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Die Steine auspacken – und ihrer Geschichte zuhören

Bückeberg / Tag des Geotops Die Steine auspacken – und ihrer Geschichte zuhören

Ein Dino-Forscher, so erklärte Uwe Stratmann, sei einem Wattführer vergleichbar: Dieser steche mit seiner Schaufel in den feuchten Untergrund, befördere Würmer und Muscheln ans Tageslicht und erzähle die Watt-Geschichte. Hier oben auf dem Bückeberg sei es ähnlich: „Wir packen die Steine aus, decken sie auf – und dann erzählen sie uns ihre Geschichte.“

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„Das ist hier bestimmt keine tote Materie“: Uwe Stratmann erklärt die Welt der Dinosaurier.

Quelle: rnk

Von Frank Westermann

Bückeberg. Stratmann weiß fraglos, wovon er spricht. Nicht, weil er ausgebildeter Dino-Scout ist und daher Führungen anbieten darf. Auch nicht, weil er zu den Forschern der ersten Stunde hier oben gehört, nein, weil er die Spuren einst entdeckt hat: Näher an der Schaumburger Dino-Geschichte ist niemand. Und so erzählt Stratmann von der Gattung Iguanodon, von Familienverbänden, die hier oben die einstigen Lagunen durchquert haben, in der freien Wildbahn, während um sie herum die raubfressenden Saurier warteten, um sich an ihnen die Bäuche vollzuschlagen. Stratmann erzählt vom Sozialverhalten der Tiere, zeigt auf drei nebeneinander liegende Spuren, drei Generationen, die hier durchgezogen sind, eine ganze große Herde, in der die Kleinen von den Großen beschützt werden. „Ach, das wusste ich ja gar nicht“, staunt eine Besucherin. Stratmann schaut sie an: „Das ist hier bestimmt keine tote Materie.“

Wer gedacht hätte, die Spuren und Steinbruch hätten an Faszination verloren, sah sich am Sonntag eines Besseren belehrt: Schon gegen 11 Uhr werden Hunderte von Besuchern durch den Steinbruch und dessen Produktionsstätten geführt, wird erklärt, wie ein Großbetrieb wie die Sandsteinbrüche Obernkirchen produzieren und bearbeiten, während Thorsten von der Lubbe, Annette Richter und Reiner Kreuter aus einer Welt vor 140 Millionen Jahre berichten.

Fritz Klebe, der als Dezernent des Landkreises vielleicht so etwas wie der Stiefvater des Dino-Projektes ist, blättert derweil im Reiseangebot vom Schaumburger Land Tourismusmarketing. Sicher, ein touristischer Leuchtturm des Landkreises wie das Schloss Bückeburg oder der Wilhelm-Busch-Ort Wiedensahl sind die Dinofährten nicht, aber sie sind ein Mosaiksteinchen, das entwickelt werden soll. Dabei kann man sich ein bisschen Zeit lassen, meint Klebe: „Schließlich sind die Spuren auch schon 140 Millionen Jahre alt.“ Rund 1000 Besucher, so sagt Olaf Boegner als Leiter des Tourismusmarketing, habe man bei den Führungen in diesem Jahr gezählt, nicht mitgezählt die Besucher, die einfach vom Parkplatz am jbf-Centrum aus losgehen und allein die obere Sohle besichtigen. Dabei, so bekräftigt Kleve, gehe es nicht um die reinen Zahlen, sondern um die Qualität: Sonst würde man ja hier auch ein Riesenrad aufstellen, um die Massen anzulocken: „Wir wollen hier nicht das ganz große Rad drehen“, sagt er.

Klebe spricht von einem Spagat zwischen dem Tourismusverkehr, der Natur, dem Forst und natürlich dem Steinbruchbetrieb. Allen Seiten müsse man gerecht werden, „angemessen“ müsse man daher vorgehen: „So wie Münchehagen in die Vollen gehen, das können wir hier nicht.“

Offiziell ist der Tag des Geotops längst beendet, als Geologin Annette Richter, Kuratorin am Niedersächsischen Landesmuseum, noch immer Besuchern erzählt, wie Wälder zu Kohle werden, wie Pflanzen glücklich sind, hier wachsen zu dürfen („Kohlenstoff pur“), wie der Bückeberg einst hochgedrückt wurde und sich die Schichten dabei nicht homogen verhalten haben. Die Folge: Geologische Störungen, die sie als mindestens so interessant einstuft wie die Dino-Spuren („hellstes Entzücken)“, ehe sie doch wieder auf die Urtiere zu sprechen kommt, die hier einst vorbeizogen und sich nicht um Ländergrenzen kümmerten: „Dinosaurier waren unbürokratisch veranlagt. Vielleicht sind sie ja deshalb ausgestorben.“

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