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Bückeburg Stadt Die Mehrheit sagt „Nein“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Die Mehrheit sagt „Nein“
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00:18 29.06.2018
Seitens der Schülervertreter ist auf der Gesamtkonferenz angeregt worden, das bereits vorhandene Fußballfeld mit der Multifunktionsanlage zu überbauen. Da damit das Müllproblem weiter fortbestanden hätte, hat sich die Gesamtkonferenz mit deutlicher Mehrheit gegen die Anlage am Adolfinum ausgesprochen. Quelle: rc
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Bückeburg

Mit welcher Mehrheit entschieden worden ist, wollte er nicht sagen. Am Montagnachmittag war die Gesamtkonferenz zusammengekommen – außer dem Kollegium mit seinen rund 80 Lehrkräften, die sich bereits im Vorfeld fast geschlossen gegen die Multifunktionsanlage ausgesprochen hatten (wir berichteten), waren noch je 18 Schüler- und Elternvertreter anwesend.

Wie Pavel sagte, sei noch einmal eingehend über eine Anregung der Schüler diskutiert worden, das bereits vorhandene Fußballfeld mit der Multifunktionsanlage zu überbauen. Die Anregung sei aber schließlich mit den bereits bekannten Argumenten abgelehnt worden. Die befürchteten Verunreinigungen durch Müll und Scherben sowie die ungeklärte Toilettensituation seien auch bei einer Überbauung des Fußballfeldes zu befürchten gewesen. Zudem hätte die Anlage das gewachsene Schulgelände mit seinen Bäumen und Büschen nicht schöner aussehen lassen.

Großes Unverständnis

Seitens der Politik ist die Entscheidung mit großem Unverständnis aufgenommen worden. Der Chef der Mehrheitsgruppe von SPD und Grünen, Bernd Insinger, wertete die Entscheidung der Schule als „bedauerlich und erstaunlich“. Die Diskussion hätte viel früher geführt werden müssen und „nicht kurz vor knapp“. Die Schule sei einbezogen und spätestens informiert gewesen, als die Stadt mit dem Landkreis als Eigentümer von Schule und Gelände über den Gestattungsvertrag verhandelt hat.

Die Entscheidung sei fragwürdig, so Insinger. Es wäre kein Nachteil gewesen, dass die Schule ihren Schulhof öffnet, so wie es bereits zahlreiche offene Schulhöfe in Bückeburg gibt, die in den Nachmittag- und frühen Abendstunden genutzt werden können. Wie in der jüngsten Ratssitzung bereits diskutiert, wolle er noch einmal Gespräche mit der Schule führen. Wenn sich die Entscheidung des Gymnasiums weiter verfestige, dann müsse die Stadt trotz des bereits mit dem Landkreis geschlossenen Gestattungsvertrags Abstand von dem Standort nehmen.

CDU-Fraktionschef Axel Wohlgemuth zeigte sich ebenfalls „sehr enttäuscht“ von der Entscheidung: „Sie entspricht nicht dem, was die Schule mit ihrem Leitbild vermittelt.“ Er zitierte Schlagworte von der Homepage wie „Schule mit Courage“ oder die Übernahme sozialer Verantwortung sowie der Verankerung in der Stadt: „Das alles wird konterkariert.“ Die von der Schule angeführten Argumente zu Müll, Dreck und Urinieren hinter Büschen bezeichnete er als „Abschottungsmentalität“.

Probleme mit Müll

Es gebe überall Probleme mit Unrat in öffentlichen Räumen: „Wir können nicht alles zumachen.“ Auch er sprach sich für weitere Gespräche aus: „Obwohl mir die Hoffnung sehr gering erscheint.“ Die Entscheidung werfe die Stadt „um Längen zurück“. Jugendlichen in der Kernstadt mit ihren rund 10.000 Einwohnern könne weiterhin kein Anlaufpunkt geboten werden. Zudem sei bereits Geld für Gutachten für diesen Standort ausgegeben worden. „Alles extrem ärgerlich“, so Wohlgemuth.

„Die Entscheidung der Schule ist nachzuvollziehen und zu respektieren“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gruppe BfB/WIR/FDP, Andreas Paul Schöniger. Es hätten viel eher Gespräche geführt werden müssen. Der Gestattungsvertrag könne nicht gegen den Willen des Adolfinums umgesetzt werden. Als Ersatz schlug er eine Fläche im Sanierungsgebiet Windmühlenstraße vor: „Wir müssen den Jugendlichen endlich eine adäquate und zeitnahe Lösung bieten.“ Auch das Forum der Bückeburger Sportvereine sei einzubeziehen.

Die Stadt ist seit Jahren auf der Suche nach einem Standort für die Anlage. Diskutiert wurde unter anderem über die Wiese an der Parkpalette. rc

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