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„Die Beklopptesten unter den Bekloppten“

Morgan-Club „Die Beklopptesten unter den Bekloppten“

Null Komfort, nicht ganz wasserdicht, weder ABS noch Servolenkung: Ruhigen Gewissens kann man keinem Menschen dazu raten, sich einen Morgan Plus 8 zu kaufen, den Inbegriff des britischen Roadsters.

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 Michael Dombrowski (links) und André Koopmann im engen Cockpit eines Morgan Plus 8.

Quelle: ly

Bückeburg. Deshalb empfiehlt André Koopmann, Sektionsleiter des Morgan-Clubs und Betreiber einer Werkstatt, eine ausgiebige Probefahrt. „Wenn man das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt, ist es das richtige Auto“, sagt Koopmann. „Einen Morgan kann man nur hassen oder lieben. Dazwischen gibt es nichts.“

Der Morgan steht für die reine Lehre vom Roadster. Seit Jahrzehnten pfeift der englische Autobauer auf alle Designtrends. Ein Morgan ist nicht wirklich zeitgemäß. Das macht einen Teil seiner Faszination aus. Michael Dombrowski, Rechtsanwalt in Bückeburg, bekommt das Lächeln seit 1969 nicht aus dem Gesicht.

Das Verdeck seines bislang achten Morgan, eines Plus 8 von 1992 mit 3,9 Litern Hubraum und fast 200 PS, bleibt auch im Winter meistens geöffnet, wenn es nicht gerade regnet oder schneit. „Unter den Bekloppten sind wir beiden die Beklopptesten“, scherzt Koopmann, der aus Sulingen „oben ohne“ zum Stammtisch des Morgan-Clubs im „Minchen“ angereist ist. „Hier sind alle auf einer Wellenlänge“, erklärt der Sektionsleiter Mitte-Nord (140 Mitglieder). „Wir finden die Unzulänglichkeiten des Autos schön.“

Belohnt werden die Fans für ihre Leidensfähigkeit mit einer Fahrmaschine reinsten Wassers, flach, hart, eng und mit einem derart brachialen Antritt aus niedrigen Drehzahlen, dass die Freudentränen waagerecht abfließen. Nichts geht über Drehmoment. Bei einem Gewicht von weit weniger als 1000 Kilogramm hat der Achtzylinder leichtes Spiel.

„Wie ein Motorrad auf vier Rädern und mit ähnlichen Beschleunigungswerten“, beschreibt Koopmann einen Teil der Faszination seines klassischen Plus 8 (V 8 von Rover, 150 PS, Baujahr 1974). Auf Tempo 100 sprintet der Plus 8 je nach Motorisierung in sechs bis sieben Sekunden. Auf kurvigen Landstraßen spielt der Morgan sein niedriges Leistungsgewicht aus, gepaart mit einem tiefen Schwerpunkt und akustisch untermalt von jenem Bass, den nur ein V 8 erzeugt.

Zum Fahrerlebnis gehört eine Lenkung, die zwar direkt, speziell mit einem schweren Achtzylinder auf der Vorderachse aber schwergängig arbeitet, was auch für die Kupplung gilt. Obendrein ist der Wagen übermotorisiert. Ist er zu stark, bist Du zu schwach. Der Vierzylinder fährt dagegen wie ein Kart.

Dombrowski hat Verwandte in England. Mit zehn Jahren sah er zum ersten Mal einen Morgan und wusste sofort: „Das ist mein Auto.“ Zwölf Jahre später erfüllte sich Dombrowskis Traum in Gestalt eines Vierzylinders. „Das unzuverlässigste Auto, das ich je hatte“, erinnert sich der Schaumburger, bekannt auch als Kreistagsmitglied der Grünen. Allem Ärger zum Trotz hatte er damals Blut geleckt.

Weitere zehn Jahre danach kam der erste Plus 8 ins Haus, unter der langen Motorhaube ein V8 von Rover. „Man hat Wind in den Haaren und fährt einen Oldtimer mit moderner Technik“, fasst Dombrowski zusammen.

Gebaut wird der Morgan als 4/4 seit 1936, der Plus 8 seit 1968, simple Konstruktion, ein Auto ohne Firlefanz, mittlerweile auch zuverlässig. Acht Jahre lang gab es keinen Plus 8, dann kam 2012 das aktuelle Modell, unterm Blech ein fabelhafter Achtzylinder-V-Motor von BMW, der 367 PS leistet. Vier- oder Sechszylinder gelten vielen Fans als charakterschwach. Auf der anderen Seite soll es sogar Morgan mit Anhängerkupplung geben. Für die Urlaubsreise samt Wohnwagen. ly

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