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Bückeburg Stadt CDU will Kinder gratis zum Sport schicken
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt CDU will Kinder gratis zum Sport schicken
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10:25 26.09.2018
10.000 Euro würde es die Stadt jährlich kosten, wenn sie Kindern Gutscheine für Vereinsmitgliedschaften sponsert. Quelle: Symbolfoto, dpa
Bückeburg

„Wir wollen Kinder unterstützen und an den Sport heranführen.“ Auf diese knappe Art und Weise hat Ratsherr Dieter Wilharm einen Antrag der CDU erläutert, mit dem seine Fraktion die Förderung der Mitgliedschaft Bückeburger Kinder in städtischen Sportvereinen initiieren möchte.

Der Name des Programms: „Bewegung für Bückeburg“. Da es einige Unklarheiten über die Höhe der Förderung, der Position der Vereine und der Verwaltung zu diesem Angebot gab, verwies der Sport- und Partnerschaftsausschuss nach längerer Diskussion den Tagesordnungspunkt zur weiteren Beratung in die Fraktionen.

"Wir führen den Vereinen junge Mitglieder zu"

Im Grunde geht es darum, dass die Stadt Bückeburg allen Kindern zum vierten Geburtstag einen Gutschein für eine kostenlose Mitgliedschaft in einem Sportverein schenkt – in der Hoffnung, dass möglichst viele Kinder den Gutschein einlösen, sich einem Sportverein anschließen und möglichst lange dort auch Mitglied bleiben.

Durch den Sport soll der Bewegungsarmut in Zeiten von Internet und Smartphone sowie dem demografischen Wandel entgegengewirkt werden. Außerdem erhoffen sich die Initiatoren die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Mit rund 200 Kindern im Jahr wird gerechnet, die Übernahme der Mitgliedsbeiträge würde die Stadt rund 10.000 Euro pro Jahr kosten – wenn alle Kinder ihren Gutschein einlösen, wie Fachgebietsleiter Christian Schütte vorrechnete.

Das Sportentwicklungskonzept sehe jedenfalls explizit vor, dass Kinder an den Sport gebunden werden sollten, erinnerte Ratsfrau Heike Donath (CDU). Und Ratsherr Hendrik Tesche (FDP) fügte hinzu: „Wir führen den Vereinen junge Mitglieder zu.“ Eventuell könne der Gutschein um ein Begleitheft erweitert und erst zur Einschulung ausgegeben werden. Ein Vorschlag, der einigen Protest auslöste, denn (mit sechs Jahren) zur Einschulung seien Kinder in der Regel schon anderweitig unterwegs.

Was wird aus dem Antrag?

Seitens der SPD traf der Antrag nicht unbedingt auf Gegenliebe. Reinhard Luhmann sagte, dass er durchaus einige positive Ansätze sehe, befürchte aber einen erheblichen Verwaltungsaufwand und einen verstärkten Personaleinsatz: „Dann bin ich dagegen.“ Er erinnerte daran, dass im Zuge der Entscheidungen um Haushaltseinsparungen die Vereine mit 18.000 Euro belastet werden sollten: „Heute geben wir uns so freizügig.“

Sein Fraktionskollege Dieter Everding ergänzte: „Wir lassen den Vereinen schon erhebliche Mittel zukommen.“ Und Wolfhard Müller ergänzte, dass die Vereine am glücklichsten seien, wenn die Stadt keine Sportstättengebühren erhebe oder diese weiter übernehme. Er appellierte an die Vereine, Kindern eine halbjährige Schnupperphase einzuräumen, bevor sie Mitglied werden müssten.

Was die Vereine ohnehin bereits tun, wie der Vorsitzende des Forums der Bückeburger Sportvereine und des VfL Bückeburg, Martin Brandt, im Ausschuss sagte: „Eine Schnupperphase ist üblich.“ Der CDU-Antrag sei im Forum diskutiert und als „eigentlich gute Sache“ bewertet worden, da Hemmungen genommen und Anreize geschaffen würden. Die Abwicklung müsse „schlank“ bleiben, auch für die Vereine. Brandt geht davon aus, dass nur ein Bruchteil der Kinder den Gutschein in Anspruch nehmen werden.

von Raimund Cremers