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Bückeburger Adolfiner führen Theaterstück auf

Ein Fall von Cybermobbing Bückeburger Adolfiner führen Theaterstück auf

Eine Schule, die offensiv mit dem Thema Cybermobbing umgeht? Das ist immer noch selten. Im Gymnasium Adolfinum stand jetzt mit „Homevideo“ ein Stück auf dem Programm, das eine sowohl beklemmende als auch befreiende Wirkung hat.

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Zwischen Hannah (Lina Rechel) und Jakob (James Randall) bahnt sich eine Liebesbeziehung an-bis das Video alles zerstört.

Quelle: mig

Bückeburg. Die Wahl des Kurses „Darstellendes Spiel“ fiel auf das Stück „Homevideo“ von Jan Braren. Darin wird beschrieben, was Jugendliche durchmachen, wenn sie Opfer von Cybermobbing werden.

Braren skizziert in einer jungen, unverstellten Sprache den normalen Wahnsinn an einer Schule. „F... dich! Nimm dir’n Strick, Psycho!“, heißt es da. Oder: „Ich fress dich Sau.“ Dass Schüler von Schülern gespielt werden, erhöht das Gefühl der Authentizität.

Aufnahmen landen im Internet

Jakob Moormann (kongenial gespielt von James Randall) hat es ohnehin nicht leicht. Er ist eher schüchtern, introvertiert, ein Nerd. Sein Hobby: eine Videokamera, mit der er kleine Filme dreht. Dumm nur, dass er sich eines Tages beim Onanieren filmt. Und diese Aufnahme, durch einen dummen Zufall, bei Henry, Erik und Tom landet. Erik will die Speicherkarte wegschmeißen, aber Henry hindert ihn. „Das ist Herrschaftswissen, Alter, das schmeißt man nicht weg.“ Es kommt, wie es kommen kann: Henry und Erik erpressen Jakob. Wollen Geld von ihm. Und plötzlich ist das peinliche Video im Internet.

Das ist aber nicht das einzige Problem, das Jakob hat: Seine Eltern wollen sich trennen, Hannah (einfühlsam dargestellt von Lina Reichel), will ihn nicht mehr sehen. Weil auf dem Video eine Liebeserklärung an sie zu sehen ist, gilt sie als „Schlampe“. Für Jakob wird die Situation immer auswegloser. Alles scheint verbaut, immer wieder bekommt er Hass-Nachrichten. Das Internet ist ihm längst zu einer zweiten, vielleicht sogar ersten Realität geworden.

Vernichtung einer Existenz

Ein Schulwechsel soll die Rettung bringen, doch auch hier sind die „Mobber“ aktiv. Auf Jakobs Handy erscheint ein Smiley, der sich in den Kopf schießt. Es ist diese Direktheit, die das Stück besonders macht. Braren dokumentiert die Vernichtung einer Existenz. Und er zeigt, wie leicht das geht, auch dank der sozialen Netzwerke. Die Opfer von heute sind Tag und Nacht erreichbar – einen Rückzugsraum gibt es nicht. Das spürt auch Jakob. Und bringt sich um.

Hätte Jakob geholfen werden können? Sicher! Von seinen Eltern und Lehrern. Viel früher einschalten – das muss die Lehre aus derartigen Vorfällen sein. Schulleiter Michael Pavel dankte den Akteuren mit den Worten: „Die Brutalität des Stücks hat mir die Sprache verschlagen. Ihr habt mich dazu ermuntert, auch bei scheinbaren Kleinigkeiten noch mehr als bisher hinzuschauen.“ mig

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