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Chefin der Engel mit Zöpfen

100. Geburtstag von Edith Möller Chefin der Engel mit Zöpfen

Heute, am 7. Oktober, würde Edith Möller ihren 100. Geburtstag feiern: die Gründerin und Leiterin der Schaumburger Märchensänger.

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Geleitet von Edith Möller, erobern die Märchensänger die Herzen der Welt im Sturm.

Quelle: pr

BÜCKEBURG. Doch wer war Edith Möller? Was hat sie getan, dass wir uns ihrer erinnern?

Möller, ihr Leben und ihr Werk, sind faszinierend und einmalig. Es ist geprägt von einer hervorragenden Lebensleistung und einem märchenhaften Erfolg, der weltweit seinesgleichen sucht. Als Gründerin und Leiterin des Chores Schaumburger Märchensänger gelang es ihr, sich mit ihrem Chor an die musikalische Weltspitze heranzuarbeiten und 20 Jahre lang zu behaupten. Und das ohne „Tradition“, aus eigener Kraft und Genialität, durch Natürlichkeit und Fröhlichkeit, soziales Engagement und musikalischer Begabung.

Am 7. Oktober 1916 wurde Möller als zweites Kind in Gelsenkirchen geboren. Die Mutter Anna, geborene Wehling, stammte aus Minden, Vater Wilhelm Möller aus dem Schaumburgischen.

Schnell war klar, dass der Bruder Friedrich-Wilhelm und sie selbst musikalisch hoch begabt waren. Doch aus finanziellen Gründen durfte nur der fünf Jahre ältere Friedrich-Wilhelm Musik studieren. Ediths Weg entsprach ihrem zweitem sehr ausgeprägtem Wesen: Sie erlernte den Beruf der Fürsorgerin. Über mehrere Stationen und Aufgaben in Kinderheimen übernahm sie 1943 – 26 Jahre alt – ein Heim in Bad Nenndorf für Binnenschifffahrtskinder.

Dort lernte Möller ihre künftige Partnerin Erna Pielsticker kennen, die als Praktikantin dem Nenndorfer Kinderheim zugewiesen worden war. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchsen im Nu eine lebenslange Freundschaft und eine kongeniale Partnerschaft.

Nach dem Ende des Weltkrieges musste Edith Möller mehrmals mit ihrem Heim umziehen; erst 1947 konnten alle Kinder in anderen Heimen unterkommen. Nun musste eine neue Tätigkeit her, und Möller arbeitete in der Betreuung der Flüchtlingskinder in Obernkirchen – Pielsticker in ähnlicher Mission. Beide suchten sich in Liekwegen und später in Obernkirchen eine Bleibe. Sehr schnell wurde Möllers Arbeit immer „musikalischer“. Angefeuert durch ihren Bruder Friedrich-Wilhelm, der als Musiker des Marine-Korps schnell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden und ebenfalls nach Obernkirchen gezogen war. Es wurde gesungen, musiziert und komponiert – die meisten deutschen Lieder waren damals noch verboten. Der Bruder spielte in Orchestern in Norddeutschland und Edith Möller wirkte singend mit.

Im Februar 1949 gab es das erste öffentliche Konzert

Im Herbst 1948 wurde der Chor „Obernkirchener Stadtmusikanten“ gegründet, im Februar gab es das erste öffentliche Konzert im „Deutschen Haus“ der Bergstadt. Dazu wurden mehrtägige Fahrten organisiert, was damals ein Novum darstellte. 1950 erschien der NWDR Rundfunk in Obernkirchen, der den Chor im Deutschen Fernsehen aufzeichnen wollte. Was folgte? Die Einladung nach England. Es ist nicht klar, ob die Schaumburger Märchensänger (inzwischen umgetauft) die erste deutsche Jugendgruppe in England nach dem Kriege war – jedenfalls wurde es ein fantastischer Erfolg mit Konzerten in Ipswich, Felixtowe, Cambridge und London. Die englische Presse und das Radio überschlugen sich. Vor allem Möllers Leistungen und ihr lauterer Charakter wurden über alles hoch gelobt.

Anfang 1953 war es Möller klar, dass die Chorarbeit finanziell nicht mehr tragbar war und die Möglichkeiten drastisch reduziert werden mussten. Und so sollte der Chor nach der letzten geplanten Fahrt im Sommer aufgelöst werden. Es kam anders.

Der Erfolg der ersten England-Fahrt wiederholte sich in vielen Konzerten. Der Höhepunkt wurde der Chorwettbewerb International Musical Eisteddfod in Llangollen. Möller, exzellent vorbereitet, gewann. Die Schaumburger Märchensänger ersangen nicht nur einen ersten Preis, sondern auch die Herzen aller Teilnehmer und Besucher. Der Dichter Dylan Thomas, der als Moderator durch die Wettbewerbe führte, taufte die Chormädchen „Engel in Zöpfen“. Der Erfolg und die Begeisterung waren unermesslich. Die Reise musste verlängert werden, denn eine Anzahl von Konzerten in Rugby, Birmingham und Coventry waren die Folge.

Allgemein wird dieser Wettbewerb als Wendepunkt für die Märchensänger bezeichnet, zumal durch Zufall singend auf einer der Festivalwiesen ein Welthit geboren wurde. Die BBC zeichnete das Lied von Friedrich-Wilhelm Möller auf, und binnen drei Tagen kannte und liebte die gesamte englischsprachige (und später die ganze) Welt den in deutsch gesungenen „Fröhlichen Wanderer“. Llangollen war allerdings nicht der Wendepunkt, höchstens in populärem Sinne. Erst 1954 starteten die Märchensänger richtig durch.

Von der Auflösung des Chores war keine Rede mehr, im Gegenteil. Auf Möllers Genialität vertrauend, fuhr Pielsticker im Herbst 1953 nach London und machte bei der bedeutendsten englischen Konzertagentur ihre Aufwartung und bot den Chor Schaumburger Märchensänger feil. Es klappte: Eine zweiwöchige Konzerttour durch Südengland kam zustande.

Mit Begeisterung und Leichtigkeit

Und was für eine! Gespickt voll mit Konzerten, jeden Abend, einschließlich der Royal Festival Hall in London (ausverkauft – wie alle Konzerthallen), vormittäglichen Studio-, Schallplatten-, Radio- und Fernsehaufnahmen – eine Prüfung auf Herz und Nieren. Doch der junge, eigentlich immer noch völlig unbekannte Chor, eroberte England im Sturm.

Die Chorkinder schafften diese Leistung dank ihrer begeisternden Leitung mit Leichtigkeit und wären am liebsten immer weiter gereist. Im Herbst ging es mit der größten Künstleragentur, Columbia Artist Management, sechs Wochen nach Amerika.

Der Erfolg war phänomenal! Mit einem Charterflugzeug ging es via Hannover, mit einer Niedrigschleife über Obernkirchen, nach New York – in eine völlig fremde Welt. Soweit bekannt, war nur ein wagemutiges Konzert in der damals wichtigsten Konzerthalle der Town Hall in New York geplant, doch fünf weitere wurden angesetzt.

Die wichtigsten Fernsehshows rissen sich um den Chor, Paparazzi standen den Kindern ständig auf den Hacken und Columbia war hingerissen. 13 weitere drei- bis viermonatige Tourneen sowie andere Reisen nach Fern- und Nahost, Südafrika und Südamerika und in Europas sollten bis 1976 noch folgen. Möller hatte es geschafft. Die Schaumburger Märchensänger eroberten die professionelle, chorische Weltbühne und verteidigten diesen Platz bis zu Edith Möllers Tode am 10. Juli 1975.

Termin:

In einem öffentlichen Vortrag, am Sonnabend, 5. November, wird im Edith-Möller-Haus (Musikschule Schaumburger Märchensänger) an der Georgstraße in Bückeburg alles erzählt – begleitet von Bildern, Aufnahmen und Livemusik. Beginn der Veranstaltung ist um 15.15 Uhr – der Eintritt ist frei.

Von Wolfgang Wicklein

 

 

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