Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Das Ziel: Angstfrei durch die Nacht

Bückeburg / Streetworker Das Ziel: Angstfrei durch die Nacht

Seit fast zwei Jahren eskaliert in der Ex-Residenz der Konflikt zwischen rechts- und linksextremistischen Jugendlichen. Höchste Zeit, die verfeindeten Lager zu befrieden oder zumindest für eine Deeskalation zu sorgen. Derjenige, der von der Stadt Bückeburg ab sofort mit dieser Aufgabe betraut ist, heißt Felix Jauer.

Voriger Artikel
Erneutes Heimspiel
Nächster Artikel
Tenorsaxofon statt Gambe

Ein Bild mit Symbolkraft: Streetworker Felix Jauer (Mitte), dessen Dienstwagen ein alter Feuerwehrbulli ist, soll die rechts- und linksextremistischen Brandherde in der Stadt löschen helfen. Bürgermeister Reiner Brombach (links) und Stadtjugendpfleger Stefan Reinecke sagen dem 33-jährigen Bielefelder jegliche Hilfe zu.

Quelle: tw

Bückeburg. Der 33-jährige diplomierte Sozialarbeiter soll als „Streetworker“ vor allem anderen eines erreichen: „Dass sich ,normale‘ Jugendliche bei Dunkelheit wieder auf die Straße trauen, ohne befürchten zu müssen, Opfer von extremistischer Gewalt zu werden“, sagt Reiner Brombach. Der Bürgermeister will Neonazis wie Antifa-Anhänger über die Person Jauers außerdem dazu bringen, „dass sie den Dialog mit der Stadt wieder aufnehmen“.

Stelle ist zunächst bis Mitte 2015 befristet

 Der Sozialarbeiter, der in seiner Freizeit gerne Fußball spielt und joggt, wurde in Bielefeld geboren und lebt dort. Seine Diplomarbeit hat er an der dortigen Uni über Rechtsextremismus geschrieben. Sein Anerkennungsjahr absolvierte Jauer an der „Laborschule“, einer staatlichen Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1974 nach den Vorstellungen und unter der Leitung des Pädagogen Hartmut von Hentig gegründet und hat den Auftrag, neue Formen des Lehrens und Lernens und des Zusammenlebens in der Schule zu entwickeln und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach der Zeit an der „Laborschule“ war Jauer als Schulsozialarbeiter an einer Hauptschule tätig. Zuletzt machte er eine zweite Ausbildung als Zimmerergeselle.

 Brombach: „Die – halbe – Stelle von Herrn Jauer (19,5 Wochenstunden) ist zunächst bis Mitte des Jahres 2015 befristet. Danach sehen wir dann weiter.“ Seine Arbeitszeiten soll der Streetworker in eigener Regie organisieren. Die Finanzierung seiner Stelle teilen sich die Stadt und der Landkreis Schaumburg in etwa zur Hälfte.

 „Ich habe in den zurückliegenden sechs Wochen bereits Kontakte zu Polizei, Schulen, Bündnis für Familien, Jugendpflege, ,Alle unter einem Dach‘ und Awo geknüpft, baue gerade ein Netzwerk auf“, berichtet Jauer, der sich in Kürze noch mit der Musikerinitiative „United Noise“ verabreden will. Auch erste – gute – Gespräche mit Jugendlichen aus dem extremistischen Milieu habe es gegeben – nicht zuletzt im Nachgang eines Gerichtsverfahrens.

 Dabei wird die Arbeit des Streetworkers durch die harte Null-Toleranz-Linie, die die Polizei seit Wochen gegenüber den Randgruppen fährt, zugleich erleichtert und erschwert. Erleichtert, „weil nach Auskunft der Polizei derzeit in Bückeburg so gut wie keine Neonazis mehr leben“, wie Brombach erfahren hat. Erschwert, weil die Stadt offenbar zu einem Treffpunkt von Rechtsextremisten aus dem Raum Ostwestfalen respektive Hannover geworden ist – „und die sind vor Ort natürlich schwer zu greifen“, wie Stadtjugendpfleger Stefan Reinecke weiß. Dabei endet der Aktionsradius des Streetworkers keineswegs an der Stadtgrenze: Jauer, der über einen alten, knallroten, früheren Feuerwehrbulli Baujahr 1982 als „Dienstwagen“ verfügt, ist damit ebenso im Raum Obernkirchen und Eilsen unterwegs.

 „Ein wichtiger Aspekt der Arbeit des Streetworkers ist es, Jugendliche davor zu bewahren, in eine der extremistischen Szenen abzugleiten“, sagt Reinecke. Erreicht werden soll das nicht zuletzt, indem ihnen Angebote im Ausbildungsbereich, aber auch in Sportvereinen gezeigt werden.

Erfolg gilt als schwierig zu bewerten

 Zwar gilt der Erfolg der Arbeit eines Streetworkers allgemein als schwierig zu bewerten, doch der Bürgermeister gibt vor, wo in etwa die Messlatte hängt: „Keine oder zumindest deutlich weniger Schlägereien und in der Folge dann auch keine oder deutlich weniger Gerichtsprozesse.“

 Zur Erinnerung: Eigentlich hatte sich noch im Juli, also vor etwa vier Monaten, ein Streetworker um den Rechts-links-Konflikt auf Bückeburgs Straßen kümmern sollen. Daraus war allerdings nichts geworden. Die ausgewählte Bewerberin hatte kurzfristig abgesagt, weil sie eine andere Stelle antreten konnte. Das Auswahlverfahren musste daher nochmals komplett neu gestartet werden. „Im Nachhinein“, so Brombach mit Blick auf Jauer, „ist es aber gut, dass wir so lange gewartet haben.“

 Felix Jauer ist via E-Mail zu erreichen unter der Adresse streetworker@bueckeburg.de. tw

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg