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Durch Klassenfahrten ideologisch immunisiert

Bückeburg Durch Klassenfahrten ideologisch immunisiert

Als Wilm Brepohl als Sprecher der frischgebackenen Abiturienten zu Lehren, Eltern und Mitschülern sprach, da war Ludwig Erhard noch deutscher Bundeskanzler und im Bückeburger Residenz-Kino lief „Doktor Schiwago“. Es war das Jahr 1965, als der in Petershagen geborene spätere Verwaltungsdirektor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am Gymnasium Adolfinum sein Reifezeugnis ausgehändigt bekam. Jetzt, 50 Jahre später, trat er beim „Adolfiner-Tag“ als Vertreter der Goldenen Abiturienten ans Mikrofon, um anzukündigen, auch die Rede zur 100. Abiturfeier seines Jahrgangs zu halten.

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Wilm Brepohl

Quelle: jp

Bückeburg. Weniger als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung hätten damals Abitur gemacht, rief Brepohl während seiner Rede in Erinnerung. „Die Berufschancen waren exzellent, und auf die Noten kam es praktisch nicht an, da es einen Numerus clausus nur in den Fächern Medizin und Psychologie gab.“

Der schulische Alltag am damaligen Adolfinum, das seinerzeit noch an der Ulmenallee im Gebäude der heutigen Grundschule am Harrl beheimatet war, spielte sich in beschaulichem und sicherem Rahmen ab. Gesellschaftliche Krisen und Missstände wie zum Beispiel die Bergbau-, Stahl- und Textilkrise, die Abertausende von Familien ins Elend stürzte, waren weit entfernt und fanden im Bewusstsein der Schüler kaum statt. „Die notwendigen gesellschaftlichen Debatten wurden erst später an den Universitäten nachgeholt, ausgelöst vom Vietnamkrieg und der Notstandsgesetzgebung.“ Gesellschaftskritische Bücher waren hier eine Seltenheit: „Fragte man in der Hofbuchhandlung nach einem Buch von Bertolt Brecht, wurde man als halber Kommunist angesehen.“ Anfällig für linkes Gedankengut sei seine Generation allerdings nicht gewesen, so Brepohl: „Wir waren durch Berliner Klassenfahrten nach dem Mauerbau gegen den Kommunismus sowjetischer Prägung immunisiert.“

Wie schon in den vorangegangenen vier Jahren waren die Goldenen und Silbernen Abiturienten zum „Adolfiner-Tag“ in ihre ehemalige Schule eingeladen, veranstaltet vom Adolfiner-Verein, dessen Vorsitzender Klaus-Dieter Schnierl zusammen mit Oberstufen-Koordinator Martin Rüther als Vertreter der Schule die Teilnehmer begrüßte. Eine recht überschaubare Anzahl von Teilnehmern übrigens, denn nach wie vor leidet das Ehemaligen-Treffen am Gymnasium Adolfinum an der terminlichen und organisatorischen Abkopplung von der Verabschiedung der jeweils aktuellen Abiturienten. Vor vier Jahren hatte die Schulleitung des Adolfinums aufgrund der Größe des damaligen Doppel-Abiturjahrgangs diesen Schritt vollzogen und das Wiedersehen von Silbernen und Goldenen Abiturienten in die Verantwortung des Adolfiner-Vereins gelegt. Und obwohl der Doppel-Abiturjahrgang nach dem Wegfall der Klassenstufe 13 ein einmaliger Fall aus dem Jahr 2011 war, wurde aus der Trennung von Abiturienten und Ehemaligen anschließend eine Dauereinrichtung in Gestalt des „Adolfiner-Tags“ am zweiten Septemberwochenende, zu dem nicht nur die Jubiläums-Abiturienten eingeladen werden, sondern alle Ehemaligen.

Doch diese scheinen sich mit dem September-Termin auch im vierten Jahr in Folge (2014 hatte das Treffen später im Rahmen des 400. Jubiläums stattgefunden) trotz einiger Neuheiten im Programm, darunter runde Gesprächstische mit Lehrern, Schülern und Ehemaligen sowie der Möglichkeit einer Stadtführung, nicht wirklich anfreunden zu können. Schnierl bedauert die Entscheidung der Schulleitung daher nach wie vor sehr: „Ich hätte es mir wirklich anders gewünscht.“

 Musikalisch umrahmt wurde die Begrüßung der Ehemaligen von einigen Schülern der Musikklassen aus der Unterstufe. Einen besonderen Spendenaufruf richteten Vereinschef Schnierl und Schülerin Jaqueline Distel an die Anwesenden für die Gedenktafel-AG: Diese beschäftigt sich mit der Restauration und der Erforschung der etwa fünf mal drei Meter messenden Gedenktafel mit den Namen von fünf Lehrern und 186 Schülern, die während des Ersten Weltkriegs fielen. Eingeweiht wurde die Tafel im Jahr 1921, nur einen Tag später wurde der Adolfiner-Verein, der damals noch „Alte Adolfiner“ hieß, gegründet. Von Interesse sind dabei nicht nur Geldspenden, um die Arbeiten der AG zu finanzieren, sondern Informationen jeglicher Art über die Gefallenen wie zum Beispiel Feldpostkarten oder Fotos. Zurzeit befindet sich die Gedenktafel, die lange Jahre im Eingangsbereich des Gebäudes der heutigen Grundschule Am Harrl hing, in den Räumlichkeiten des Adolfinums, wo sie auch ausgestellt werden soll. jp

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