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Die Töne von damals

400 Jahre Stadtkirche Die Töne von damals

 „Wir hören heute die Töne von damals...“: Ein festliches Konzert des Ensembles „Hamburger Ratsmusik“ hat am Wochenende den Auftakt für die Feierlichkeiten zum 400.Jubiläum der Stadtkirche gebildet. Die Musiker wandelten dabei auf den Spuren der Bückeburger Hofkapelle, die in dieser Form vom Fürsten Ernst (1569-1622) begründet wurde.

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Gut in Form: Die „Hamburger Ratsmusik“ und die beiden Gäste Ina Siedlaczek und Ute Mai.

Quelle: mig

Bückeburg.  Es werde Musik aus der Zeit des Baus der Stadtkirche erklingen, hatte Oberprediger Wieland Kastning in seiner Begrüßung angekündigt. Und ausgeführt, dass man „die Töne von damals“ hören werde. Eine reizvolle Zeitreise sollte es also werden, eine Beschwörung der Klangwelt von einst. All das war das Konzert, und es war doch so viel mehr.

 Schon nach den ersten Takten der „Hamburger Ratsmusik“ war klar, dass der Auftakt des an musikalischen Angeboten reichen Jubiläum-Kalenders zugleich sein erster Höhepunkt sein würde. Und überhaupt: Wer könnte besser geeignet sein, die „Musik der Bückeburger Hofkapelle“ (so lautete das Motto des Programms) zu Gehör zu bringen, als die „Hamburger Ratsmusik“, deren Anfänge bis ins 16.Jahrhundert zurückreichen und die ähnlich aufgebaut war wie die „Bückeburger Hofkapelle? An diese Tradition anknüpfend hat die Gambistin Simone Eckert 1991 ein Ensemble gegründet, dass sich der sogenannten „Alten Musik“ verschrieben hat. Sprich: der europäischen Musikstile des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks. Beim Konzert in der Stadtkirche standen ihr Christoph Heidemann (Violine), Ulrich Wedemeier (Laute) und als Gast Ute Mai (Viola da gamba) sowie Ina Siedlaczek (Sopran) zur Seite.

 Das Konzert selbst war dann wie eine Reise in die Zeit von vor 400 Jahren. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich in der Fürsten-Loge etwas bewegte. War das vielleicht Fürst Ernst, der den neuen, alten Klängen lauschte? Schließlich ist es der Name Ernst zu Holstein-Schaumburg, mit dem die Geschichte der Bückeburger Hofkapelle untrennbar verbunden ist. Es war Ernst, der schon früh Gefallen an der englischen Gamben- und Lautenmusik fand und zahlreiche Engländer nach Bückeburg holte. Was sich auch in der Besetzung der Hofkapelle widerspiegelt, in der die Gruppe englischer Musiker um Thomas Simpson und William Brade eine Sonderstellung einnahmen. In einem Brief schreibt Ernst: Allein aus Liebe der Musica habe er „etzliche Engeländer“ angenommen.

 Wie viel sich Ernst seine Liebe zur Musik kosten ließ, zeigt ein später aufgestelltes Inventar, das ein vielfältiges Instrumentarium, bestehend aus Gamben, Geigen, Kammerposaunen, Fagotten, Flöten, Trompeten oder Posaunen belegt. Erst diese Vielfalt war es, die ein Musizieren in ständig wechselnder Besetzung („in vielerlei Manieren“) möglich machte und die Musik am Hofe zu voller Blüte brachte. John Taylor sprach nach einem Gottesdienst in der Schlosskirche sogar von „sphärischer Engelsmusik“. Damit war mit dem Tod des Fürsten Ernst im Jahr 1622 erst einmal Schluss. Nur etwa die Hälfte der Musiker blieb am Hof in Bückeburg. Das habe einem „außerordentlichen Musikleben“, so Hildegard Tiggemann in ihren „Studien zur Musikgeschichte Bückeburgs vom 16. bis zum 20. Jahrhundert“, ein Ende bereitet.

 Etwas weniger als 400 Jahre später erlebte die Musik der Hofkapelle in der Stadtkirche eine Auferstehung. Die Musiker der „Hamburger Ratsmusik“ brachten Werke von William Brade („Der Königinnen Intrada“ und „Der Edelburschen Tanz“), Conrad Hagius („Es stehet geschrieben“, „Herzlich tut mich erfreuen“ aus „Neue deudsche Tricinien“) oder Thomas Simpson („Volta“) und – gleichsam als Zusammenfassung des Repertoires der Kapelle – das „Taffel-Consort“ zu Gehör. Alle drei Komponisten haben damals selbst in der Hofkapelle gespielt.

 Als echter „Ohrwurm“ mit einer wunderschönen Melodie entpuppte sich „Come again“, das Sopranistin Ina Siedlaczek sehr zart und zurückhaltend intonierte. Schon im elizabethanischen Zeitalter war das Lied ein gesamteuropäischer Hit gewesen, der „bei Fürstens“ höchst beliebt war. Ein weiterer Höhepunkt: die „Galliarde“ von Michael Praetorius, die schwerelos und sehr graziös daherkommt. Robert Johnsons „Satyr’s Dance“ spielt Simone Eckert mit einem subtilen Silberglanz und viel Kontur. Fast wirkt es, als tanze sie mit der Gambe – kaum jemand, der an diesem Abend nicht sein Herz an dieses Instrument verloren haben dürfte.

 Insgesamt war es ein wunderbares Konzert, dank eines frischen und spielfreudigen Ensembles und einer wunderbar lyrisch klingenden Ina Siedlaczek. Was die „Hamburger Ratsmusik“ vor allen anderen auszeichnet, ist eine lebendige Artikulation und eine durchdachte Interpretation. Ein feinsinniges, nuancenreiches, betörendes Zusammenspiel. „Alte Musik“? Von wegen! So frisch und natürlich, so elegant und schwungvoll hat man die Klassiker von einst selten gehört.

Von Michael Grundmeier

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