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Bückeburg Stadt Großbrand an Obertorstraße: eine Person mit Rauchgasvergiftung im Krankenhaus
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Großbrand an Obertorstraße: eine Person mit Rauchgasvergiftung im Krankenhaus
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00:21 07.02.2019
Quelle: Fabian Hahn
Bückeburg

Als Oliver Liese am Montagmorgen kurz nach 6 Uhr als einer der ersten Feuerwehrleute an der Obertorstraße eintrifft, schlagen schon drei bis vier Meter hohe Flammen aus dem Dachstuhl eines im Jahr 1840 erbauten Mehrfamilienhauses. Sechs Bewohner sind zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Haus geflüchtet. Ein pflegebedürftiger Mann liegt allerdings noch in seinem Bett – er kann sich nicht aus dem brennenden Haus retten.

Feuerwehrleute, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet haben, gehen sofort in die Erdgeschosswohnung. Die Helfer heben den Mann aus seinem Bett, setzen ihn in einen Rollstuhl, bringen ihn in Sicherheit und geben ihn in die Obhut des Roten Kreuzes. Die Rettungsassistenten müssen wenig später zwei weitere Bewohner untersuchen. „Sie haben eine Rauchgasvergiftung erlitten“, sagt Hauptkommissar Matthias Auer. Mit Rettungswagen wurden sie ins Klinikum Schaumburg nach Vehlen gebracht. „Die pflegebedürftige Person wurde in ein Heim gebracht. Die restlichen Bewohner sind in einem anderen Haus des Vermieters untergekommen“, erzählt Einsatzleiter Oliver Liese.

Rauch steigt auf, wabert durch die Straßen. Über Rundfunk werden Anwohner gewarnt und aufgefordert, Fenster und Türen zu schließen. Der stellvertretende Stadtbrandmeister Liese lässt zweimal Kräfte nachalarmieren, insgesamt 120 Helfer. Freiwillige aus Bückeburg, Bergdorf, Müsingen, Scheie, Meinsen-Warber-Achum und Rusbend fahren zur Obertorstraße. Auch aus Rinteln und Stadthagen kommt Hilfe. Feuerwehrleute fahren mit einer Drehleiter und einer Hubrettungsbühne nach Bückeburg.

Während Atemschutz-Trupps das Feuer im Gebäude bekämpfen und nach weiteren Bewohnern suchen, nehmen andere Feuerwehrleute draußen den Brand von zwei Drehleitern und einer Hubrettungsbühne in die Zange. Einsatzleiter Liese schätzt, dass in dem Haus am Anfang Temperaturen von 1000 Grad Celsius geherrscht hätten. Zwischenzeitlich habe die Gefahr bestanden, dass das Feuer auf Nachbarhäuser übergreife. Die Gebäude stehen sehr eng nebeneinander. „Durch den schnellen Angriff von mehreren Seiten konnten wir zum Glück ein Übergreifen der Flammen verhindern“, sagt Liese.

Bis zum Mittag sind die Bückeburger Feuerwehrleute im Einsatz. Unterstützt werden sie auch von Einsatzkräften der Kreisfeuerwehr, die unter anderem mit einem unbemannten Flugobjekt angerückt ist. „Die Drohne hat eine Wärmebildkamera. Damit können wir aus der Luft nach Glutnestern suchen“, sagt Liese.

Die Obertorstraße, die Scheier Straße und die Ulmenallee müssen für mehrere Stunden voll gesperrt werden. „Es kam zu starken Beeinträchtigungen im Verkehr. Busse konnten nicht mehr alle Haltestellen anfahren“, sagt Auer.
Im Busverkehr kommt es auch heute weiterhin zu Behinderungen. „Die Omnibusse der Linien 2428, 2004, 2026 und die Bad Eilsener Kleinbahn haben aber nur wenige Minuten Verspätung – die Busfahrer müssen jetzt Umwege fahren“, sagt Andreas Bellersen, Disponent bei Rottmann und Spannuth Omnibusverkehre. Immerhin würden aber alle Haltestellen wieder angefahren. Auch die Grundschule Am Harrl würde von den Schulbussen ohne Probleme angefahren, teilte Thomas Liepa, Sachbearbeiter bei den Schaumburger Verkehrsbetrieben, auf Anfrage mit.

Markante Kuppel komplett zerstört

Das 178 Jahre alte Haus sei mit einer besonderen, aus Eichenholz gefertigten Konstruktion versehen gewesen, heißt es vonseiten der Polizei. „Auf dem Dachstuhl war zudem eine markante Kuppel mit Wetterfahne angebracht“, berichtet Auer. „Sie ist durch das Feuer komplett zerstört worden.“

Brandermittler suchen nach der Ursache für das Feuer, das im Dachstuhl ausgebrochen sein soll. Die Polizei hat den Brandort beschlagnahmt. Das Mehrfamilienhaus ist nicht mehr bewohnbar.
Die Obertorstraße bleibt nach Angaben der Polizei mindestens bis heute Vormittag voll gesperrt. Noch ist unklar, wie lange die Sperrung genau andauern wird. „Es kann sein, dass die Obertorstraße bis Ende der Woche nicht befahren werden kann“, sagt Auer. Die Lehmschlagdecken hätten sich mit Löschwasser vollgesaugt. Statiker sollen das Brandhaus inspizieren. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass Teile einstürzen können“, so Auer.
Am Montagnachmittag rückt eine Spezialfirma an. Von einer Hebebühne aus versuchen Arbeiter, das Dach zu sichern.

Von Leonhard Behmann und Fabian Hahn