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„Bilder sind mein Leben“

Bückeburg / Porträt „Bilder sind mein Leben“

Was bleibt, wenn man 75 Jahre alt ist? Für Helga Becker ist die Antwort klar: Kreativität. Sie lebt in Bildern. Das darf man in zweifacher Hinsicht wörtlich nehmen: Es gibt an den Wänden ihrer Wohnung im dritten Stock in der Kolberger Straße in Bückeburg keinen freien Quadratzentimeter.

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 Helga Becker ist in ihrer Wohnung von Bildern und Büchern umringt. Die 75-Jährige sagt: „Bilder sind mein Leben.“

Quelle: wm

Von Hans Weimann. Bereits im Flur wandelt der Besucher durch eine Bildergalerie. Nähert er sich der Küche, empfängt ihn ein krächzendes Stimmchen: „Grüß Gott!“ Das ist Habakuk, ein Papagei, sein Name stammt aus dem Alten Testament.

Und Gastgeberin Helga Becker erzählt lachend: „Der kann viel mehr. Klingelt das Telefon, kräht er sofort los: ,Hallo, hallo!‘“ Sie hat Habakuk seit zehn Jahren. Der Papagei residiert in einem großen Käfig in der Küche, darf aber auch in der Wohnung umherfliegen. Problematisch sei nur die Landung auf der Kommode: „Weil er immer die Krallen ausfährt. Das konnte ich ihm noch nicht abgewöhnen.“

 Bilder hängen im Wohnzimmer, stehen auf Staffeleien, an der Wand, und noch mehr Bilder finden sich in den Künstlermappen, die Becker bereitwillig vor dem Besucher ausbreitet.

 Sie malt, solange sie denken kann, sagt sie. Und sie beherrscht handwerklich alle gängigen Techniken – von der Bleistiftzeichnung über Aquarell, Acryl, Tusche bis zur Collage. Nur vom Malen mit Öl sei sie abgekommen, als ihre Kinder noch klein und Katzen im Haus waren: Ölfarbe brauche sehr lange zum Trocknen. „Kinder und Katzen sind immer schneller gewesen.“

 Helga Becker hat in unserer Region ausgestellt, die Bückeburger kennen sie von der „Langen Nacht der Kultur“. Ihre Bilder hingen in Berlin und in Frankreich, in Sablé, der Bückeburger Partnerstadt. Sie kennt die Künstler aus dem dortigen Kunstverein: „Die sind für die Ausstellung zu mir gekommen, und gemeinsam haben wir Bilder für die Ausstellung in Frankreich ausgesucht.“

 Ihre Bilder sind auch Teil ihrer Lebensgeschichte: „Begeisterung, Ärger, Frust, das alles bringe ich zu Papier.“ Sie hat ihre Kinder gemalt, wie sie jetzt Nachbarn im Haus zeichnet. Sie hat Zeitgeschehen ironisch mit dem Zeichenstift kommentiert, und sie hat auf Reisen gemalt.

 Viele Rintelner werden die heute 75-jährige noch kennen: 16 Jahre war sie Apothekerin und Inhaberin der „Post-Apotheke“. Es waren Schicksalsschläge, die sie gezwungen haben, Apotheke und Beruf aufzugeben.

 Einer ihrer Söhne lebt heute im selben Haus an der Kolberger Straße, ein anderer in Finnland als Ingenieur. Ihr ältester Sohn Klaus hat ihr Talent für bildnerisches Gestalten geerbt und arbeitet erfolgreich als Maler, Grafiker und Designer.

 Zu Beckers Bekanntenkreis gehört auch Oskar Wilke, der lange in Uchtdorf gelebt und gearbeitet hat. Ein Maler derber Figuren und burlesker Szenen, der seine Herkunft als Handwerker für Kirmesbuden, Karussells und Attraktionen nie verleugnet hat.

Beckers Phantasie ist unerschöpflich wie ihr Malstil. Da wirbeln Figuren vor sonnigem Hintergrund über das Blatt: „Handstand am Sandstrand“ hat sie das Bild genannt. Bunte Gestalten mit Gliedmaßen in gewagten Winkeln stürmen fast über den Bildrand: „Turner“. Blau, Gelb und Rot verdichten sich vor braunem Untergrund zum „Gespensteraufmarsch aus dem Moor“.

 Zu jedem ihrer Bilder gehört eine Geschichte: Vom Maler in der Türkei, der, als sie ihm erzählt hat, dass sie auch malt, aber leider ihre Sachen vergessen hat, spontan mit dem Fahrrad in die nächste Stadt gefahren ist und die notwendigen Utensilien besorgt hat. Sie hat von Bildern Postkarten aufgelegt, beim Residenzdruck Rust in Bückeburg kann man ihre Drucke kaufen und im Internet unter „heimische Künstler“ ansehen. Hartmut und Susanne Rust hat sie einmal erzählt: „Ich übermale oft meine Bilder mehrmals und gestalte gänzlich um. Das Endprodukt ist nicht unbedingt die schönste Version – aber ich habe vor der Leinwand eine herrliche Zeit voller künstlerischer Hochgefühle verbracht.“

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