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Bitte pusten, Herr Oberstaatsanwalt

Bückeburg / Selbstversuch Bitte pusten, Herr Oberstaatsanwalt

Als Martin Appelbaum nach zwei Stunden ins Röhrchen pustet, zeigt das Display 0,61 Promille. „Ich bin überrascht, wie relativ niedrig der Alkoholwert ausgefallen ist“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt. „Auto könnte ich in dem Zustand nicht mehr sicher fahren.“

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BADS-Vorsitzender Helmut Trentmann bläst ins Röhrchen, Das Ergebnis: 0,23 Promille. Trentmann dürfte noch fahren, was er als Befürworter einer 0,0-Promille-Grenze aber nicht tun würde.

Quelle: ly

Von Stefan Lyrath Bückeburg. Wie Appelbaum geht es vielen Teilnehmern dieses Trinkversuchs bei der Bückeburger Justiz: Sie fühlen sich betrunkener, als es die Zahlen vorgaukeln. „Es ist beunruhigend, wie hoch die Grenzwerte angesetzt sind. Mit 0,61 bin ich nur knapp im Bereich einer Ordnungswidrigkeit“, stellt der Bückeburger Behördenleiter fest.

 Als Jurist sieht er Erkenntnisse bestätigt, dass niemand durch den Genuss von ein paar Flaschen Bier auf 1,6 Promille kommt – auch wenn Angeklagte dies gern behaupten. Jene 1,6 Promille markieren die Grenze, ab der ein sogenannter „Idiotentest“ fällig wird. „Otto Normaltrinker“ stößt in solche Regionen meist gar nicht vor.

 Martin Appelbaum zum Beispiel sieht sein Limit viel früher erreicht. Bei der ersten Messung, eine Stunde vor der zweiten, ist er auf einen Atemalkoholwert von 0,34 gekommen. „Jetzt“, so der Behördenleiter, „würde ich kein Auto mehr anfassen.“ Obwohl er es dürfte. Was viele nicht wissen: Bereits bei 0,3 Promille erhöht sich die Gefahr eines Unfalls um das Fünffache.

 Darauf weist der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) hin, der mit dem Niedersächsischen Richterbund (Bezirksgruppe Bückeburg) zu dieser Fachtagung für Juristen und Polizisten eingeladen hat.

 „Über eine Absenkung der Promillegrenze kann man auf jeden Fall diskutieren“, sagt Appelbaum, ohne sich auf einen genauen Wert festzulegen. BADS-Landesvorsitzender Helmut Trentmann, früher in Verden ebenfalls Leitender Oberstaatsanwalt, ist rigoros. Er fordert die 0,0-Promille-Grenze.

 „Es wird schwer, das durchzusetzen“, weiß Trentmann. Alkohol habe eine Lobby in Deutschland. „Eine 0,0-Promille-Grenze beißt sich mit unseren Lebensgewohnheiten“, räumt Trentmann ein. Dem BADS-Chef zufolge hängen mehr als zehn Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle mit Alkohol oder Drogen zusammen.

 Sogenannten Alkoholsündern drohen harte Sanktionen: Der Führerschein ist bereits ab 0,3 Promille in Gefahr, wenn es zu einem Unfall kommt oder Ausfallerscheinungen festgestellt werden, Schlangenlinien zum Beispiel. Von 0,5 Promille an (eine Ordnungswidrigkeit) drohen Geldbußen bis zu 3000 Euro plus drei Monate Fahrverbot.

 Die absolute Fahruntüchtigkeit beginnt bei 1,1 Promille. Deren Überschreitung wäre dann eine Straftat, die Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr nach sich ziehen kann. In der Regel wird für mindestens sechs Monate die Fahrerlaubnis entzogen. Weil diese neu beantragt werden muss, ist die Entziehung schlimmer als ein Fahrverbot.

 Übrigens gehen Experten davon aus, dass bundesweit auf jede festgestellte Alkoholfahrt 200 bis 600 kommen, die unerkannt bleiben.

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