Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Der Schienenfresser bahnt sich neue Wege

Bückeburg/Minden / Gleisbauarbeiten Der Schienenfresser bahnt sich neue Wege

Mit gewaltigem Getöse bewegt sich der Lindwurm Meter für Meter ostwärts. Männer in orangefarbenen Westen, den Blick auf Schotter, Stahl und Maschine gerichtet, überwachen jede Bewegung. An der Oberseite rasen zwei Schlitten vor und zurück und bringen schwere Betonschwellen in Position. 500 Meter misst der Schnellumbauzug, der derzeit neue Gleise am Mindener Bahnhof verlegt.

Voriger Artikel
80 Jahre Fußball in Cammer und Päpinghausen
Nächster Artikel
Betrunkener schlägt mit der Flasche zu

Der „Schienenfresser“ bahnt sich seinen Weg von Minden gen Bückeburg – mit bis zu 2,5 Kilometern am Tag.

Quelle: bus

Bückeburg/Minden (mt). Bis zu 2,5 Kilometer neue Gleise kann das Ungetüm in einer Schicht verlegen – wenn es nicht gerade kaputt ist wie am vergangenen Dienstag. 28 Männer bedienen das riesige Gerät, das gleichzeitig das alte Gleis und die Bahnschwellen entfernt und neue Schwellen und Gleise verlegt. Das sieht aus, als würde der Zug die Holzschwellen in sich hineinfressen. Während der vordere Teil mit der Lok noch auf den alten Schienen unterwegs ist, rollt der hintere Teil bereits auf neuen Gleisen.

„Die Strecke hier ist ein Nadelöhr“, sagt Manfred Ziegerath, Sprecher der Deutschen Bahn. Der Abschnitt ist Teil des wichtigen Ost-West-Korridors zwischen Ruhrgebiet und Berlin. Hier wird nicht mal eben ein Streckenabschnitt erneuert: „Solche Arbeiten werden fast zwei Jahre vorgeplant. Und wir müssen die Bauzeiten einhalten, weil wir einen Fahrplan haben.“ Denn während sich die gewaltige Maschine langsam in Richtung Bückeburg frisst, müssen passierende Züge die Geschwindigkeit deutlich herabsetzen. Verzögerungen, die bei den Bahnreisenden nicht gut ankommen.

„Die Züge fahren hier sonst mit bis zu 160 Stundenkilometer vorbei, jetzt ist die Geschwindigkeit auf 90 Stundenkilometer herabgesetzt“, sagt Wolfgang Krause von der Bauüberwachung. Er muss darauf achten, dass bei sorgfältiger Arbeit der Zeitplan eingehalten wird und den 28 Arbeitern nichts passiert. Ein Hupen und ein gelbes Blinksignal am Gleisbauzug warnen vor einem herannahenden Zug. Der ICE rauscht auf dem Nachbargleis vorbei. „Nicht ungefährlich“, sagt Wolfgang Krause.

Sein Team kommt aus Neustrelitz, die Gleisbauarbeiter und ihr Zug gehören zur Firma H.F. Wiebe aus Achim. Züge dieser Art gibt es wenige in Deutschland. „Vielleicht zwölf, 13“, sagt Bahnsprecher Ziegerath. Diese Großgeräte kommen nur beim Neubau längerer Abschnitte zum Einsatz. „Kürzere Abschnitte werden konventionell umgebaut. Der maschinelle Umbau lohnt sich erst ab Strecken von mindestens einem Kilometer“, sagt Krause. Sonst werden Schienen und Schwellen mit Bagger und Muskelkraft erneuert.

Der Umbauzug erledigt alles in einem Arbeitsgang. Schaufeln kurz hinter der Lok schieben den Schotter beiseite, maschinell werden die alten Schwellen und Schienen aus dem Gleisbett gehoben. Die Arbeitseinheit des Zuges macht nur einen kleinen Teil des Lindwurms aus. Auf den hinteren Waggons lagern die neuen Betonschwellen. Über dem gesamten Zug flitzen zwei Kräne auf Schienen hin und her. Sie versorgen die Arbeitseinheit mit frischen Schwellen und transportieren die alten Holzschwellen auf die hinteren Waggons. Alle 180 Meter muss der Zug eine Zwangspause einlegen. Dann sind die Gleise zu Ende, die auf die neuen Betonschwellen verlegt werden. An jeder Seite muss eine neue Schiene eingefädelt werden – keine leichte Sache, bei der die Arbeiter ordentlich ins Schwitzen kommen. Jeder hat seine feste Aufgabe.

Nicht die einzige Handarbeit rund um den Gleisbau. Zwei Arbeiter sind ständig damit beschäftigt, die neu verlegten Schienen mit den Betonschwellen zu verschrauben. Sie laufen direkt hinter der maschinellen Arbeitseinheit unter dem Zug, ihre pneumatisch betätigten großen Schrauber sind mit der Maschine über Schläuche und Kabel verbunden. Zehn Stunden dauert eine Schicht. Von Minden haben die Männer nicht viel mehr gesehen als den Bahnhof und ihre Unterkünfte. „Bei dieser Arbeit ist man am Abend fertig. Da trinkt man noch ein Bier und dann ist Feierabend“, sagt Krause.

Auch der Umbauzug folgt einem Fahrplan. Nächsten Freitag ist er in Hannover im Einsatz. Zwischen Minden und Bückeburg sind die Arbeiten dann aber noch nicht beendet. Noch weitere Arbeitsschritte sind nötig, bis die neuen Schienen schließlich verschweißt werden können. Dass es dabei nicht geräuschlos abgeht und Anwohner durch die Bauarbeiten gestört werden, bedauert Ziegerath. Die Arbeiten werden jedoch so schnell wie möglich erledigt – schon im Eigeninteresse der Bahn. Getrödelt wird nicht, verspricht Krause: „Wenn die Bahn so bauen würde wie auf der Autobahn, dann ginge auf der Schiene nichts mehr.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg