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Die Fackel der Begeisterung entzünden und weitergeben

Bückeberg / Posaunencamp Die Fackel der Begeisterung entzünden und weitergeben

In seinen Kreisen ist er weltberühmt: Jonas Bylund wurde 1963 in Schweden geboren, war Soloposaunist im „Oslo Philharmonic Orchestra“, im „Royal Stockholm Philharmonic Orchestra“ sowie bei den Bamberger Symphonikern.

Bückeberg (rnk). Er ist Mitglied des Stockholm Chamber Brass, einem der führenden Ensembles in der Welt, seit 1995 ist er Professor an der Musikhochschule für Musik und Theater in Hannover. Und er ist ein Lehrer, der seine Schüler offenkundig zu begeistern scheint, denn sonst würde Hannes Dietrich an diesem Nachmittag nicht im jbf-Zentrum stehen und 16 Musiker mustern. Eine Woche haben sie hier gearbeitet und sich weiterentwickelt, haben geprobt, morgen wollen sie das Erarbeitete im öffentlichen Konzert vorstellen, heute ist Generalprobe. Und wenn man so will, so hält Hannes Dietrich eine Fackel hoch, die Bylund entzündete: Mit Spaß und Freude Posaune spielen – und diese Begeisterung weitergeben. Dietrich formuliert es so: „Er hat uns superviel mitgegeben.“

Der 26-jährige Hannes Dietrich aus Wendthagen ist ein ganz alter Hase im Musikgeschäft. Bereits mit drei Jahren erhielt er seinen ersten Cellounterricht und wechselte mit zwölf Jahren zur Posaune. In seiner Jugend spielte er unter anderem im Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester und dem Bremer Landesjugendorchester, 2003 nahm er bei „Jugend musiziert“ teil und gewann den 3. Bundespreis. Nach dem Abitur begann er 2004 sein Studium bei Jonas Bylund, das er später mit der Bestnote abschloss. Heute ist er Mitglied bei „Trombone Unit Hannover“, aber davon später.

Um die von Bylund geweckte Begeisterung in die musikalische Welt zu tragen, entschloss er sich mit drei Mitposaunisten, einen einwöchigen Workshop anzubieten. Sie haben Flyer gedruckt und überall verteilt, wo Musik eine Rolle spielte, aber ein bisschen enttäuscht waren sie dann schon, als sich „nur“ neun Schüler anmeldeten. Heute wird der Workshop zum fünften Mal ausgetragen, er nennt sich „Posaune pur Camp“, 16 machen mit, 280 Euro kostet die All-inclusive- Woche. Jeder Teilnehmer erhält dabei täglich intensiven Einzelunterricht, es werden Stücke erarbeitet, es wird an der Technik gefeilt und das eigene Üben verbessert – schließlich kann man sich manchen Trick vom Profi abschauen. Denn nicht nur Dietrich hilft hier dem Nachwuchs. Auch Tobias Schiessler gehört zum Gründungsquartett des Camps, heute ist er Lehrbeauftragter im Fach Posaune an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover – und Gründungsmitglied des Ensembles “Trombone Unit Hannover“. Aber wie gesagt: davon später mehr.

Auch Christopher Nimz gehört zu den ersten Vier, die die Bylund-Begeisterung in einem Camp weitergeben wollten. Er studierte Posaune in Hannover und London, dann wechselte er die Seiten von der künstlerischen Praxis in den Bereich des Kulturmanagements. Seit dem April arbeitet Nimz beim Netzwerk „junge ohren“. Oder Michael Zühr, der den Sprung ins renommierte Gürzenich-Orchester Köln geschafft hat, das im Konzert- wie im Opernbereich zu den führenden Orchestern Deutschlands zählt. Soll auch heißen: Beim „Posaune pur Camp“ wird man nicht nur von echten Könnern geschult, man kann – gleichsam nebenbei – Netzwerke knüpfen, die lange Zeit halten können und sich über sehr viele Teilbereiche des Musikgeschäftes erstrecken können. „Anders geht es gar nicht“, sagt Dietrich, und: „Mittlerweile habe ich eine Menge Telefonnummern, die ich anrufen kann.“ Die von Nico Benadie gehört wohl auch dazu, aber da dieser seit 1999 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater Hannover innehat, kennt man sich natürlich persönlich. Benadie ist beim Posaunen-pur-Camp dabei, um am Klavier Unterstützung zu bieten, auch Christiane Friedrich hilft dem Nachwuchs mit der Bratsche.

Und im Gegensatz zu der Bratsche, die seit Jahrhunderten eine prominente Rolle in der Musik spielt, sind Musikstücke für Posaunen vergleichsweise dünn gesät, daher reicht das Repertoire der Musiker oben auf dem Bückeberg auch von Schubert bis hin zur Moderne, „man nimmt, was da ist; eine Posaune ist keine Bratsche, für die 1000 Sachen geschrieben werden“, formuliert es der 16-jährige Hildesheimer Bassposaunist Alexander Knoll, der mit zwei anderen Musikern, die er hier im Camp kennengelernt hat, mittlerweile den Sprung in das Niedersächsische Jugendsinfonieorchester geschafft hat. Das steht – vielleicht – Luca Wolff noch bevor, der Zwölfjährige hat keine weite Anfahrt, er kommt aus Obernkirchen. Und? Kann man in der Bergstadt Posaune spielen? Nein, eher nicht, sagt Luca, man muss nach Rinteln fahren: zur Kreisjugendmusikschule. Und das tut er also auch.

Bleibt noch die „Trombone Unit Hannover“. Hannes Dietrich will erst gar nicht erzählen, Nico Benardie muss ihn erst ermuntern, aber nun gut: Das Posaunen-Oktett hat gerade den Deutschen Musikpreis gewonnen. Nachdem die Teilnahme 2008 mit einem Stipendium honoriert wurde, konnte sich das Ensemble in diesem Jahr als erstes Posaunenensemble in der Geschichte des Wettbewerbs einen Preis erspielen. Einen Doppelsieg – den es in der gesamten Wettbewerbsgeschichte noch nicht gegeben hat – konnte Ensemblemitglied Lars Karlin erzielen. Neben der Ensemblewertung war er auch im Solowettbewerb siegreich.

Mit Blick auf das fünfte Camp kommt bei Dietrich ebenfalls Freude auf: Es gab zum ersten Mal einen Zuschuss, von der Schaumburger Landschaft. Dietrich hofft, dass das diesjährige Camp mit plus/minus null endet. Es wäre das erste Mal.

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