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Bückeburg Stadt Debatte zu Digitalpakt
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18:54 01.03.2019
Diskutieren über Digitalisierung der Bildung: Marja-Liisa Völlers (von rechts.), Herbert Jancke, Ulrich Schmid und André Sawade. Quelle: wk
Bückeburg

Insgesamt fünf Milliarden Euro will der Bund im Rahmen eines „DigitalPaktes Schule“ zur Verfügung stellen, um die Digitalisierung der Bildung voranzubringen. Allerdings muss der Bundesrat der dafür erforderlichen Grundgesetzänderung noch zustimmen. Nickt der Bundesrat das Vorhaben mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit ab, könnten laut Bundesministerium für Bildung und Forschung „die ersten Schulen noch in diesem Jahr mit ihren Investitionsmaßnahmen beginnen“.

Vor diesem Hintergrund hat das Landesbüro Niedersachsen der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Infoveranstaltung in den Festsaal des Schlosses eingeladen. Auf dem Programm standen ein Vortrag sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Digitalisierung der Bildung – Schule auf dem Weg ins digitale Zeitalter“.

„Die digitale Bildung ist eine wichtige Grundlage zum Gelingen des digitalen Wandels“, der inzwischen auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, erklärte die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers. Und die fünf Milliarden Euro aus dem „DigitalPakt“ seien „ein guter Batzen Geld, mit dem man arbeiten kann“.

Anschließend stellte Ulrich Schmid, Geschäftsführer der MMB Institut – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH aus Essen, die Ergebnisse einer Studie vor, die dieses Unternehmen für die Bertelsmann Stiftung erstellt hat. Dazu waren insgesamt „304 repräsentativ ausgewählte Schulen“, 542 Lehrkräfte, 242 Schulleiter und 30 „regionale Entscheider“ zu unterschiedlichen Aspekten der Digitalisierung der Bildungsbereiche befragt worden. 70 Prozent der Lehrer und Schulleiter fänden, dass digitale Medien die Attraktivität ihrer Schule steigern, aber nur acht Prozent der Schulleiter mäßen der Digitalisierung eine hohe strategische Bedeutung zu, berichtete Schmid unter anderem. Aber: „Nur 15 Prozent der Lehrer halten sich für fit in dem Bereich.“ Zudem gebe es eine „große Skepsis“ über den Nutzen digitaler Medien. So glaubten nur jeder vierte Lehrer und nur jeder fünfte Schulleiter, dass digitale Medien den Lernerfolg ihrer Schüler verbessern würden.

Zudem berichtete Schmid, dass die „pädagogische Situation“ davon ausgehe, dass sich das Lernen „massiv verändern“ werde. Exemplarisch nannte er in diesem Kontext die neuen Technologien Augmented Reality und Virtual Realitiy, die „immense Lernerfahrungen“ ermöglichten, da diese ganz andere kognitive Bereiche ansprächen. „Das ist eine ganz neue Dimension und viel wirkungsvoller“, betonte Schmid. Ferner erwähnte er die Künstliche Intelligenz von Computern, die neue Interaktionsformen erlaube und Daten auswertbar mache, „die uns vorher nicht zur Verfügung standen“. Das Hauptproblem sei jedoch, dass die Digitalisierung in den Schulen „on top“ (obenauf) komme. Denn die Schulen hätten schon jetzt viele Probleme zu meistern, so etwa die Inklusion, die Gewalt mancher Schüler und den Lehrermangel.

Anschließend diskutierten Völlers und Schmid mit André Sawade (Rektor des Rintelner Gymnasiums Ernestinum) und Herbert Jancke (Verein Landesinitiative n-21: Schulen in Niedersachsen online) über das Gehörte. Dabei hob Sawade hervor, dass es in Zeiten von Fake-News nicht ausreiche, nur zu wissen, „wo etwas steht“. Vielmehr müsse man sich Wissen nach wie vor in der Schule „kumulativ aneignen“, um etwa politische Entscheidungen und Wirtschaftstheorien verstehen zu können.

Völlers: Nicht überschätzen

Jancke erklärte, das Lernen mit digitalen Geräten müsse sich in allen Schulfächern niederschlagen. Dabei könnten Texte mit Audios und Videos ergänzt werden – sowie über das Web „tatsächliche Experimente“ durchgeführt werden. Auch sei es mittels spezieller Computerprogramme möglich, dass jeder Schüler in seinem persönlichen Tempo lerne.

Völlers schränkte ein, „dass wir das Ganze nicht überschätzen dürfen“. Denn digitale Medien ersetzten nicht die eigene Lernleistung, die jeder Schüler erbringen müsse. Jedoch biete die Digitalisierung viele Möglichkeiten, das individualisierte Lernen zu unterstützen.

Das Schlusswort sprach der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne: Man müsse „sehr dringend und sehr schnell“ auf den Weg des digitalen Lernens gehen. Denn: „Der DigitalPakt wird Niedersachsens Schulen deutlich voranbringen.“ Allerdings sei das Lernen mit digitalen Medien ein Prozess, bei dem man die Menschen mitnehmen müsse.