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Das hat Groove

„Luthers Jazz Revival“ Das hat Groove

Luther und Jazz? Das soll zusammenpassen? So mag der eine oder andere Konzertbesucher in der Stadtkirche Bückeburg gedacht haben, bevor er am Wochenende Armin Becker mit seinem Programm „Luthers Jazz Revival“ erlebt hatte. Denn das, was der Münchener da aus den Tasten holte, klang tatsächlich nach Jazz.

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Armin Becker hat den Groove.

Quelle: mig

BÜCKEBURG. Wobei ein schönes Orgelvorspiel ja ohnehin immer zu einem gewissen Teil improvisiert sein sollte. Nur das diesmal tatsächlich auch „Instrumente“ zu hören waren, die es eigentlich erst im 20. Jahrhundert geben sollte. Ein Saxofon beispielsweise – oder besser gesagt, ein Register, das sich wie ein Saxofon anhörte. Was bei dieser „Orgelmusik zur Einkehr“ deutlich geworden ist: Die Janke-Orgel ist ein vielseitiges Instrument. „So eine Orgel haben wir in ganz München nicht. Und in den umliegenden Dörfern gibt es höchstens einmal Orgeln mit einem kaputten Manual“, so Becker.

Dass das „Crossover“ von Jazz und Choral so gut funktioniert, ist aber kaum verwunderlich. Einmal, weil der Jazz auf ein überwiegend europäisches Tonsystem sowie eine europäische Harmonik und Melodik zurückgreift. Zum anderen, weil einige der Instrumente (Blasinstrumente, Klavier) ohne Schwierigkeiten von der Orgel imitiert werden können.

Inbrünstige Töne

Wie gut das funktioniert, war schon beim ersten Stück zu hören, einem Choralvorspiel BWV 667 von Johann Sebastian Bach („Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“, Text: Martin Luther). Ein herrliches Stück, das dem Organisten viele Möglichkeiten lässt. Mal eher zurückhaltend, dann wieder voller Inbrunst brausen die Töne durch das hohe Kirchenschiff.

Wie viel Freude Becker hatte, wurde spätestens beim nächsten Stück klar. Beim improvisierten Trio aus op. 20 von Ernst Friedrich Richter über „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (Text: Martin Luther) war der Seelenschmerz deutlich zu spüren. So wie Becker das spielte, mit den charakteristischen „blue notes“, hatte das etwas Bluesartiges.

Wie tief der Jazz in der europäischen Musiktradition verwurzelt ist, zeigte sich bei den letzten Stücken, einer „Pastorale“ von Siegfried Karg-Elert („Nun freut euch, lieben Christen g’mein“) und dem Choralvorspiel von Bach über „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“. Becker ging die Stücke mit viel Swing an. Überall sah man wippende Füße, danach gab es anhaltenden Beifall. So viel Groove hätte man den alten Chorälen gar nicht zugetraut. mig

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