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Björn Sassenberg forscht seinem Namen hinterher

Chronik über gut 400 Jahre Björn Sassenberg forscht seinem Namen hinterher

Früher galt Ahnen- und Familienforschung als Hobby für Rentner oder Pensionäre. Menschen mit Zeit jedenfalls. „Heute hat sie sich geradezu zum Volkssport entwickelt“, sagt Björn Sassenberg. Das Internet macht’s möglich.

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Björn Sassenberg mit einem Erstdruck seiner Chronik vor der Bückeburger Hofapotheke. Historischer Hintergrund: 1621 hatte eine Sassenberg den damaligen Hofapotheker geheiratet.

Quelle: ly

Bückeburg/Porta Westfalica (ly). Mit dem ersten Teil seiner Familienchronik biegt Sassenberg, bekannt als Stadtplaner im Rathaus von Porta Westfalica, just auf die Zielgerade. Dies markiert den vorläufigen Schlusspunkt eines Marathons, denn in dem rund 200 Seiten starken Werk steckt die Arbeit von 13 Jahren.

 Anlass war 2002 die Geburt des ersten Kindes. Ein Jahr zuvor hatte den Autor, dessen Heimatstadt Langenhagen (Region Hannover) ist, der berufliche Wechsel nach Porta Westfalica eher zufällig zurück zu den eigenen Wurzeln gebracht. „In Porta bleibt es nicht aus, dass man auf Sassenbergs stößt“, sagt er. Björn Sassenberg hat daraufhin „einfach angefangen und irgendwann Blut geleckt“. Heute schwärmt er: „Es ist total spannend.“

 Herausgefunden hat der Chronist zum Beispiel dies: Der erste Bürgermeister Bückeburgs war von 1602 an ein Sassenberg mit Vornamen Sarries, der vorher diverse andere Ämter bekleidet hatte, darunter das des Amtsschreibers. Anno 1615 erhielten er und sein Mit-Bürgermeister Albrecht Sobbe den Schlüssel für die neu erbaute Stadtkirche. Seiner Bekanntheit wegen steht der Name Sassenberg auch auf einer Glocke vor der Jetenburger Kapelle.

 Zur Verwandtschaft gehörte indes auch ein bedauernswerter Mann, der in Luhden lebte und 1654 nahe der Arensburg im heutigen Steinbergen als „Hexenmeister“ verbrannt wurde. Gestillt war der Blutdurst damit nicht: Die Häscher holten auch die Mutter des Unglücklichen und folterten diese zu Tode.

 Der Familienname bezieht sich auf die Stadt Sassenberg bei Münster, woher höchstwahrscheinlich alle Sassenbergs stammen, die zur dort ansässigen Ritterfamilie (samt Burg) „von Sassenberg“ zählen. Diese gilt als ausgestorben. Stammvater der heute lebenden Nachkommen war Anton Caesar Johannes Sassenberg, dem sein Nachfahre Björn den Spitznamen ACJ gegeben hat – der scheint eine schillernde Persönlichkeit gewesen zu sein. Wegen seiner Verdienste in einer Schlacht bei Soltau während der Hildesheimer Stiftsfehde des Jahres 1519, wo er dem Grafen Johann IV. von Schaumburg als Stallmeister gedient hatte, bekam ACJ den freien Krughof in Meinsen geschenkt. Von dort siedelten seine Nachkommen nach Bückeburg und Minden. Beides sind typische Orte der Sassenbergs, außerdem Kleinenbremen, Obernkirchen und Vehlen.

 Erforscht hat dies bereits Hermanns Eggers, Björn Sassenbergs zwischenzeitlich verstorbener Mentor, der die Ergebnisse 2000 in einer Sonderbeilage zu den Schaumburg-Lippischen Heimatblättern veröffentlichte. Eigene Recherchen hat Björn Sassenberg unter anderem in verschiedenen Archiven angestellt, auch im Internet.

 Fest steht: Es gibt eine städtische und eine bäuerliche Linie. Die bäuerliche Hauptlinie geht auf Johan Sassenberg zurück, den zweitjüngsten Sohn von ACJ, dessen Sohn in den Kleinenbremer Meierhof Nr. 32 einheiratete, gelegen gegenüber der heutigen Lütkenbremer Kirche. „Ein Haudrauf in allen Gassen“, charakterisiert der Chronist den Großbauern. Die städtische Linie gründete sich mit dem jüngsten Filius Sarries, der später Bückeburger Bürgermeister wurde. Bürgermeister in Obernkirchen war Jahrhunderte später Horst Sassenberg, ein Cousin von Björns Vater.

 Gelernt hat Björn Sassenberg beispielsweise dies: „Das bäuerliche Idyll gab es nicht.“ Vielmehr sei das Dasein der Menschen auf dem Lande ein ständiger Überlebenskampf gewesen. „Besonders bewegt“ haben den Ahnenforscher „Geschichten von Verarmung – und wenn Kinder früh gestorben sind“.

 Björn Sassenberg plant zunächst mit einer Auflage von 150 Exemplaren, für 85 hat er bereits feste Reservierungen. Vorbestellungen zum Selbstkostenpreis nimmt er unter Tel. (0511) 9735108 oder per Mail an bjoern.sassenberg@gmx.de entgegen. Nach der Chronik ist vor der Chronik: Der Autor geht davon aus, dass irgendwann eine Erweiterung fällig wird. „Es ist wie ein großes Puzzle“, erklärt er. „Man wird nie fertig.“

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