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Bückeburg Stadt Das Tagebuch der Anna Hüting
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Das Tagebuch der Anna Hüting
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00:21 11.11.2017
Praktikum im Museum: Hilke Hecht hat das Tagebuch von Anna Hüting ausgewertet. Auf dem alten Foto ist eine Ehrenpforte zu sehen, die anlässlich eines Kaiserbesuchs in Bückeburg errichtet wurde. Tagebuchschreiberin Anna war begeistert. Quelle: kk
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Bückeburg

Manfred Würfel vom Museum war nach dem ersten Durchblättern schnell klar, wie interessant die Auswertung des in feinster Sütterlinschrift verfassten schmalen Bändchens wäre. Doch wie so häufig war auch klar, dass der Schatz wohl erst einmal ungehoben bleiben würde – ganz einfach, weil für aufwendige Hintergrund-Recherchen die personellen Ressourcen im Museum an der Langen Straße fehlen.

 Da kam Hilke Hecht wie gerufen. Die Geschichtsstudentin absolvierte vor Kurzem wie berichtet ein sechswöchiges Praktikum im Museum. Sie knöpfte sich das Tagebuch vor – und stieß auf so viele spannende Details, dass fast die gesamte Lebenswelt eines Teenagers, damals hätte man wohl von „Backfisch“ gesprochen, des ausgehenden 19. Jahrhunderts lebendig wird. Schule, Familie, Freizeitgestaltung, Schwärmereien: Anna Hüting vertraute ihrem Tagebuch viele Details an, die sich auch heute noch spannend lesen – nicht nur für Heimatkundler. So war die 16-Jährige ganz aus dem Häuschen, als ein absoluter „Star“ in Bückeburg vorbeischaute: Kaiserbesuch!

 

Bevor sie ins Leben der in gut bürgerlichem Umfeld an der Bahnhofstraße aufgewachsenen Anna eintauchen konnte, musste Hilke Hecht erst einmal ein ganz praktisches Problem lösen: Sie musste sich in die Sütterlinschrift einlesen und den Text übertragen. Dabei stieß sie auf viele Eintragungen, die zu weiteren Nachforschungen anregten.

 Nanu – da ist im Tagebauch von einem Besuch in „Judenhagen“ die Rede. Der Ort ist auf keiner noch so alten Flurkarte verzeichnet. Kann er auch gar nicht: Recherchen ergaben nämlich, dass damals der Wirt einer Gaststätte an der Langen Straße so hieß. Und was meint Anna nur damit, wenn sie schreibt „ich schlittete“? Die Zeiten ändern sich, der Sprachgebrauch auch: Heute würde man von Schlittenfahren sprechen. Und was kam im Haus des Zimmermanns August Hüting, der unter anderem für das Fürstenhaus am Palais gearbeitet hat, auf den Tisch, wenn „Pures“ serviert wurde? Wahrscheinlich handelte es sich um Tatar oder Mett ...

 Museum freut sichüber alte Dokumente

 Immer neue Namen und Details tauchten auf, die sich mit der Stadtgeschichte verbinden ließen. Für Manfred Würfel ist das Tagebuch deshalb eine wahre Fundgrube, die sich mit Dokumenten, Fotografien und anderen Ausstellungsstücken aus dem Fundus des Museums verknüpfen lässt. Daher wird nun für das kommende Jahr sogar eine Ausstellung rund um das Tagebuch vorbereitet. Hilke Hecht ist so begeistert, dass sie gerne auch über ihr Praktikum hinaus daran mitarbeiten möchte – und vielleicht hat sie ja auch schon ein Thema für ihre Bachelorarbeit gefunden.

 Und für Manfred Würfel hat sich wieder einmal bestätigt, was schon die Erfahrungen vergangener Jahre immer wieder gezeigt haben: Praktikanten sind im Museum gern gesehene (und äußerst hilfreiche) Gäste. Und: Es lohnt sich, ans Bückeburger Museum zu denken, bevor man alte Dokumente oder Fotoalben entsorgt. kk

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