälligste Person“ im Stadtbild wahrgenommen hat, weil er so häufig betrunken gewesen sei. „Am meisten hat mich überrascht, dass er total offen für Gott war“, erzählt der andere Mann. „Jesus ist in sein Herz gekommen. Das kann ich bezeugen.“ ly

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