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Bürgermeister predigt in der Schlosskirche

Bückeburg Bürgermeister predigt in der Schlosskirche

Die evangelisch-reformierte Gemeinde Bückeburg hat den Brauch der „Bürgerpredigt“ wieder aufgegriffen. „Wir möchten damit eine breitere Öffentlichkeit ansprechen und den Dialog in unserer Gesellschaft fördern“, erklärte Pastor Thomas Krage. Zur Premiere hatte die Gemeinde Bürgermeister Reiner Brombach eingeladen. „Das ist der Erste, der sich da ran traut“, sagte der Geistliche.

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Thomas Krage (links) und Reiner Brombach vor dem Eingang der Schlosskirche.

Quelle: bus

Bückeburg. Das Stadtoberhaupt setzte sich mit Themen aus dem Matthäus-Evangelium auseinander, in dessen 25. Kapitel es unter anderem heißt: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“

„Worte“, wie Brombach ausführte, „die angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingswelle absolut aktuell sind.“ Und weiter: „Es hat eine regelrechte Völkerwanderung Richtung Europa und hier hauptsächlich mit dem Ziel Deutschland eingesetzt. Die meisten Flüchtlinge werden von verbrecherischen Schleusern auf den Weg gebracht. Diese kriminellen Elemente nehmen ihnen ihr letztes Geld und versprechen ihnen ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Die Bilder der gekenterten Schiffe im Mittelmeer, das erschütternde Bild des kleinen Jungen, der tot im Meer gefunden wurde, und die mehr als 70 Toten im Kühlwagen in Österreich sind uns allen im Gedächtnis und erschüttern uns alle.“

Diese Situation habe in Deutschland und ganz Europa zu heftigen Diskussionen über die Aufnahmemöglichkeiten Deutschlands und Europas geführt. Brombach erinnerte an frühere Wellen wie den israelischen Auszug aus Ägypten, die Auswanderungen von Europäern nach Amerika und die 70 Jahre zurückliegenden innerdeutschen Flüchtlingsbewegungen. Wie Herausforderungen bewältigt werden können, sei nicht zuletzt in Bückeburg sichtbar geworden, wo innerhalb kürzester Zeit mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerkes, der Feuerwehr und der Bundeswehr eine Unterbringung von 242 Menschen ermöglicht wurde. Dabei gelte den ehrenamtlich Engagierten ein ganz besonderer Dank.

„Wir sind humanitär und aus christlicher Fürsorge geradezu dazu verpflichtet, den Menschen zu helfen, die aus Kriegsgebieten zu uns flüchten, um ihr nacktes Leben zu retten“, betonte der Bürgermeister. Es müsse zudem darauf geachtet und darauf hingewirkt werden, dass sich die Menschen, die dauerhaft hier bleiben dürfen, in die deutsche Gesellschaft integrieren. Dabei sei Integrationswilligkeit von beiden Seiten erforderlich und unerlässlich.

Zur Vermeidung ungezügelten Zuzugs von Wirtschaftsflüchtlingen, erklärte Brombach, müssten seiner Meinung gemäß erheblich mehr Maßnahmen in den Herkunftsländern ergriffen werden, um diesen das Verbleiben in ihrer Heimat zu ermöglichen. Überdies müsse den kriminellen Schleusern, die nur ihr eigenes wirtschaftliches Wohl im Auge hätten, das Handwerk gelegt werden. „Ich hoffe für die Zukunft, dass wir in Deutschland und Europa zu einer friedlichen Flüchtlingsaufnahme gelangen“, erklärte das Stadtoberhaupt. „Und dass es uns gelingt, dieses Problem, das uns sicherlich die nächsten Jahre beschäftigen wird, auf Dauer zu bewältigen.“ In diesem Zusammenhang sei der Streit um Flüchtlingsquoten geradezu beschämend. In der gegenwärtigen Situation müsse man sich vielmehr vor Augen führen, dass es etwa drei Viertel aller Menschen in dieser Welt schlechter gehe, als denen, die in Europa leben.

Brombach berichtete eingangs, dass er zunächst erstaunt über das Ansinnen Krages gewesen sei. „Ich halte zwar hier und da Ansprachen, aber in einer Kirche im Gottesdienst rede ich zum ersten Mal. Möge Gott mir und Ihnen helfen, dass es ein Erfolg wird“, brachte der „Bürgerprediger“ zum Ausdruck. Reaktionen der Schlosskirchenbesucher zufolge scheint der Herr das Hilfeersuchen vernommen zu haben. bus

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