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„Dumm jeloofen“: Polizei gewinnt Verfolgungsjagd

Bückeburg / Prozess „Dumm jeloofen“: Polizei gewinnt Verfolgungsjagd

Eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit der Polizei hat einem Bückeburger ein Jahr Gefängnis eingebracht, verhängt vom Amtsgericht. Für die Justiz ist der Mann am Steuer trotz seiner Jugend ein alter Bekannter: Zwölf Einträge umfasst das Vorstrafenregister des Arbeiters, Verkehrsdelikte kommen gehäuft vor. Einen Führerschein hat der 24-Jährige in seinem ganzen Leben noch nicht besessen.

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Bückeburg (ly). Ende Juli vergangenen Jahres ist der Bückeburger wieder einmal illegal unterwegs, das Fahrzeug nicht zugelassen, die Kennzeichen gefälscht, auf dem Beifahrersitz seine Freundin. Das umgebaute Auto ist so auffällig, dass er gleich einen Ferrari hätte nehmen können. „Den Wagen kennst Du doch“, denkt sich ein Polizist in Zivil, der an der Wilhelm-Raabe-Straße zu tun hat. Und der natürlich umgehend reagiert und die Verfolgung aufnimmt.

Die Verfolgung gestaltet sich jedoch schwierig, weil der Führende ordentlich Gas gibt. Zu viel Gas, denn in einer lang gezogenen Rechtskurve auf der Bundesstraße 83 schleudert und dreht sich der Fluchtwagen. Doch die wilde Hatz geht weiter, diesmal in Richtung Luhden. Zwischenzeitlich hat der Bückeburger Polizist Kollegen aus Rinteln zu Hilfe gerufen, die sich nun ebenfalls am Einsatz beteiligen.

An der Kreuzung Klein Eilsen, wo der Arbeiter nach rechts in Richtung Ortskern Luhden abbiegt, dreht sich dessen Fahrzeug erneut. Unbeeindruckt fährt der Wagenlenker weiter. In einer Rechtskurve „biegt er volles Rohr nach links ab“, wie sich ein Rintelner Polizist in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Bückeburg ausdrückt. „Ob jemand kam, konnte er nicht erkennen.“ Unter dem Viadukt hält er kurz an und wartet, um sofort wieder zurück zu fahren, als sich der Polizeiwagen nähert, Blaulicht und Martinshorn natürlich in Betrieb.

Dann ist Feierabend: In einer Kurve bricht der Fluchtwagen nach links aus, demoliert einen Weidezaun und fährt sich fest. Beide Türen springen auf, Fahrer und Beifahrerin flüchten in ein Maisfeld. Die Frau wird von den Polizeibeamten rasch gefasst, beginnt zu zetern, ihr Freund hört das und gibt auf. Den Rückweg im Streifenwagen – bei vorschriftsmäßigem Tempo – darf der 24-Jährige in Handschellen antreten.

„Der Angeklagte ist gefahren wie ein Irrer“, fasst Richter Armin Böhm zusammen. Schlusswort des Angeklagten, der früher in den neuen Bundesländern gelebt hat: „Dumm jeloofen.“ Das kann man wohl sagen, zumal die Probleme des Bückeburgers dadurch noch größer geworden sind.

Denn erst im Februar dieses Jahres hatte ihn das Schöffengericht wegen Diebstahls mit Waffen zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt (wir berichteten), allerdings noch nicht rechtskräftig. Den Antritt einer weiteren Haftstraße von 17 Monaten versucht er, durch einen Gnadenantrag zu verhindern. Darüber hinaus droht dem Bückeburger der Widerruf einer offenen Bewährung.

Von günstiger Sozialprognose kann bei diesem Wiederholungstäter aus Armin Böhms Sicht keine Rede sein. Dass der Autonarr ohne Führerschein ausgerechnet in einer Kfz-Werkstatt Arbeit gefunden hat, findet der Richter „eher ungünstig“.

Für Staatsanwalt Günter Wilkening gehört so ein Mann hinter Gitter, wie er in seinem Plädoyer sagt. „Ich will mir nicht vorhalten lassen“, so Wilkening, „dass der Angeklagte beim nächsten Mal vielleicht Menschen totgefahren hat.“

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