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Der Partyszene den Stempel aufgedrückt

"DJ Wutz" geht in Rente Der Partyszene den Stempel aufgedrückt

Wer in den vergangenen rund 30 Jahren rund um Bückeburg eine Disco-Fete, ein Zeltfest oder eine große Saal-Party besucht hat, der kam um ihn nicht herum: Claudius Kohlmann, vielen besser bekannt als „DJ Wutz“, hat seit Mitte der achtziger Jahre unzählige Veranstaltungen mit seiner Musik versorgt.

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DJ Wutz in Aktion, wie man ihn jahrzehntelang kannte und schätzte. Aber jetzt will Claudius Kohlmann den DJ in Rente gehen lassen.

Quelle: jp

Bückeburg. Jetzt will er den DJ-Job an den Nagel hängen. Ob Rosenmontag, Vatertag oder Silvester, ob Rathaussaal, „Minchen“, „Destille“ oder Festzelt, überall stand DJ Wutz bereits am Plattenteller und den Reglern. Doch 32 Jahre Partys am laufenden Band, die für ihn selbst stets harte Arbeit bedeuteten, sind genug: Mit dem Jahr 2017 möchte Kohlmann, der hauptberuflich seit Jahren in der Personalvertretung der Bundesluftwaffe tätig ist, das Kapitel als Discjockey schließen. Nicht nur, weil er mehr Zeit für seine Familie haben will, sondern auch, um endlich auch einmal eine der vielen Partys als normaler Gast auf der Tanzfläche erleben zu können.

1971 in Wolfsburg geboren kam der junge Claudius schon früh durch den Beruf seines Vaters Peter Kohlmann – heute stellvertretender Bürgermeister – nach Bückeburg. Dort besuchte er die Herderschule und absolvierte eine Ausbildung zum Kabeldesigner. Der Startschuss zur DJ-Karriere erfolgte bereits mit fünf Jahren, als er einen kleinen Plattenspieler geschenkt bekam – mit blinkenden Kunststoffleuchten, wie er sich noch heute lebhaft erinnert. „Wirklich Blut geleckt habe ich dann, als ich mit zehn Jahren das erste Mal auf der Geburtstagsfeier meines Vaters Platten aufgelegt habe. Und schon damals hatte ich irgendwie ein Gespür dafür, was die Leute hören wollten.“ Das setzte sich auf diversen Schul- und Klassenfeten fort. Und schon damals hing ihm der Spitzname Wutz an: „Das heißt nämlich wilde Sau, und so hat mich meine Oma bereits genannt, als ich noch ganz klein war.“

Erste eigene Party mit 13 Jahren

Im Mai 1985 war es dann soweit: Mit einer weitgehend selbst zusammengebauten Anlage und drei handgemalten Plakaten – eines für jede Schule – organisierte der damals gerade 13-jährige DJ Wutz seine erste eigene Party. Die Veranstaltung im Saal der „Schönen Aussicht“ in Kleinenbremen kostete 99 Pfennig Eintritt (aus steuerlichen Gründen durfte es nicht mehr als eine Mark sein) und zählte, wie es der Zufall wollte, auch genau 99 zahlende Gäste. Einer davon: der damals ebenfalls noch blutjunge Marinus Kienzl aus Meinsen, Gründer der heute weithin bekannten Firma BDT Music & Light, die damals als „Bulldozer Disco Team“ firmierte. Schon wenige Tage später stand DJ Wutz bei einer der ersten Rathaussaal-Partys von BDT am Plattenteller – der Beginn einer langen, erfolgreichen Zusammenarbeit.

Kaum eine Rosenmontagsparty im Rathaussaal lief ohne ihn – und kaum eine Vati-Party in Rusbend. Er legte im „Pupasch“ in Bückeburg auf, im „Bistro“, im „Minchen“, in der „Destille“, der „Hohensteindiele“ in Barksen und zweimal auch auf einem Kreuzfahrtschiff. Im „Voices“ in Nienburg beschallte er den Tanz-Club, während nebenan im Tekkno-Club ein gewisser Timo Maas für die passenden Beats sorgte. Aber auch zahlreiche Schützenfeste und private Feiern waren dabei. Das größte Publikum erlebte er mit über 8000 Menschen auf dem Stoppelmarkt in Vechta. Und auch an die skurrilste Location, für die er jemals gebucht wurde, kann sich DJ Wutz noch lebhaft erinnern: Das absolut unscheinbare Flachdachgebäude auf einem Industriegelände nahe Bad Nenndorf entpuppte sich nach Betreten als lupenreiner Swinger-Club. „Da hatte ich dann doch etwas Muffensausen.“

Pendeln zwischen Wunstorf und Berlin

Zusammengerechnet dürften rund vier Jahre herauskommen, die Kohlmann als Musiklieferant zugebracht hat. Nun soll’s genug sein mit dem DJ Wutz, auch wenn’s immer noch kribbelt. Aber: „Man muss als DJ in allen Musikgattungen und Stilrichtungen präsent sein und ständig wissen, was läuft und angesagt ist, und das kann ich inzwischen zeitlich einfach nicht mehr leisten.“ Und das nicht nur, weil ihn sein Beruf unter der Woche zwischen Wunstorf und Berlin pendeln lässt, sondern er zudem seit zwei Jahren unter der Haube ist. Dazu kommt, dass sich auch das Publikum deutlich gewandelt hat: „Heute sind die meisten Leute auf einen ganz bestimmten Geschmack spezialisiert und festgelegt. Daher ist es viel schwieriger geworden, bei einer größeren Gruppe Musik auszuwählen, die allen gefällt.“ jp

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