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Der „Minen-Maat“ und die Maria

Ringelnatz-Abend bei "Poetischen Momenten" Der „Minen-Maat“ und die Maria

Mehr als 100 Jahre alt ist die Geschichte, die Liedermacher Wolfgang Rieck zu den „Poetischen Momenten“ in der ehemaligen Landfrauenschule mitgebracht hat. Rieck nimmt sein Publikum mit – auf die Spuren einer lebenslangen Freundschaft und einer unerfüllten Liebe.

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Wolfgang Rieck hat an diesem Abend gleich mehrere Instrumente dabei.

Quelle: mig

Bückeburg. Es sind kleine Perlen wie diese, die dafür sorgen, dass sich die von Frank Suchland verantworteten „Momente“ großer Beliebtheit erfreuen. Wieder einmal sind alle Stühle besetzt, das Publikum gespannt, manch einer weiß gar nicht, wer heute auftreten soll.

 „Ich hab es bestimmt gelesen, aber schon wieder vergessen“, sagt der Gast. Und betont: „Im Grunde ist mir das auch egal. Bisher hat mich der Kulturverein nie enttäuscht.“ Dass dieses große Vertrauen gerechtfertigt ist, zeigt der Auftritt von Liedermacher Rieck. Rieck, der früher selbst zur See gegangen ist, kann sich gut in Joachim Ringelnatz einfühlen – den Dichter und den „Mariner“, der in der Zeit des Ersten Weltkriegs als „Minen-Maat“ dient. Ganz zu Anfang seiner fünfmonatigen Stationierung in Warnemünde hatte Hans Bötticher (so sein richtiger Name) eine Begegnung, die ihn für den Rest seines Lebens prägen würde. Er traf im Zug zwei junge Geigerinnen – die Schwestern Tula und Maria Reemy. Aus diesem kurzen, zufälligen Zusammentreffen entwickelt sich eine Freundschaft, die die Zeitläufte überdauert.

 Rieck hat dieser Freundschaft nachrecherchiert – und bis dato unbekannte Briefe und Dokumente gefunden, die er in seinem Buch „Als Mariner im Krieg“ verarbeitet hat. Aus diesem Buch las Rieck etliche Passagen vor. Wie eng die Beziehung des Trios gewesen sein muss, zeigt ein Traum, den Ringelnatz hatte. Er habe geträumt, dass die beiden Schwestern zu ihm herabgeschwebt seien, um ihn zu fragen, wen er heiraten wolle. „Maria“ habe er geantwortet – was sich später als Problem herausstellt. Denn während Maria („Mucki“) einen Arzt heiratet, ist es Tula, die ganz offensichtlich in ihn verliebt ist. Später wird sie schreiben: „Aber er wollte ja die Mucki und nicht mich.“ Und: „Mit ihm wäre ich barfuß durch die Wüste gegangen.“

 Kurzum: eine typische Dreiecks-Geschichte, leider jedoch ohne ein Happy End. Tula und Ringelnatz heiraten jeweils eine(n) andere(n). Sei es, wie es sei: Die Freundschaft hat all diese Klippen umschifft. Ringelnatz („Dein alter Admiral“) schrieb Tula bis zu seinem frühen Tod und gab ihr ein „transatlantisches Busserl“ (Tula lebte später in Mexiko).

 „In all diesen Briefen schwingt unerfüllte Liebe, Respekt und viel Humor mit“, sagt Rieck, der dieser Freundschaft detektivisch nachgespürt hat: in Archiven und bei den Töchtern der beiden Geigerinnen. Neben der Lesung gab es viel Musik zu hören. Vertonte Gedichte von Ringelnatz und Theodor Kramer („Ich möcht mit Dir Liebste gemeinsam leben“) und sogar einen Shanty. Das Publikum sang gerne mit. mig 

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