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Naturschutz nicht erst heute ein Thema

Bückeburger Wahrzeichen soll vor 90 Jahren fallen Naturschutz nicht erst heute ein Thema

Sie galt als einzigartiges Naturdenkmal und als Wahrzeichen der Stadt – die alte Linde an der Obertorstraße vor dem Manufakturwarengeschäft Wackerhagen (heute Paper-Maxx) in Bückeburg.

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Markantes Opfer der neuen Zeit: die vor 90 Jahren gefällte Linde an der Obertorstraße.

Quelle: Repro: gp

Bückeburg. Ihr wuchtiges Kronendach überragte die ganze Straße und reichte bis an die Kreuzung Ober-/Unterwallweg heran. Der Stamm hatte einen Durchmesser von gut einem Meter. Er war unten schon hohl und mit Zement ausgefüllt. Das Alter wurde auf etliche Hundert Jahre geschätzt.

 Das Ungewöhnlichste an dem Baum aber war der Standort. Er wuchs sozusagen aus der Fahrbahn heraus. Als um die Jahrhundertwende das „Obere Tor“ abgerissen und die Ausfallstraße in Richtung Osten ausgebaut und verbreitert worden war, hatte man die Linde – sozusagen als gottgegebenes Naturereignis – am inneren Straßenrand stehen lassen. Bei dem damals noch geringen Verkehr war das kein Problem. Die ersten, seit der Jahrhundertwende gemächlich durchknatternden Motorkarossen konnten früh genug einen Bogen machen.

 Doch dann nahm, vor allem nach Ende des Ersten Weltkriegs, das Verkehrsaufkommen zu. Immer mehr Autos und Motorräder rasten immer schneller durch die Stadt. Nicht selten hörte man vor Wackerhagen heftiges Bremsenquietschen. Vor allem auswärtige Fahrzeuglenker sahen sich angesichts des plötzlich vor ihnen auftauchenden Baumstamms zu waghalsigen Ausweichmanövern gezwungen.

 Es kam, wie es kommen musste: Anfang/Mitte der zwanziger Jahre wurden Stimmen laut, die die Beseitigung der Linde forderten. Sofort erhob sich lautstarker Bürgerprotest. An die Spitze der Bewegung setzte sich der honorige schaumburg-lippische Heimatverein (damals „Verein für Geschichte und Altertumskunde“). In mehreren Eingaben rief man die Stadt zum Stopp „des Unsinns“ auf. Der Vereinsvorsitzende Adolf Westerich, Professor am hiesigen Gymnasium Adolfinum, schrieb einen geharnischten Leserbrief. Die Fürsorge zugunsten der Autolenker dürfe nicht dazu führen, „dass unsere Straßen ihrer Schönheit beraubt und nur für den Verkehr brauchbar gemacht werden“. Und: „Möge der stolze Baum, der manches Geschlecht in Bückeburg heranwachsen sah und eine Zierde des Stadtbildes ist, uns und kommenden Geschlechtern erhalten bleiben!“ Der damalige Bürgermeister Karl Wiehe ging in Deckung. Die Fäll-Idee komme nicht aus dem Rathaus, sondern von der schaumburg-lippischen Landesregierung, gab er den Schwarzen Peter nach oben hin weiter. Der Stadt seien die Hände gebunden. Die Obertorstraße sei eine Staatsstraße, und da habe die Regierung das Sagen.

 Und diese habe bereits gedroht, dass Bückeburg für alle finanziellen und rechtlichen Konsequenzen geradestehen müsse, wenn ein Unfall passiere. Außerdem sei der Stadtverwaltung vorgeschrieben worden, den Gefahrenort ab sofort auf ihre Kosten nachts auszuleuchten.

 Eine Zeit lang tat sich nichts. Doch dann ging alles sehr schnell. In einer Sitzung Anfang 1926 gaben die Stadtverordneten dem Druck der Regierung nach. Die Linde könne „des Verkehrs wegen nicht stehen bleiben“, machte sich Bürgervorsteher Neuhaus zum Sprecher seiner Kollegen, denn: „Der Verkehr geht den persönlichen Wünschen vor, und die Zeit geht schneller als wir.“ gp

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