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00:17 14.02.2016
„De Twasloepers“ in Meinsen-Warber treffen sich einmal im Monat. Quelle: sig
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Meinsen-Warber

Und dabei gibt es auch so Vorträge wie jetzt denjenigen über Wilhelm Mensching.

 In den Reihen dieser Gemeinschaft befinden sich auch jüngere Einwohner. Frauen sind ohnehin gut vertreten. Sie diskutieren auf Platt mit und tragen auch mundartliche Texte vor. Und schließlich konzentriert sich immer wieder ein anderes Mitglied der Gruppe auf ein eigenes Thema. Nach Möglichkeit werden plattdeutsche Beiträge illustriert.

 Im Vorjahr wurden zum Beispiel Vorträge gehalten über das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bei Porta Westfalica und über das Mindener Wasserstraßenkreuz. Beim Februar-Treffen ging es nun um eine Persönlichkeit aus dem Schaumburger Land, die nicht immer die verdiente Wertschätzung erfuhr. Es handelt sich um Pastor Wilhelm Mensching, der für hohe menschliche Werte eintrat und Mut, Charakterstärke, Weitsicht sowie Zivilcourage besaß.

 Horst Deerberg erinnerte an den 1887 in Lauenhagen geborenen Seelsorger. Das Abitur hatte Mensching am Adolfinum gemacht und in Berlin, Kiel, Göttingen und Hamburg Geschichte, Medizin, Sprachen und Theologie studiert. In den Semesterferien half der junge Mann im Krankenhaus Bethel in Bückeburg bei der Pflege der Patienten. Der Leiter des Krankenhauses, Friedrich von Bodelschwingh, schätzte ihn schon damals als geborenen Missionar ein. Nach dem abgeschlossenen Theologiestudium bewarb sich Mensching in der Tat um eine Missionarsstelle im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, Burundi und Ruanda. 1913 folgte ihm seine Verlobte Anna Thielking, eine Pastorentochter. Nach ihrer Ankunft wurde am Viktoriasee geheiratet. Beide leiteten dann die Missionsstation. Auf diese nicht leichte Aufgabe hatten sie sich zuvor gründlich vorbereitet.

 1916 wurde das Ehepaar von belgischen Soldaten als Kriegsgefangene verhaftet. Anna war mit Zwillingen hochschwanger und ihr Mann krank. Beide wurden unmenschlich behandelt. Eines ihrer Kinder kam behindert zur Welt, weil die Soldaten Anna in den Leib getreten hatten.

 Wilhelm Mensching kam nach Indien in englische Gefangenschaft. Seine Frau musste noch zwei Jahre mit ihren Kindern in Afrika bleiben, ohne Kontakt mit ihrem Mann zu haben. Bodelschwingh sorgte dafür, dass Anna und ihre Söhne wieder die Freiheit erlangten und mit ihrem Ehemann beziehungsweise Vater vereint wurden.

 Mensching hatte sich in Indien intensiv mit Mahatma Gandhi und dessen Lehren befasst. Er wurde ihm zum Vorbild. Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde Mensching Pastor in Petzen und blieb es über 32 Jahre hinweg. Sein 1922 geborener Sohn fiel 1944 im Krieg.

 Im gleichen Jahr trat Mensching dem Internationalen Versöhnungsbund bei. Das war damals die größte christliche Friedensorganisation. Zehn Jahre später wurde der Petzer Chef dieser Gemeinschaft in Deutschland.

 Als die Nazis an die Macht gelangten, gab es für Mensching zunehmend mehr Spannungen wegen seiner pazifistischer Einstellung. Unterstützung fand er auch bei der eigenen Landeskirche nicht. Zuerst wurde der Versöhnungsbund verboten, dann wurde Menschings Reisepass eingezogen. Die Gestapo besuchte angeblich das Pastorenhaus öfter.

 Vermutlich haben der Bürgermeister, der Gendarm und viele andere Gemeindemitglieder verhindert, dass ihr Seelsorger verhaftet wurde. Zugeteilte Zwangsarbeiterinnen saßen beim Pastor mit am Tisch. Ein junger Russe wurde versteckt. Mensching bewahrte auch ein Jüdin vor den NS-Schergen. Auf Antrag der Geschichtswerkstatt der Bückeburger Herderschule bekam Mensching in Yad Vashem in Israel den Titel „Gerechter unter den Völkern“ zuerkannt.

 Nach dem Krieg entstand auf dem Weinberg das von Mensching geleitete Internationale Freundschaftsheim. 1962 verlieh die Jenaer Universität Mensching den theologischen Doktortitel. Mensching starb 1964.

sig

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