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Musikalische Noblesse

Duo brilliert in der Kirche in Petzen Musikalische Noblesse

Beschwingte Musik zum Frühlingsanfang ist jetzt in der Kirche Petzen zu hören gewesen. Der niederländische Cembalist Pieter-Jan Belder und die japanische Geigerin Rie Kimura spielten Werke von Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Sebastian Bach.

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Die japanische Geigerin Rie Kimura und der niederländische Cembalist Pieter-Jan Belder präsentieren sich in der Kirche Petzen in Spiellaune.

Quelle: mig

Petzen. Das hohe Niveau der Klassik-Reihe hat sich offenbar in ganz Schaumburg herumgesprochen. Teilweise reisen die Zuhörer aus Stadthagen und Minden an, um bei Konzerten dabei zu sein. Warum das so ist, dafür lieferte der Auftritt Belders und Kimuras ein gutes Beispiel. Zum einen ist da die ungewöhnliche Kombination: Ein Cembalist und eine Violinistin – das ist wirklich spannend. Beide Musiker sind vielfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Belder ist unter anderem Gewinner des Internationalen Bach-Wettbewerbs in Leipzig, Kimura wird demnächst eine CD aufnehmen. Beide haben im letzten Jahr eine außerordentlich erfolgreiche Japan-Tournee absolviert. Kurzum: Ein echter Geheimtip sind Belder und Kimura also nicht mehr – eher zwei aufgehende Sterne am Klassik-Himmel. Was ihr inspirierter Auftritt in der Kirche Petzen gut illustrierte.

 In seinem von Pastor Heinz Schultheiß geliehenen Sakko brillierte Belder vor allem bei den Werken von Carl Philipp Emanuel Bach. Wie im Flug tanzten die Finger über die Tasten – ein Tanz, der den Zuhörer in einen Rausch des Hörens hineinzieht. Ähnlich schön: die bekannte „Chaconne“ aus der „Partita“ (BWV 1004) von Johann Sebastian Bach. Bach komponierte dieses Werk für Solo-Violine, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau ereilte. Wenig erstaunlich also, dass in dem Satz Choräle anklingen, die um Tod und Auferstehung kreisen. Dazu kommt, dass das Thema der Bassstimme ununterbrochen wiederholt wird und der Zuhörer so in eine fast hypnotische Stimmung versetzt wird.

 Ansonsten machte es einfach Spaß, dem Zusammenspiel der beiden zuzuhören. Kimuras warmer und voller Ton war eine Offenbarung – toll, wie sie die Töne wie eine Blume aufblühen ließ. Und Belder entpuppte sich als ein Partner, wie man ihn sich aufmerksamer und zugewandter kaum vorstellen kann.

 Das machte sich auch bei Johann Sebastian Bachs „Sonate in h-Moll“ (BWV 1030) bemerkbar. Das Stück im sogenannten „galanten Stil“ könnte fast als Zusammenfassung barocker Motivik bezeichnet werden. Dazu kommt, dass sich das Cembalo nicht mit der akkordischen Ausfüllung eines für die linke Hand geschriebenen Basses (Basso continuo) begnügt, sondern auch in der rechten Hand gleichberechtigt ist. Auf den Zuhörer ergoss sich so ein breiter, in vielen Details ausgeschmückter Klangstrom. Darüber hinaus kann man das Werk fast ein musikalisches Kompendium des 17. Jahrhunderts nennen. In weniger als 20 Minuten fasst Bach die musikalischen Hauptformen seiner Zeit zusammen – und stellt sie in einen Zusammenhang: vom Concerto über die Sonate bis hin zur Suite. Selbst für Musiker auf dem Niveau von Belder und Kimura bietet dieser Parforceritt einen hohen Schwierigkeitsgrad.

 Im Finale wartete die hochvirtuose Giga, die in einem Taumel des Tanzes nur so dahinzufliegen scheint. Kimura brillierte mit einem farbigen, an Kontrasten reichen Klang, Belder schwelgte in akkordischer Ausfüllung und transparenter Gestaltung. Opulenz ja, aber ohne ein breites Auswalzen. Ein Konzert, das noch lange nachhallt. mig

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