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Dieb sofort in Haft, eine Woche später verurteilt

Bückeburg / Vor Gericht Dieb sofort in Haft, eine Woche später verurteilt

Ein Litauer hat in einem Bückeburger Baumarkt in die Kasse gegriffen, 55 Euro erbeutet und das Geld gleich wieder zurückgebracht. Der Grund: Er wollte festgenommen werden.

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Quelle: dpa

Bückeburg (ly). Das behauptet der 27-Jährige jedenfalls selbst. Er gehörte demnach zu einer Diebesbande und fühlte sich nicht wohl dabei. „Ich habe der Kassiererin gesagt, dass sie die Polizei rufen soll, weil ich Hilfe wollte“, erklärte der Litauer jetzt vor dem Amtsgericht, übersetzt von einem Dolmetscher.

 Nur eine Woche nach der Festnahme hat Richter Armin Böhm den Angeklagten zu vier Monaten Haft verurteilt. Eine positive Sozialprognose, die Voraussetzung für Bewährung, sah Böhm „nicht einmal ansatzweise“. Mehr oder weniger freiwillig ins Netz gegangen ist der Polizei an jenem Dienstagabend nämlich ein Wiederholungstäter, der seine Visitenkarte bereits in mehreren Ländern hinterlassen hat. In Litauen hat der arbeitslose Mann insgesamt etwa zehn Jahre lang in Haft gesessen. Französische Gefängniszellen kennt er ebenfalls von innen – und neuerdings auch deutsche.

 Es ist 18.40 Uhr, als in dem Baumarkt an der Kreuzbreite ein Kunde mit einer auffälligen Tätowierung am Hals ans Band tritt, um eine Packung Bleistifte für 1,09 Euro zu bezahlen. Als die Lade aufspringt, greift der 27-Jährige in die Kasse, nimmt elf Fünf-Euro-Scheine und ergreift zunächst die Flucht. Als die Kassiererin (46) um Hilfe ruft, macht der Ladendieb draußen vor der Tür plötzlich kehrt.

 „Er drückte mir das Geld wieder in die Hand“, erinnert sich die Frau. „Ich war total perplex und wusste nicht, wie mir geschah. Erst dachte ich, das sei ein schlechter Scherz.“ Wie auch immer: Diebstahl bleibt Diebstahl. „Und wir haben es nicht so gern, wenn Leute aus dem Ausland kommen und hier klauen“, wie Richter Böhm betonte. „So etwas darf keine Schule machen“, hatte zuvor Staatsanwalt Timo Goldmann erklärt.

 In diesem Fall soll die Strafe deshalb auch abschreckend wirken. Für den Angeklagten sprach vor allem dessen Geständnis. Weil er die Beute wieder rausgerückt hat, ist außerdem kein Schaden entstanden. Goldmann glaubt übrigens, dass der Langfinger wegen der Hilferufe zurückgekommen ist – und nicht, um sich zu stellen.

 Der Angeklagte schwört Stein und Bein, das es so war, wie er erzählt. „Mit sogenannten Freunden“ will er damals nach Deutschland gekommen sein. Von vier Männern hat der Litauer nach eigener Darstellung nur zwei gekannt. „Ich habe das Geld nicht einfach so gestohlen, die Freunde haben es gebraucht“, drückte er sich vor Gericht geheimnisvoll aus.

 Nur am Rande: Das Heimweh hält sich bei dem 27-Jährigen vermutlich in Grenzen. In Litauen warten nämlich noch zwei offene Verfahren auf ihn.

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