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Die Beste

Jubiläumskonzert Die Beste

Orgelbauer Rudolf Janke genießt beim Jubiläumskonzert in der Stadtkirche sein „liebstes Kind“. Er hat den 20. Geburtstag „seiner“ Orgel aus der ersten Reihe beobachtet. Als Ehrengast war er an diesem Tag nach Bückeburg gekommen, um das Konzert mitzuerleben und „um zu hören, wie meine Orgel klingt“.

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Matthias Neumann entlockt der Janke-Orgel wunderschöne Klänge.

Quelle: mig

Bückeburg. Bis heute ist das 1997 fertiggestellte Instrument Jankes liebstes Kind. „Das ist meine beste Arbeit, meine beste Orgel“, lässt er die Umstehenden wissen. Mit dem Klang sei er „sehr zufrieden“.

Die Stadtkirche und ihre Orgel(n): Das ist eine lange Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die erste Orgel stammt vom Wolfenbütteler Orgelbaumeister Esajas Compenius I., der 1617 ein Meisterwerk geschaffen haben soll. Davon war 1972 – nach vielen Um- und Neubauten – nur noch das Gehäuse erhalten. Der Kirchenbrand zerstörte weitere Teile. 1965 machte sich Emil Hammer daran, die Orgel – unter Verwendung erhaltener Originalteile – zu rekonstruieren. Das Werk musste vollständig neu aufgebaut werden. Anfang der neunziger Jahre wandte sich die Stadtkirchengemeinde an Rudolf Janke. Mängel waren aufgetreten, man wollte eine neue, dreimanualige Orgel in Auftrag geben. Nach Vorstellungen der Gemeinde sollte sie mechanisch funktionieren und dem nord- und mitteldeutschen Barock verpflichtet sein. „Damals wäre ohnehin eine Generalüberholung dringlich gewesen“, erinnert sich der ehemalige Kantor Edgar Räuschel an diese Zeit. Bischof Hermann habe sich sehr für eine neue Orgel eingesetzt und dann gesagt: „Lass uns das machen – so eine Gelegenheit kommt nie wieder.“

"Es hat sich alles gelohnt"

Die Arbeiten begannen 1993, und Räuschel war zunächst sprachlos. „Als alles draußen war“, habe er die leere Stelle auf der Empore gesehen und sich gedacht: „Wie mag das wohl weitergehen?“ Ein anderes Problem sei das geringe Platzangebot gewesen. „Das alles unter einen Hut zu bekommen, war ziemlich schwierig“, meint Räuschel heute. Andererseits: „Wenn ich heute der Orgel lausche und ihrem wunderschönen Klang, der immer schöner wird, dann denke ich mir: Es hat sich alles gelohnt.“

Besonders freut sich Räuschel, das beim Jubiläumskonzert Bachs dritter Teil der Klavierübung gespielt wurde. „Für diese Werke ist die Orgel eigentlich gebaut worden. Die Bach‘sche Interpretation liegt im Zentrum der Möglichkeiten dieses Instrumentes.“ Mit der Klavierübung hätten die Zuhörer einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten dieses Instrumentes bekommen, sagt Räuschel. „Das war ein tolles Konzert, das uns allen gezeigt hat, was für ein Geschenk dieses Instrument für Bückeburg und die Stadtkirchengemeinde ist.“

Trotz seiner 86 Jahre ist auch Rudolf Janke selbst nach Bückeburg gekommen. Bis vor Kurzem hat er noch die von seiner Firma angenommenen Wartungsverträge erfüllt, vor einem Jahr ist er endgültig in Rente gegangen. Als Orgelbauer ist Janke vor allem durch seine konsequente Restaurierungspraxis historischer Orgeln in Norddeutschland bekannt geworden. Er hat sich ein großes Renommee auf seinem Gebiet erarbeitet. Räuschel bezeichnet den Göttinger sogar als einen Künstler. Janke selbst stapelt etwas tiefer: Die Orgel in der Stadtkirche sei seine beste Arbeit, „das kann man ohne Weiteres so sagen“. Mit dem Klang und dem Tonspektrum ist Janke bis heute „sehr zufrieden“. Schwierig war damals vor allem, „einen der Größe der Orgel angemessenen Prospekt in der Kirche unterzubringen“.

Ein wuchtiger Jubelsturm

Der musikalische Teil des Abends war ein Hochgenuss. Matthias Neumann spielte den „dritten Theil der Clavierübung“ und illustrierte so die große Bandbreite der Janke-Orgel. Den Anfang dabei machte das „Praeludium pro Organo pleno“ BWV 552,1. „Volles Programm“ also. Neumann griff gehörig in die Tasten und konnte auch mit einem massiven Pedalklang überzeugen. Pracht und Herrlichkeit Gottes kommen in einem massiven, wuchtigen Jubelsturm zum Ausdruck. Die Architektur des Werkes, die die göttliche Dreifaltigkeit musikalisch in drei Themen abbildet, kommt so mit plastischer Wirkung zur Geltung. Im Gloria „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ wirkt das Lob Gottes heiter-beglückend, fast schon beschwingt. Neumann gelingt ein differenziertes, durchsichtiges Tongebilde – elastisch und federnd. Nach dem strengen „Dies sind die heiligen zehn Gebote“ ertönt das Credo „Wir glauben all an einen Gott“, als ein starkes, überzeugtes Glaubensbekenntnis. Das Gebet „Vater unser im Himmelreich“ spielt Neumann zurückhaltend und meditativ. Und mit komplexen Laut-Leise-Dynamiken, die einen fast schon plastischen Effekt machen. Wie Bach Theologie in Musik umsetzt, zeigt sich am Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, dessen aufsteigende Klang-Säulen wie ein Flehen zum Himmel wirken.

Den Schlusspunkt setzte dann die „Fuga a 5 con pedale po Organo Pleno“, BWV 552,2. Noch einmal zieht Neumann alle Register, noch einmal rauscht ein gewaltiger Klangstrom durch das Kirchenschiff.

Fazit nach diesem fulminanten Konzert: Es hätte ruhig länger dauern dürfen. Das exzellente Spiel Matthias Neumanns hat das Publikum die harten Kirchenbänke vergessen lassen. mig

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