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Brillianter Abschluss

Orgelwoche Brillianter Abschluss

Mit einem fulminanten Schlussakkord ist in der Stadtkirche die „1. Schaumburger Orgelwoche“ zu Ende gegangen. Fünf Kantoren hatten ein bemerkenswertes Programm auf die Beine gestellt.

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Matthias Neumann spielt an der Janke-Orgel in der Bückeburger Stadtkirche.

Quelle: mig

Bückeburg. „Ich wünsche der Reihe ein langes Fortbestehen“, gab Organist Matthias Neumann zu verstehen. Er finde es großartig, was in Schaumburg auf die Beine gestellt worden sei.

Um es gleich vorwegzusagen: So kann es tatsächlich weitergehen mit der Orgelwoche. Mit den vielen gut besuchten Führungen, den abwechslungsreichen Konzerten, den „Schnupperkursen“, einer „Stummfilm-Improvisation“ und dem „Peter-Pan-Projekt“: „Das Programm war wirklich große Klasse“, schwärmte ein Zuhörer. Ebenfalls zufrieden zeigten sich die fünf beteiligten Kantoren Siebelt Meier (Bückeburg), Regina Ackmann (Obernkirchen), Oana Maria Bran (Hessisch Oldendorf), Christian Richter (Stadthagen) und Daniela Brinkmann (Rinteln).

„Die Resonanz war gut, die Teilnehmer waren neugierig und haben viele Fragen gestellt“, sagte Ackmann, die an der Stiftskirche Obernkirchen tätig ist. Laut Ackmann habe man das Instrument Orgel in all seiner Vielseitigkeit und Vielfalt vorstellen wollen. „Wir hoffen, dass uns das gelungen ist und dass wir auch den Nachwuchs haben begeistern können.“

Harmonische und facettenreiche Interpretation

Sechs Werke hat Neumann nach Bückeburg mitgebracht, darunter Jan Pieterszoon Sweelincks „Esce Mars“, Georg Böhms Choralvariationen „Freue dich sehr, o meine Seele“ und das „Präludium in e“, einem herben, fast schon melancholischen Werk von Dietrich Buxtehude. Eher selten zu hören ist das das „Präludium in e“ von Nicolaus Bruhns – das „Opus Magnum“ dieses erstaunlichen Komponisten. Ein für die damalige Zeit fast schon untypisches Werk: voller überbordender Energie, schwungvoll und vielseitig, geprägt von zahlreichen Variationen. Die Musik strömt zügig dahin, wobei vor allem die vielen, schwer zu spielenden Chromatiken auffallen. Neumann gelingt auch hier eine kongeniale Interpretation: Mit einer subtilen, behutsamen Registrierung verleiht er dem Werk einen ganz eigenen Charakter. Und auch der Schlussteil mit seinem teilweise atemraubenden Tempo gelingt ihm ohne Mühe. Neumann gibt der überbordenden Energie Bruhns viel Raum – ohne aber jemals die Kontrolle zu verlieren. Sein strenges und zugleich freies Spiel hat ein bisschen was vom Ritt auf der Rasierklinge. Kurzum: Eine harmonische und facettenreiche Interpretation, die das klangliche Potenzial der Janke-Orgel voll ausschöpft.

Den Schlusspunkt setzte dann das majestätisch strahlende „Präludium und Fuge in e“ (BWV 548) von Johann Sebastian Bach. Wer das Werk kennt, weiß, dass Bach die e-Moll-Fuge wie einen Konzertsatz angelegt hat – mit Tutti und Soli und vielem mehr. Dabei gehen so heterogene Sphären wie Konzert und Fuge, strenges Ordnen und freies Sich-Entfalten, schwerblütige Expressivität und heitere, lockere, ja perlende Virtuosität eine einzigartige Verbindung ein. Schon das Eingangsthema brilliert mit seiner überbordenden Ausdruckskraft. Und dann erst der Mittelteil, der von solistisch kadenzierten Sechzehntelläufen aller Art geprägt ist. Einfach großartig! Wie Neumann dann die Überfülle des Mittelteils bändigt, wie er dieses Meisterwerk zu einem Abschluss bringt – brillant. mig

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