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„Dein Vater ist kein Bürgermeister mehr“

70. Todestag von Karl Wiehe „Dein Vater ist kein Bürgermeister mehr“

Als am 25. Juni 1935 die siebenjährige Marie-Luise Wiehe mittags von der Schule heimkehrt, wundert sie sich, dass ihr Vater im Garten arbeitet, statt im Rathaus zu sein. Der Grund: „Dein Vater ist kein Bürgermeister mehr.“ Karl Wiehe, der sich gegen die Nazis stellte, starb vor 70 Jahren.

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Heute ist der 70. Todestag des ehemaligen Bürgermeister Karl Wiehe.

Quelle: Archiv

BÜCKEBURG. Rückblick: Der 1882 in Braunschweig geborene Karl Wiehe wird im Alter von 30 Jahren zum Bürgermeister der Residenzstadt Bückeburg gewählt, wozu er die damals noch übliche „höchstlandesherrliche Bestätigung“ des Fürstenhauses von Schaumburg-Lippe erhielt. Kraft seines Amtes war der Protestant Wiehe durch eine bereits 1893 erlassene fürstliche Verordnung außerdem Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Zusammen mit Ehefrau Margarete und den sechs Kindern lebte Karl Wiehe in der Adolfstraße 2 in Bückeburg.

 Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, beließen es sowohl Fürst Adolf als auch Karl Wiehe nicht bei patriotischen Reden, sondern meldeten sich zum Fronteinsatz. Das Ende des Krieges bedeutete auch die Auflösung der Monarchie. Doch Wiehe behielt sein Amt und führte die Bückeburger – zunächst in einem Arbeiter- und Soldatenrat, dann auch nach der Revolution – souverän durch die Weimarer Republik. Zwischen 1925 und 1930 gehörte Wiehe zusätzlich dem Schaumburg-Lippischen Landtag an und 1926/27 als Staatsrat sogar der Landesregierung.

Jüdischen Mitbürgern verpflichtet gefühlt

Wiehe, der der deutsch-nationalen DNVP angehörte, behielt sein Bürgermeisteramt auch nach dem Machtantritt Adolf Hitlers im Januar 1933, obwohl die NSDAP im Stadtrat die meisten Sitze übernahm. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass Wiehe nicht bereit war, die antisemitische Weltanschauung der Nazis mitzutragen. Als Bürgermeister fühlte er sich auch den jüdischen Mitbürgern gegenüber verpflichtet und distanzierte sich von den antisemitischen Taten der Nazis. Dies erforderte viel Mut, denn die judenfeindliche Stimmung hatte sich schon sehr stark ausgebreitet. Wiehes Handlungsspielraum wurde jedoch immer enger, zumal viele seiner Parteifreunde die Politik der Nationalsozialisten unterstützten.

 Der Chefredakteur der NS-Zeitung „Die Schaumburg“, Adolf Manns, sorgte durch seine Hetzartikel gegen die Juden für eine stark angeheizte antijüdische Stimmung in Bückeburg. Als die Ehefrau Wiehes 1935 weiterhin in jüdischen Kaufhäusern einkaufte, leitete Manns durch einpeitschende Zeitungsartikel den Sturz Wiehes ein. Am 25. Juni 1935 wurde er mit sofortiger Wirkung beurlaubt und zum 1. April 1936 in den endgültigen Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger, der Antisemit Albert Friehe, engte den Spielraum der Juden der Stadt immer weiter ein, bis sie verzweifelt auswanderten oder den Weg in die Konzentrationslager antreten mussten.

 Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bekamen die Wiehes die gesellschaftliche Ächtung stark zu spüren. Nach Kriegsende 1945 war es für Karl Wiehe sicherlich nur eine kleine Genugtuung, als die Amerikaner ihn für kurze Zeit wieder als Bürgermeister und zusätzlich als Landrat einsetzten. Nach schwerer Krankheit verstarb Wiehe am 4. August 1947 im Alter von 65 Jahren. Ein schlichtes Kreuz „Familie Wiehe“ schmückt sein Grab auf einem Bückeburger Friedhof. Von Klaus Maiwald

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