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„Bückeburg darf nicht wegschauen“

Bückeburg / Gegen Neonazis „Bückeburg darf nicht wegschauen“

Mehrere Hundert Demonstranten und ein Großaufgebot der Polizei haben am Sonnabendnachmittag für rund zwei Stunden die Szenerie in Bückeburg bestimmt. Mit großen Transparenten und markigen Sprechgesängen zogen rund 200, meist ganz in Schwarz gekleidete, junge „Antifa“-Aktivisten vom Bahnhof aus durch die Innenstadt, um gegen nationalsozialistische Ideologien und rechte Gewalt zu protestieren. Dem Tross folgte ungefähr noch einmal die gleiche Anzahl an „zivilen“ Demonstranten, zu denen auch reifere Jahrgänge zählten. Nach Angaben der Polizei nahmen 380 Menschen an der Demonstration teil, die gewalt- und störungsfrei ablief. Zur Teilnahme an der von der Kampagnenseite „copyandpaste.blogsport.de“ organisierten Veranstaltung hatte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen.

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Auf dem Marktplatz, der „national befreiten Zone“, demonstrieren rund 400 Menschen gegen Neonazis und Neonazi-Gewalt in Bückeburg.

Quelle: rc

Bückeburg. „Von uns wird keine Gewalt ausgehen, die Demo hat friedlichen Charakter“, hatte Versammlungsleiter Frank Gockel zuvor gegen 14.30 Uhr bei der Auftaktkundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz betont. Um Konflikte mit der Polizei zu vermeiden, erinnerte er die Protestler daran, dass – den Auflagen der Genehmigungsbehörde entsprechend – „kein schwarzer Block“ gebildet werden dürfe und sich die schwarz gekleideten Teilnehmer in der Fläche verteilen sollten. Diese Anweisung blieb in Teilen zwar ungehört, von den polizeilichen Einsatzkräften wurde die Ballung der „schwarzen“ Demonstranten an der Spitze des Protestzuges aber toleriert.

„Der Anlass für die Demo ist ein sehr trauriger“, berichtete ein anderer Sprecher per Mikrofon über die Beschallungsanlage des Begleitfahrzeuges. In den vergangenen viereinhalb Jahren sei in Bückeburg eine gewalttätige Gruppe entstanden, „die dem Spektrum der autonomen Nationalisten zuzurechnen ist“. Deren Gewalttaten gegenüber Jugendlichen der „Antifa“-Szene hätten seit September 2010 „an Qualität und Quantität“ zugenommen. Das Stadtgebiet entwickele sich dadurch für viele Jugendliche zu einem „No-go-Area“. Ferner werde in Bückeburg weggeschaut, wenn immer mehr Jugendliche mit den Nationalsozialisten sympathisieren. Auf der anderen Seite beklagte der Redner, dass die „einzige spürbare Konsequenz“ darin zu sehen sei, dass die Polizei an Wochenenden stärkere Präsenz zeige.

Thomas Künzel, Vorstandsmitglied der Schaumburger Grünen/Bündnis 90, nahm ebenfalls das Mikrofon in die Hand: „Wir sind gegen jede Form von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele“, sagte er. Die „Umtriebe von Neonazis“ dürfe man nicht verharmlosen, denn deren Ziele seien „Völkermord, Versklavung und Aberkennung der Menschenrechte“. Für eine kurze Stippvisite ließ sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy vor dem Bahnhof sehen.

Der Weg der Demonstranten führte – begleitet von der Polizei, die mit insgesamt 200 Beamten im Einsatz war – vom Bahnhof aus zum Marktplatz, den ein „Antifa“-Sprecher über die Lautsprecher des Begleitfahrzeuges mit den Worten „Wir nähern uns der national-befreiten Zone Bückeburg“ ankündigte. Auf dem Marktplatz selbst folgte eine Reihe weiterer Kundgebungen. Anschließend zogen die Protestler über die Lange Straße und dem Unterwallweg zur Bahnhofstraße und wieder zurück zum Bahnhof, wo Gockel die Demonstration um kurz nach 16 Uhr für beendet erklärte. Befürchtungen im Vorfeld, dass Neonazis die Demonstration stören könnten, bewahrheiteten sich nicht. Nach Angaben der Polizei wurden keine Mitglieder der rechten Szene gesichtet. Mitglieder der Bückeburger Neonaziszene und deren Sympathisanten hatten am Morgen Besuch vom Staatsschutz erhalten und waren aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben. Was sie nach Angaben der Polizei, auch auf Druck ihrer Eltern, taten. Der Veranstalter berichtete hingegen von Provokationen Bückeburger Neonazis am Rande der Demonstration.

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