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Echtes Hör-Erlebnis

Christoph-Soldan-Trio im Staatsarchiv Echtes Hör-Erlebnis

Von der ukrainischen Dumka zum argentinischen Tango: Ein beschwingtes und beschwingendes Programm hatte das Christoph-Soldan-Trio ins niedersächsische Staatsarchiv mitgebracht.

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Das Christoph-Soldan-Trio glänzt im Staatsarchiv.

Quelle: mig

Bückeburg. Auf Einladung des Bückeburger Kulturvereins präsentierten Christoph Soldan (Klavier), Daniel Rehfeldt (Violine) und Jaap van Wely (Violoncello) Werke von Antonín Dvorák und Astor Piazzolla, Motto: „Slawische Melancholie und der Tango Nuevo“.

 An den Anfang hatten die Musiker Dvoráks beliebtestes Werk für Violine, Violoncello und Klavier gesetzt, das Klaviertrio Nr. 4 op. 90 e-Moll „Dumky“ – ein Werk, das viele Stimmungen in sich birgt. „An manchen Stellen wird es sein wie ein ernstes Lied, an anderen wie ein fröhlicher Tanz“, so hat Dvorák das Werk beschrieben, an dem er gerade arbeitet. Eine Gefühlslage wie zwischen Winter und Frühling: mal schwermütig und melancholisch, dann wieder heiter und lebendig. Mal zu Tode betrübt, dann wieder himmelhochjauchzend. Zurückzuführen sind die Stimmungsschwankungen auf die „Dumka“, ein ukrainischer Volkstanz, der dem Werk zugrunde liegt. Auch dort finden sich die zweimaligen Wechsel – die Dumka beginnt schwermütig und langsam, wird dann immer schneller und schneller, nur um zum Schluss wieder „auf Anfang“ zurückzuschwenken.

 Dieses Prinzip hat Dvorák in sein Werk eingebaut. Fast noch auffälliger ist aber etwas anderes: In seinem Werk „Dumky“ wendet sich der Komponist ganz offensichtlich von der Sonatenhauptsatzform, der klassischen Form überhaupt, ab. Soldan spricht in seiner Begrüßung von einer „Aufsprengung der Form“ und charakterisiert das Stück als „assoziativ“. „Das geht teilweise sogar ins Improvisatorische hinein“, erläutert Soldan dem Publikum.

 Und doch: Wer genau hinhört, wird die Form dennoch finden, sozusagen subkutan. Denn die ersten drei Dumki gehen quasi ineinander über und bilden so eine Art zusammenhängenden Kopfsatz mit langsamer Einleitung. Es folgen die beiden separaten Mittelsätze, also ein langsamer Satz und ein Scherzo, und dann das Finale. Ein bisschen von einem „ernsten, viersätzigen Stück“, wie Johannes Brahms das einmal nannte, findet sich also auch in den „Dumky“. Ganz und gar hat Dvorák also nicht mit den Hörgewohnheiten seiner Zeit gebrochen, ansonsten wäre der große Erfolg des Werks auch kaum möglich gewesen. Was das Publikum aber vor allem liebt, sind die raschen Stimmungswechsel, ist die Dominanz des Klangs. Diese Wechsel finden sich schon im „Kopfsatz“, denn was als gewichtige Einleitung aus Cello-Rezitativ und melancholischer Geigen-Kantilene beginnt, verkehrt sich schnell in sein heiteres Gegenteil. Ähnliches findet sich im zweiten Satz, der als träumerisches Intermezzo im Cello anhebt, dann aber einen ausgelassenen, tänzerischen, fast eruptiven Charakter annimmt. Kurzum: Die „Dumky“ sind ein wirklich komplexes Stück Musik, das seine Tücken hat und schnell „auseinanderfallen“ kann.

 Christoph Soldan (Klavier), Daniel Rehfeldt (Violine) und Jaap van Wely (Violoncello) haben damit indes kein Problem. Sie geben den „Dumky“ ein ganz eigenes Gepräge, impulsiv und außerordentlich frisch. Da speist sich jeder Takt aus einem spontanen Erleben, ohne die Sorgfalt im Detail vermissen zu lassen. Im Spiel des Soldan-Trios verschmelzen die innigen Töne des Cellos mit der klaren Linienführung des Klaviers und dem mal zarten, mal feurigen Spiel der Geige. Hier haben sich drei gefunden, die ganz ohne Zweifel zusammengehören.

 Den Schlusspunkt nach der Pause setzt dann ein Werk von Piazzolla: „Die Jahreszeiten“ – „Las Estaciones Portenas“; eine Montage aus Assoziationen. Piazzollas Komposition ist ein Hybridwerk, eine Konzertmusik, die zu konzentriertem Hören auffordert. Im „Tango Nuevo“ führt Piazzolla höchst unterschiedliche Einflüsse zusammen, die von der europäischen Kunstmusik bis hin zum Jazz reicht. In den Jahreszeiten finden sich so Dissonanzen, plötzliche Taktwechsel und vielfältige Tempoänderungen. Immer wieder kommt es zu spontanen Ausbrüchen eines mitreißenden Tangorhythmus, der nach einigen Takten erneut gebrochen wird – ein spannendes Werk, das den Musikern selber sichtlich Freude bereitet.

 Insgesamt ein Kammermusikabend, der noch lange im Gedächtnis der Zuhörer bleiben wird. Das klug ausgewählte Programm und die bestens aufgelegten Interpreten machten das Konzert zu einem echten Hör-Erlebnis.

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