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„Den Zahlen wieder Namen geben“

Bückeburg „Den Zahlen wieder Namen geben“

Wer waren eigentlich die vielen Toten des Krieges? Woher kamen sie, und wo starben sie? Fragen, die bundesweit nur selten untersucht worden sind. Wie lohnend das sein kann, hat ein Vortrag der Reihe „Schaumburg und der Erste Weltkrieg“ im Staatsarchiv gezeigt. Professor Karl-Heinz Schneider stellte Ergebnisse eines Projekts vor, das seit eineinhalb Jahren am Historischen Seminar der Universität Hannover läuft.

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Prof. Dr. Karl-Heinz Schneider bei seinem Vortrag.

Quelle: mig

Bückeburg. Wenn über den Ersten Weltkrieg geredet wird, werden meist die ganz großen Fragen verhandelt. Wer hat schuld? Hätte der Krieg verhindert werden können? Wie konnte es so weit kommen? Die Folgen für die Orte und Regionen, die die Kriegs-Teilnehmer stellten, sind bislang nur selten beleuchtet worden.

 Genau an diesem Punkt setzt die Forschung des Historischen Seminars Hannover an. Am Beispiel von Schaumburg (und einer anderen Region) recherchierten die Studierenden, wer in den Krieg gezogen ist und wer wo starb. Als Material dienten Briefe, Einträge im Standesamt und viele weitere Quellen. Eine mühselige Kärrnerarbeit, die sich aber gelohnt hat. Dass es dabei nicht nur um Zahlen und Statistiken geht, machte Schneider schon zu Beginn seines Vortrags (Titel: „Die Schaumburger Toten des Krieges – wer waren sie und wo starben sie?“) klar.

 Er las aus Briefen vor, die Schaumburger Kriegsteilnehmer geschrieben hatten. Etwa von Karl Faudt, der später fallen sollte. „Was ich hier erlebe, kann ich unmöglich schreiben“, schreibt der Mann aus Bückeburg am 23. August 1914. Und am 22. September: „Was ich schon durchgemacht habe, kann ich Euch gar nicht alles erzählen.“ Mitte November erhalten die Eltern die traurige Nachricht: Ihr Sohn sei gefallen. Und: Für seinen tapferen Einsatz habe er das Eiserne Kreuz verliehen bekommen.

 „Wir wollten den Zahlen wieder Namen geben“, erläuterte Schneider ein wichtiges Ziel des Forschungsprojekts. Die Briefe, die er vorgelesen habe, hätten für die Familie einen hohen Stellenwert gehabt. Wie viele Soldaten genau in Schaumburg eingezogen wurden, kann heute niemand mehr sagen. Die preußischen Personalakten seien vernichtet worden, als Ersatz dienten andere Quellen (Verlustlisten/Schulchroniken/Standesamtseinträge). „Das ist ein Puzzlespiel. Die Daten, die wir haben, sind deshalb auch mit Vorsicht zu genießen“, warnte Schneider die Zuhörer. Die meisten Toten in Rinteln und Bückeburg seien im Alter zwischen 21 und 34 gewesen, die höchsten Verluste habe es ganz zu Anfang und ganz am Ende des Krieges gegeben.

 Den bisher erschlossenen Quellen zufolge starben 241 Kriegsteilnehmer aus Rinteln und 148 Kriegsteilnehmer aus Bückeburg. Die Soldaten aus Schaumburg sterben vor allem an der Westfront, aber auch an der Ostfront, es gibt sogar Tote in Griechenland, der Türkei und Rumänien. „Es ist eine breite Streuung im Osten, und es wird auch in der Mitte Deutschlands gestorben, in den Lazaretten.“

 Die meisten Toten gebe es immer dann, wenn die Armeen in Bewegung sind, der Stellungskrieg habe prozentual weniger Opfer gefordert. Eine weitere wichtige Beobachtung, die die Studierenden gemacht haben, betrifft die gesellschaftlichen Schichten der Soldaten, die am Krieg teilgenommen haben. Es gebe die Vorstellung, dass sich vor allem bürgerliche Schichten gemeldet haben. Das stimme nicht, so Schneider. „Es trifft die gesamte Bevölkerung, es ist kein Klassenkrieg, keine Gruppe ist überproportional beteiligt.“

 Eine Frage habe man bisher aber nicht beantworten können: Warum melden sich so viele junge Männer freiwillig? „Wollten sie dabei sein bei dem Abenteuer? Vielleicht gab es auch eine Faszination, die vom Krieg ausging. Es spielen sicher viele Faktoren eine Rolle, der böse Militarismus war aber wohl eher weniger dabei.“ Die Ergebnisse erlauben einen neuen Blick auf die Geschichte des großen Krieges.mig/mig

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