Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt „Blick“ unter die Oberfläche – ohne Grabung
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt „Blick“ unter die Oberfläche – ohne Grabung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 02.02.2011
Mit einem Spezialgerät (rechts) werden derzeit geomagnetische Untersuchungen durchgeführt. © kk

Nordholz (kk). Hoch spezialisierte Technik ist hier im Einsatz, es gibt nicht viele solcher Geräte in Deutschland. „Geomagnetische Untersuchung“ heißt das Zauberwort. Ursprünglich entwickelt wurde die Technik, um Munition im Boden aufzuspüren – hier ist sie im Dienst der Archäologie in Einsatz.

„So sieht man hier relativ wenig“, sagt Jens Berthold, Kommunalarchäologe im Dienst der Schaumburger Landschaft. Das erscheint dem Uneingeweihten noch fast untertrieben: Der macht in der Landschaft kein Zeichen aus, das an eine der frühesten Burgen im Schaumburger Land erinnert. Dabei stand hier im Hochmittelalter das Hus Aren, Herrensitz der Familie von Arnheim. Als die Burg ein Raub der Flammen wurde, errichteten die Schaumburger Grafen und der Mindener Bischof in unmittelbarer Nachbarschaft eine neue Anlage.

Die Spuren dieser Burganlagen gilt es nun zu sichern, für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Daran wird derzeit mit finanziellen Mitteln der Europäischen Union, des Landkreises und der Stadt Bückeburg gearbeitet. In der vergangenen Woche hat eine Spezialistin das Gelände vermessen, in dieser Woche untersuchen es Spezialisten der Firma Eastern Atlas aus Berlin mit geomagnetischen Methoden. Die ermöglichen einen „Blick“ unter die Erdoberfläche, ohne graben zu müssen. Die Daten werden demnächst ausgewertet und fließen in die wissenschaftliche Erforschung des Baudenkmals ein.

„Uns treibt auch die nachhaltige Sorge um den Erhalt der archäologischen Areale,“ erläutert Hans-Wilhelm Heine vom Landesamt für Denkmalschutz. Er gilt als „der“ Burgenexperte in Norddeutschland und hat auch ein kenntnisreiches Buch über Burgen im Schaumburger Land veröffentlicht. Im Idealfall könnten die Flächen in Nordholz von der öffentlichen Hand angekauft werden, um sie dauerhaft zu schützen. Da sie noch nie „unter dem Pflug“ waren, bieten sie für Archäologen möglicherweise noch viel Entdeckungspotenzial.

Vor über 100 Jahren führte der Heimatforscher Friedrich Mosebach hier bereits erste Grabungen durch, die aber nicht besonders gut dokumentiert sind. Unter anderem wurden Holzfundamente gefunden. Einige Funde lagern im Bückeburger Museum und sollen dort demnächst im Kellergewölbe besser zugänglich gemacht werden.

Möglicherweise wäre dies auch ein Rahmen, um aktuell über den derzeitigen Forschungsstand zu informieren. Besonders der Arbeitskreis Archäologie hatte sich immer wieder für Untersuchungen starkgemacht und zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals vor Ort informiert.

Die neuen Erkenntnisse werden zunächst einmal in eine Informationstafel einfließen, die auf dem Areal aufgestellt werden soll. Hier führt nämlich auch die Themenradtour Schlösser und Herrensitze vorbei – doch derzeit verlangt es vom Betrachter noch eine ausgeprägte Phantasie, um in der Niederung überhaupt Spuren einer Bebauung ausfindig zu machen.