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Bückeburg Stadt Cannabis-Spray auf Rezept
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Cannabis-Spray auf Rezept
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13:00 11.03.2018
Symbolbild Quelle: dpa
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Bückeburg

Der Senior sitzt im Rollstuhl, sein Körper ist durch die schwere Erkrankung verdreht. Der 71-Jährige hat bereits viele Medikamente ausprobiert – jedoch ohne Erfolg. Irgendwann hörte er von einem Medikament mit dem Namen „Sativex“. „Bis ich von dem neuartigen Präparat gehört habe, hatte ich alles ausprobiert. Geholfen hat aber kein Arzneimittel. Leider. Im Gegenteil: Ich habe sogar starke Nebenwirkungen, zum Beispiel Magenprobleme bekommen“, erzählt Krause ruhig. „Und dann haben uns Ärzte und Apotheker von dem Cannabis-Präparat erzählt“, ergänzt Krauses Ehefrau Sonja, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt.

„Sativex“ ist ein Spray. Es enthält Cannabinoide. Die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze werden vor allem Patienten, die unter Multipler Sklerose leiden, verabreicht. Doch das Medikament hilft auch Menschen wie Karl-Heinz Krause, die unter einer starken Spastik leiden. „Es löst die Krämpfe und lindert die Schmerzen“, erzählt Krause. Bei dem Bückeburger schlägt das Cannabis-Präparat an. Krause ist von dem Medikament begeistert.

Teure Medizin

Das Problem: Eine Packung, die drei Sprühflaschen enthält, kostet 300 Euro. „Die Packung ist nach drei Monaten aufgebraucht. Das können wir uns nicht leisten“, sagt Sonja Krause.

Als das Ehepaar bei seiner Krankenkasse nachfragt, ob es das teure Medikament bezahlt bekommt, lehnt diese ab. Die Wirkung des Medikaments sei bei dieser Krankheitsform noch zu unerforscht, argumentiert die Kasse.

Was Karl-Heinz Krause bis heute nicht versteht: „Wenn ich Multiple Sklerose hätte, dann würde die Kasse das Präparat übernehmen, aber bei einer Spastik tut sie das nicht. Es ist doch fast dieselbe Krankheit und trotzdem wird da ein Unterschied gemacht.“

Schützenhilfe von der Anwältin

Ein Bekannter hatte Sandra Glitza, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Sozialrecht und Medizinrecht in Bad Nenndorf, auf den Fall aufmerksam gemacht. Die Expertin bot dem 71-Jährigen ihre Hilfe an. Einige Monate vergingen, in denen ein reger Schriftwechsel zwischen der Krankenversicherung und der Anwältin stattfand. Sonja Krause hat alle Briefe aufgehoben. Sie füllen heute eine dicke Mappe. Auf Drängen von Rechtsanwältin Glitza erlaubte die Kasse schließlich einen „individuellen Heilversuch“. Drei Monate bekam Krause „Sativex“ von seiner Krankenkasse bezahlt. Ein Arzt sollte während dieser Zeit den Gesundheitszustand des Bückeburgers beobachten.

Die Überraschung: „Am Ende des Heilversuches hat der Medizinische Dienst die Erprobung bewertet und ist in einer Einzelfallentscheidung zu dem Schluss gekommen, dass ich das Spray auch in Zukunft bezahlt bekomme“, erklärt Krause mit einem stolzen Lächeln. Karl-Heinz Krause ist glücklich darüber. „Ich hätte nicht gedacht, dass es doch noch klappt.“ Ohne die Fachanwältin für Medizinrecht hätte er es aber nicht geschafft, da ist sich der Senior sicher. Seit vergangenem Jahr nimmt der Senior nun das Medikament. „Mit Sativex geht es mir deutlich besser. Schon wenige Sprühstoße reichen aus, bringen Erleichterung.“ leo

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